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Breitenreiter auf Schalke: Ehrliche Arbeit und erfolgreicher Fußball

Andre Breitenreiter ist der neue Schalke Trainer
(Quelle: getty image)

Mit André Breitenreiter präsentierte der FC Schalke am Montagmittag seinen neuen Cheftrainer. Der gebürtige Hannoveraner, der mit dem SC Paderborn in der abgelaufenen Saison abgestiegen war, zeigte sich bei seiner Ankunft selbstbewusst. Keine Angst habe er vor der großen Aufgabe in Gelsenkirchen. Die erste positive Nachricht erhielt er schon nach einer guten halben Stunde: Kapitän und Eigengewächs Benedikt Höwedes wird auch in der kommenden Spielzeit das königsblaue Trikot tragen.

Veröffentlicht am 16. Juni 2015 von

(Hannover.) Gerade einmal ein Jahr ist es her, da entschied man sich auf Schalke, aufgrund einer herausragenden Rückserie auch in die neue Saison mit Cheftrainer Jens Keller zu gehen. Der stets im Kreuzfeuer stehende Coach, der sich trotz mehr als zufriedenstellender Ergebnisse nie sicher fühlen konnte. Und so ging er auch die neue Saison. Die Bundesliga hatte noch nicht mal begonnen, da wurde schon wieder fleißig an seinem Stuhl gesägt. Mit 1:2 blamierte sich Schalke 04 in der ersten DFB-Pokalrunde bei Drittligist Dynamo Dresden. Besser wurde es für Keller auch eine Woche später nicht, als mit einer 1:2-Pleite auch der Bundesliga-Auftakt bei Hannover 96 missglückte. Zwei Monate später war seine Zeit abgelaufen. Nach nur zwei Siegen aus zehn Pflichtspielen musste der Stuttgarter seinen Hut ziehen und Platz für einen prominenten Nachfolger machen.

Kellers Schicksal – di Matteos Untergang

Roberto di Matteo sollte den FC Schalke wieder zurück zum Glanz und erneut in die Champions League führen. Wenn nicht er, wer dann? Schließlich kam der Italo-Schweizer als ehemaliger Königklassen-Sieger ins Revier. 2012 ergatterte er als Trainer mit dem FC Chelsea den Henkelpott in der Münchner Allianz Arena, als die Blues dem FC Bayern das „Drama dahoam“ bescherten. Doch auch seine Ausstrahlung ging schnell verloren. Zwar wurden zunächst minimalistische Sieg eingefahren, aber spätestens nach der 0:5-Klatsche gegen seinen Ex-Klub Chelsea in der Champions League musste auch er sich das erste Mal verantworten. Was zunächst auch gelang, war zum Saisonendspurt eine einzige Farce. Mit unansehnlichem Fußball und keinem einzigen Auswärtserfolg in der Rückrunde rutschte Königsblau auf den sechsten Tabellenplatz ab uns startet somit nach drei Jahren in der Königklasse im kommenden Jahr „nur“ in der Europa League. Für di Matteo bedeutete dieses Ergebnis nach nur sieben Monaten das Aus als Trainer.

„Was soll denn ein Viertligatrainer bringen?“

Auf der Suche nach einem abermals neuen Coach nahm sich Manager Horst Heldt nun die nötige Zeit, um den seiner Meinung nach geeigneten Mann zu finden. Gefunden hat er ihn – wenn auch im zweiten Anlauf – in André Breitenreiter. Wunschkandidat Markus Weinzierl, der mit dem FC Augsburg am 34. Spieltag am FC Schalke vorbei auf Platz fünf gezogen war, hatte Heldt eine Absage erteilt. Auch Belgiens Nationaltrainer Mark Wilmots war eine ernsthafte Option, doch „ihm habe ich am Freitag mitgeteilt, dass wir uns für einen anderen Trainer entschieden haben“, wie Heldt auf Breitenreiters Vorstellung am Montag erklärte.

