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Beachvolleyball: Sonne, Sand und Spaß am Sport

smart beach tour

Die deutschen Beachvolleyballer haben sich am vergangenen Wochenende in Münster getroffen. Dort fand der Auftakt der nationalen Beach-Tour statt. Das Wetter spielte mit, es gab spannende Spiele und begeisterte Fans. Wer konnte sich am Ende durchsetzen?

Veröffentlicht am 02. Mai 2016 von

(Münster) Strahlender Sonnenschein und begeisterte Fans. Der Auftakt in die Smart-Beach-Tour hätte kaum schöner ablaufen können. Es ist der Start in die größte nationale Beachvolleyball-Serie Europas. Und nicht nur Münsteraner waren auf den Beinen, um dieses Event zu erleben.

„Bube, Dame, König…“ „Ass!“, ruft das Publikum. Ein Spieler hat den Ball sofort mit dem Aufschlag auf den Boden bekommen. Der Moderator heizt das Publikum an. Es herrscht Volksfeststimmung in der TK-Arena, die auf dem Schlossplatz in Münster aufgebaut wurde. Neben dem Center Court gibt es drei kleinere drum herum. Dahinter steht das Schloss mit leuchtenden grünen Rasenflächen daneben. Fast nichts erinnert mehr an den so trüben Vortag. Denn das Wetter hat passend zum Finaltag nur schönsten Sonnenschein für die Spieler, Zuschauer und Veranstalter parat. Beste Vorzeichen also für einen perfekten Tourauftakt.

Familien und Freunde genießen das Wetter

Auf dem Center Court läuft eines der Halbfinals der Männer. Die Tribünen sind schon gut gefüllt, aber noch nicht jeder Platz ist besetzt. Auch wenn es erst elf Uhr ist, wird den Zuschauern, die auf der Nordtribüne sitzen schnell recht warm. Wer eine Abkühlung braucht, kann sich in die oberste Reihe setzen. Hier bekommen die Leute etwas von den Windmaschinen mit, die die Fahnen oben auf den Tribünen stetig in eine Richtung wehen. Gerade verwandelt das Duo Popp/Walkenhorst den Matchball zum 2:0 (21:17, 21:16) und besiegen damit die topgesetzten Fuchs/Windscheif. Daraufhin verlassen erst einmal einige die Tribüne, um sich zum Beispiel an den Essensbuden was zu kaufen. Sowohl Beachvolleyball-Kenner, Neulinge, als auch Fans vom Hallenvolleyball sind zusammen gekommen. Auch sehr viele Familien sind unterwegs. Für die Kleinkinder ist extra ein Sandspielplatz aufgebaut. Insgesamt transportierten 40 Lkw rund 1.400 Tonnen Sand für dieses Event zum Schlosspark.

Diejenigen, die die Tribünen nach dem Halbfinale verlassen hatten, müssen sich beeilen, wieder einen Platz zu ergattern. Immer wieder beginnt binnen weniger Minuten ein weiteres Match in der TK-Arena. Erst gewinnen Behlen/Krebs das Spiel um Platz drei der Frauen mit 2:1 (24:22, 15:21, 17:15) gegen Culav/Seyfferth, dann beginnt auch schon das kleine Finale der Herren. Spätestens jetzt wird klar, dass Spätaufsteher an diesem Tag den kürzeren gezogen haben. Da der Eintritt frei ist, drängen sich immer mehr Menschen auf den Tribünen. Doch es passen längst nicht alle in die etwa 1.500 Zuschauer fassende Arena. Mehr als hundert stehen draußen und müssen versuchen, an den Tribünen vorbei zu sehen. Aber sie bleiben, denn niemand möchte die Finals verpassen. Während sich das Duo Fuchs/Windscheiff gegen Begemann/Karpa mit 2:1 (14:21, 26:24, 15:9) durchsetzt, werden auf den Nebencourts bereits die Netzpfosten ausgebuddelt. Und immer wieder fahren auf der nahe gelegenen Hauptstraße rote Sightseeingtour-Busse. Auch wenn Münster als Stadt viel zu bieten hat, fahren sie doch an dem Event des Tages vorbei.

