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„Arbeitsverweigerung, Frechheit“: DFB-Junioren im Kreuzfeuer

Quelle: Getty Images Sport
Foto:Martin Rose

Mit einem desaströsen 0:5 gegen Portugal hat sich die deutsche U-21-Nationalmannschaft von der Europameisterschaft in Tschechien verabschiedet. Eine „Frechheit“, wie auch Leitwolf Emre Can, der sich selbst nicht aus der Schusslinie nahm, zugeben musste.

Veröffentlicht am 28. Juni 2015 von

(Hannover) Noch vor der Halbfinal-Begegnung gegen die Portugiesen hatten die „Helden von 2009“ den heutigen DFB-Junioren Mut zugesprochen. Unter anderem von Mesut Özil und Mats Hummels gingen im Laufe des Samstages Videobotschaften ein. Der darin enthaltene Kern: „Macht die weg“.

Nach der 0:5-Klatsche darf man getrost fragen, wie viel Interpretationsraum in diesem Satz steckt. Denn von dem Motto „macht die weg“ war nur im Lager der Südeuropäer etwas zu erkennen. Man wollte selbst „aggressiv agieren und den Gegner früh zu Fehlern zwingen“. Doch an diesem Samstag flossen alle Vorhaben scheinbar zum Gegner über. Von der ersten Minute an gerieten die DFB-Junioren um Kapitän Kevin Volland unter Dauerdruck. Die logische Folge waren das hochverdiente 1:0 und 2:0. Mit dem erst vierten Torschuss der Portugiesen hagelte es vor der Pause sogar noch den dritten Gegentreffer. Und als es Sekunden nach Wiederanpfiff schon 0:4 stand, war spätestens klar, dass es nur noch um Schadensbegrenzung geht. „Zum Schluss bin ich heilfroh gewesen, dass es nur fünf Stück waren“, merkte ein sichtlich angeschlagener Horst Hrubesch an. „Das hätte auch schlimmer ausgehen können.“

Hrubesch: Zum Glück nur fünf

Die Qualifikation zu Olympia war durch den Halbfinaleinzug zwar schon perfekt, doch der Titeltraum fand so ein jähes Ende. Aus dem Kindheitstraum, so kommunizierte es der DFB via Twitter, wurde ein wahres Kindheitstrauma. Nie zuvor kassierte eine deutsche U21 eine höhere Pflichtspielpleite. „Es müssen sich einige hinterfragen, ob ihre Vorbereitung so professionell war, wie es erforderlich gewesen wäre. Wir hatten einen Tag länger Pause, aber Portugal war von Anfang an frischer. Das macht keinen Sinn“, wütete Abwehrchef Matthias Ginter. Deutlichere Worte fand Mannschaftskapitän Volland: „Das war Arbeitsverweigerung von jedem Einzelnen von der 1. bis zur 90. Minute.“ Torwart Marc-André ter Stegen ergänzte: „Wir haben als Mannschaft versagt.“

 Mittelfeldmotor Emre Can schlug dagegen eine andere Richtung ein. Im Gegensatz zu seinen Teamkollegen übte sich der Shootingstar des FC Liverpool in heftiger Selbstkritik: „Man kann 0:5 verlieren, man kann 0:10 verlieren – wenn man danach in den Spiegel gucken kann und alles gegeben hat. Bei mir persönlich war es so, dass ich nicht alles gegeben habe.“ Vom 21-jährigen Leitwolf war viel erwartet worden, immerhin hatte er im Sommer den großen Sprung an die Anfield Road gewagt und avancierte im Team von Trainer Brendan Rodgers zum Stammspieler. Doch ausgerechnet im Schlussspurt des Turniers konnte er seiner Rolle nicht mehr gerecht werden. „Vielleicht dachte ich mir, ich bin der Größte. Keine Ahnung, was mit mir war. Ich muss wieder auf den Boden kommen. In diesen zwei Wochen wurde ich viel gelobt. Die Leistung war eine Frechheit.“

Am Ende steht eine böse Packung und ein denkbar ungünstiges Gefühl, dass die Youngster mit in die Sommerpause nehmen. „Das wird schwer zu verarbeiten“, so Champions-League-Sieger ter Stegen. All zu lange bleibt dazu nicht.


Schlagworte: Deutschland, Emre Can, Horst Hrubesch, Kevin Volland, Marc-André ter Stegen, Matthias Ginter, Portugal, U21-EM

Artikelinformationen


Datum: 28. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Mario Krischel
Korrektur: Katharina Freise


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