Und wer ist nun der Mann, der sich der schier unmöglichen Herausforderung auf Schalke stellt? Sein persönlicher Aufstieg hätte schneller kaum laufen können. Erst vor zwei Jahren erwarb Breitenreiter seine Fußballehrer-Lizenz. Zunächst formte er Regionalligist TSV Havelse zu einem Aufstiegskandidaten und heuerte nur kurze Zeit später bei Zweitligist Paderborn an. Auch in Ostwestfalen waren die kritischen Stimmen anfangs unüberhörbar: „Da kommt ein Viertligatrainer“, witzelte der 41-Jährige, „was soll der denn bringen?“. Gebracht hat er einiges, denn am Ende der Saison stieg er mit dem SCP sensationell ins Oberhaus auf. Und das kleine Fußballmärchen schien kein Ende zu nehmen. Am 5. Spieltag der vergangenen Saison reiste man als sensationeller Tabellenführer zum FC Bayern, der die Verhältnisse mit einem deutlichen 4:0-Heimsieg aber wieder gerade rückte. Doch Paderborn wusste weiter zu gefallen. Mit unermüdlichem Kampfgeist, aufopferungsvoller Teamarbeit und nie endendem Optimismus verschafften sich der SCP und Breitenreiter ein hohes Ansehen in der Republik.

Breitenreiters Rezept: Zurück zur „Maloche“

Trotzdem reichte es am Ende nicht zum Klassenerhalt. Schließlich waren die Qualitätsunterschiede ausschlaggebend dafür, dass sich die Konkurrenten aus Stuttgart und Hamburg retten konnten. Der SCP startet also wieder in Liga Zwei, doch für Breitenreiter beginnt das nächste große Kapitel, und wieder klettert er auf der Karriereleiter hoch hinaus.

„Ich bin überglücklich und stolz, einen Verein wie Schalke 04 trainieren zu dürfen“, freute sich der neue S04-Coach bei seiner Vorstellung. Angst oder Nervosität verspüre er nicht, vielmehr habe er „richtig Bock“ und stelle sich der Herausforderung, denn „Schalke ist eine Top-Adresse“. Die Zielvorgaben sind auf Schalke erst einmal zweitrangig, zunächst „müssen wir auf dem Platz und außerhalb wieder eine Einheit werden“, so Breitenreiter, „dann werden wir wieder erfolgreichen Fußball spielen“.

Höwedes bleibt Schalker: „Eine Herzensentscheidung“

Von seinen Prinzipien, die ihm in Paderborn den Erfolg brachten, möchte er keineswegs abrücken. Der Teamgedanke und die harte Arbeit sollen weiterhin im Fokus stehen. „Wer im Training Gas gibt“, erinnert Breitenreiter an den ehemaligen Schalke-Trainer Felix „Quälix“ Magath, „der ist dabei“. Bei seiner neuen Mission kann der Coach schon mal auf seinen Kapitän bauen. Wie Heldt im Rahmen der Pressekonferenz verkündete, wird Benedikt Höwedes auch in der nächsten Saison weiterhin für Schalke auflaufen. Der 27-Jährige, der sich seit der Jugend das königsblaue Trikot überstreift, hätte bis zum Montag von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen können. Der FC Arsenal soll angeblich bereit gewesen sein, die kolportierten 17 Millionen Euro für den Weltmeister zu zahlen. Doch er erklärte auf Facebook, dass er seinen Herzensverein nach einer so schwachen Saison nicht hätte verlassen können: „Als Kapitän der Mannschaft werde ich meinen Beitrag leisten, dass wir mit einem ambitionierten Trainer – mit dem ich mich in den letzten Tagen intensiv und extrem gut ausgetauscht habe – und jungen hungrigen Spielern eine neue Ära des FC Schalke 04 prägen! Mit einer Mannschaft, die geschlossen auftritt und zeigt, dass der FC Schalke 04 trotz veränderter Rahmenbedingungen im Profifußball, immer noch ein Kumpel- und Malocherclub ist.“


Schlagworte: André Breitenreiter, Bundesliga, Hannover, Havelse, SC Paderborn, Schalke 04

Artikelinformationen


Datum: 16. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Korrektur: Katharina Freise


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