Das erste Finale beginnt

Bevor mit dem Frauenfinale das erste beginnt, kommt ein Olympia-Sieger zu Wort. Natürlich dürfen bei so einer Veranstaltung Julius Brink und Jonas Reckermann nicht fehlen, die 2012 in London Gold im Beachvolleyball gewannen. Der Moderator holt Brink zu sich, der in Münster geboren wurde. Ein Einheimischer, der auch auf die Welttour zu sprechen kommt. Auf der sind nämlich viele deutsche Nationalteams unterwegs. Die ist im Moment natürlich viel wichtiger, als die nationale Serie, da jeder Punkt für Rio zählt. Wer von den Teams in Münster das Rennen macht, kann Brink nicht sagen. Jeder hat die Chance zu gewinnen. Und schon kommen die beiden Frauenteams aufs Feld, die es ins Finale geschafft haben. Die topgesetzten Schillerwein/Tillermann spielen in rot. Ihre Kontrahentinnen Ittlinger/Weiland treten in gelb an. Beim Finale stehen jetzt auch erstmals zwei Linienrichter am Spielfeldrand. Es geht schließlich um alles. Den ersten Punkt sichert Ittlinger mit einem Block. Und schon setzt ein, an diesem Tag schon oft gehörtes, Lied von Sido ein: „Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Block, mein Block“. Die Klatschpappen werden in die Höhe gehalten und zum Takt der Musik geschwenkt. Jeder kennt diese Aktion, jeder, der eine Klatschpappe hat, macht mit.

Das Spiel ist zu Beginn recht ausgeglichen. Dann ziehen Schillerwein/Tillermann davon. Es steht 12:9 – technische Auszeit. Dabei nehmen die Teams nicht auf einer normalen Bank platz, sondern in Autos des Namensgebers der Tour. Nach der Pause geht es doch eher einseitig zu. Als Ittlinger einen Angriffsschlag weit am Feld vorbei setzt, geht ein Raunen durch das Publikum. Denn das war nicht nur ein Fehler ohne Not. Damit bauen die Favoritinnen ihren Vorsprung auf 17:12 aus. Die Zuschauer haben sich mehr erhofft, wollen ein engeres Match sehen. In einer weiteren Auszeit nutzt der Moderator die Pause, um eine La-Ola-Welle auf die Reise zu schicken – ein wahrer Stimmungsaufheller. Der Applaus danach ist größer, als bisher nach den Aktionen der Teams. Das Publikum feiert sich selbst. Die Stimmung steckt an, sodass nun auch die Hauptakteurinnen kräftiger angefeuert werden. Katharina Schillerwein und Cinja Tillmann lassen nun nichts mehr anbrennen und holen sich den ersten Satz mit 21:18.

Ein Höhepunkt jagt den nächsten

Der zweite Satz beginnt mit zwei Aufschlägen, die im Netz landen. Ein Zuschauer fragt ironisch: „Ist das hier das Finale?“. Als hätten die Spielerinnen dies gehört, ist gleich der nächste Ballwechsel ein Zuckerschmaus. Da Tillermann einen Ball gerade noch so abwehren kann, kommt er nicht präzise zur Mitspielerin. Schillerwein muss bis zur Bande laufen. Das Publikum jubelt, als sie diesen noch zurück ans Netz bringen kann. Auch beim 15:11 für die beiden, läuft es ähnlich ab. Schillerwein läuft und läuft, um den Ball noch zu bekommen. Tillermann baggert ihn über das Netz zurück. Eigentlich nicht schwer anzunehmen. Doch der Ball fliegt zwischen den Gegenspielerinnen hindurch und landet hinten im Feld. Applaus von den Rängen. Katharina Schillerwein tritt zum Aufschlag an. Sie wirft ihn hoch, schlägt, der Ball prallt gegen die Netzkante und fällt auf der gegnerischen Seite hinunter. Ass dank Netzroller. Das Glück ist mit den Tüchtigen.

Beim Stand von 17:14 geht es in eine Auszeit. Die Musik wird lauter gedreht. Es ertönt das Lied „Die immer lacht“ und die Zuschauer singen mit. Nach der Pause sind es Ittlinger und Weiland, die am meisten lachen. Sie kommen auf einen Punkt heran. Doch nach einer weiteren Auszeit, ziehen die topgesetzten auf 20:16 davon. Der Moderator ruft: „Und das bedeutet…“ und alle Tribünen wiederholen dies. „Und das bedeutet…“, hallt es zurück. „Matchball!“. Der zweite wird dann auch genutzt. Schillerwein sinkt in die Knie und Tillermann wirft sich strahlend in ihre Arme. Noch während die Damen jubeln, wird alles für das Männerfinale vorbereitet. Das Netz wird nach oben geschoben, die Herren spielen sich warm. Der Moderator will die nächste La-Ola-Welle los schicken. Dabei sollen die Leute die Klatschpappen in die Höhe halten und ein langgezogenes „Oh!“ rufen. Der Moderator ruft: „Bitte etwas höher!“. Das Publikum streckt die Hände mit den Klatschpappen so hoch nach oben wie es geht. „Nicht doch die Klatschpappen.“, sagt der Mann mit dem Mikro. „Das ‚Oh‘ soll höher.“ Allgemeines Gelächter ertönt. Danach schwappt die Welle ohne Probleme von einer Tribüne zur nächsten. Die Vorfreude auf das letzte Spiel des Tages ist riesig.

