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Captain, my Captain

Eine Hommage an Miso Brecko.

Veröffentlicht am 30. Juli 2015 von

Ein 31-jähriger, langsam in die Jahre kommender Außenverteidiger, mit wenig Aussichten auf einen Stammplatz verlässt ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages den Verein. Der Verein kassiert zudem eine Ablöse von rund einer halben Millionen Euro. Eine klassische Win-Win Situation? Meiner Meinung nach nein. Denn es handelt sich nicht um irgendeinen Spieler: Die Rede ist von Miso Brecko. Viele Fans des 1. FC Köln werden im ersten Moment jubeln und sich denken: „Endlich ist der weg!“. Doch genau diese Fans sagen auch, dass sie weder McDonald’s noch Modern Talking lieben.

Der Slowene mit den kantigen, serbo-kroatischen Gesichtszügen war in den letzten sieben Jahren die einzige Konstante beim 1. FC Köln. Die Geromels, Podolskis und Maniches kamen und gingen. Doch ein Mann stand stets hinten rechts in der Viererkette: Der schmächtige Glatzkopf, der weder der schnellste, noch der zweikampf- oder gar offensivstärkste Außenverteidiger ist, den der 1. FC Köln in den letzten Jahren in seinen Reihen hatte.

Dafür verkörperte Brecko auch in den schlechten Zeiten Tugenden, die die wenigsten seiner Teamkollegen aufwiesen: Loyalität, Disziplin und Demut. Disziplin? War da nicht mal etwas mit seinem Auto und den KVB-Gleisen nach einer feuchtfröhlichen Karnevalsfeier gewesen? Ja, doch, aber sein Mitfahrer hieß Milivoje Novakovic. Dieser kannte laut Aussage des damaligen Trainers Soldo die „Barhocker der Stadt besser als seine Gegenspieler“. Womit wir wieder beim Thema Loyalität wären…

Tragende Säule des Wiederaufbaus

Die größte Charakterstärke wies Brecko jedoch nach dem desaströsen Abstieg im Jahre 2012 auf. Statt den Verein zu verlassen war er ein wichtiger Baustein beim Wiederaufbau des Vereins und führte als Kapitän den Club dahin, wo er nachweislich auch hingehört: In die Erstklassigkeit. Junge Spieler wie ein Timo Horn oder Jonas Hector konnten im Abwehrverbund von der unheimlichen Ruhe des Rechtsverteidigers profitieren und wurden nicht zuletzt deswegen zum Tafelsilber des Vereins.

Zugegeben, wahnsinnig viele überragende Spiele von Brecko fallen mir im ersten Moment nicht ein. Er bereitete niemals einem Ribery oder Reus tagelanges Kopfzerbrechen. Aber eine Gegenfrage sei gestattet: Wie viele der weit über 200 Spiele, die der Rechtsfuß für die Geißböcke absolvierte, waren richtig schlecht?  Da gerät selbst jeder Kritiker ins grübeln…

Im letzten Jahr verlor der Slowene seinen Stammplatz an den schnelleren, athletischeren und auch technisch begabteren Pawel Olkowski. Ein Grund für Brecko die Flinte ins Korn zu werfen? Mitnichten, der Mannschaftskapitän stellte sich weiterhin in den Dienst der Mannschaft und brachte  die letzten fünf Partien der Saison nach einer Verletzung Olkwoskis breckohaft solide über die Bühne.

Auch bei mir war es mit dem Miso eher Liebe auf den zweiten Blick. Also im übertragenen Sinne vielleicht nicht die Dorfschönheit, aber charakterlich top. Ich bin mir sicher: Viele Fans werden ihn vermissen. Spätestens dann, wenn sie mit Geronimos Cadillac im CD-Player durch den McDrive fahren…

Sportlich mag dieser Abgang aufzuwiegen sein, menschlich wird es eher schwer.

In diesem Sinne: Mach et joot, Miso!

 

 

 


Schlagworte: 1. FC Köln, Miso Brecko

Artikelinformationen


Datum: 30. Juli 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Julian Witzel
Korrektur: Patrick Nowak


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