Immer die passende Musik parat

Im Finale stehen sich zwei Interimsduos gegenüber. Von jedem ist zurzeit der eigentliche Partner verletzt. So geht Vorjahressieger Alexander Walkenhorst mit Marcus Popp an den Start. Das zweite Duo bilden Yannik Harms und Tim Holler. Natürlich darf bei der Vorstellung der Spieler die Musik nicht fehlen. Bei Alexander Walkenhorst werden natürlich die Toten Hosen gespielt: „Hey, hier kommt Alex. Vorhang auf – für ein kleines bisschen Horrorshow“. Doch die Gegner gehen ohne jeglichen Respekt an die Sache. Schnell führen Harms/Holler mit 8:4. Doch schon schleichen sich Fehler ein. Ein Aufschlag geht ins Aus, ein Angriffsschlag ebenfalls. Beim Stand von 10:12 steht Walkenhorst fast in der Luft und kann den Ball blocken. Gleich danach gelingt ihm dies ein zweites Mal. Die Zuschauer feiern. Jetzt ist es ein Match. Doch dann kommt es zu einer Verletzungsunterbrechung. Harms muss behandelt werden. Währenddessen zieht sein Mitspieler sein Trikot aus. Es ist viel zu warm geworden. Das Publikum jubelt. Bis jetzt waren die Cheerleader die einzigen, die mal mehr nackte Haut gezeigt hatten. Als Holler nur das rote Oberteil mit seiner Nummer drauf wieder anzieht, kommentiert der Moderator dies mit: „Er kann alles tragen, es steht ihm nichts.“ Auch Holler selbst schmunzelt.

Zum Glück hat sich Harms nicht schwer verletzt. Es kann also weiter gehen. Und Harms/Holler gewinnen den ersten Satz mit 22:20. Gleich zu Beginn des zweiten Satzes kommt es zu einer kniffligen Entscheidung. Walkenhorst versucht einen Ball zu blocken. Dabei springt der Ball wahrscheinlich an die Antenne oben am Netz. Dies bedeutet, dass der Ball im Aus ist. Doch Walkenhorst glaubt, sein Gegenspieler hätte diesen vorher an die Antenne geschlagen. Er diskutiert mit dem Schiedsrichter. Sofort sorgen die Verantwortlichen mal wieder für die passende Musik. Ein allseits bekanntes Lied aus dem Dschungelbuch ertönt: „Hör auf mich, glaube mir, Augen zu, vertraue mir“. Die Zuschauer lachen. So kommt gar nicht erst eine miese Stimmung auf und das Spiel geht weiter. Und Walkenhorst selbst sorgt dafür, dass das Publikum gar nicht genug bekommt. Gleich dreimal hintereinander entscheidet er einen Ballwechsel durch einen Block. „Ohne Worte“, schallte es aus den Lautsprechern. Dank einer starken Leistung geht der Satz mit 21:14 an Popp/Walkenhorst. Ausgleich. Es geht in den entscheidenden letzten Satz.

Ein knapper Sieg zum Ende

Zunächst können sich Popp und Walkenhorst mit 5:2 absetzen. Doch deren Gegner geben nicht auf. Sie holen auf und gleichen durch ein Ass von Harms zum 6:6 aus. „Bube, Dame, König…“, ruft der Moderator. „Ass!“, antworten die Fans. Es geht in die heiße Phase des Spiels. Und es bleibt ein enges Match. Niemand kann sich entscheidend absetzen. Dann steht es 13:12 für Harms/Holler. Wenn sie den nächsten Punkt machen, haben sie zwei Matchbälle. Doch Harms verzieht seinen Angriffsschlag. Er landet im Aus und Holler lässt sich in den Sand fallen. Er weiß, welche Chance sie gerade vergeben haben. Wer auch immer den nächsten Punkt bekommt, es gibt auf jeden Fall einen Matchball. Harms und Holler machen den nächsten Punkt. Das Publikum erhebt sich. Höchste Konzentration jetzt. Der Ball fliegt bei der Angbabe über das Netz. Doch Popp und Walkenhorst können ihn nicht kontrollieren. Er fällt durch einen Annahmefehler seitlich ins Aus. Harms schlägt die Arme über den Kopf zusammen. Er kann es nicht fassen. Der Sieg und damit die 5.000 Euro Preisgeld gehen an die beiden. Die Fans spenden Beifall. Und zwar nicht nur den beiden Herrenteams, sondern allen Spielern und den Veranstaltern. Münster war ein schöner Ort zum Tourauftakt. Als nächstes treffen sich die Beachvolleyballer vom 03. bis 05. Juni in Hamburg.


Schlagworte: Alexander Walkenhorst, Beachvolleyball, Cinja Tillmann, Katharina Schillerwein, Münster, smart beach tour, Tim Holler, Yannik Harms

Artikelinformationen


Datum: 02. Mai 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Lisa Brautmeier


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