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Das Old Firm – Die Mutter aller Derbys

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Es ist wieder soweit. Celtic Glasgow und die Glasgow Rangers treffen, nach der kurzen Zwangspause, zum 402. Mal wieder aufeinander. Ein Spiel, das die Leidenschaft zum Fußball prägt, welches aus dem Fußball nicht wegzudenken ist, begeistert nicht nur Zuschauer des Irischen Fußballs. Ein Blick hinter die Geschichte und der Faszination des Glasgower Derbys.

Veröffentlicht am 08. September 2016 von

17. April 2016. Tom Rogic, Spieler des Celtic FC, tritt an zum Elfmeterpunkt. Sein Team liegt in dem Moment mit 6:7 zurück. Er atmet durch, läuft an und visiert das linke Eck an. Wes Foderingham, Torhüter der Rangers segelte selbst in die verkehrte Ecke. Doch es war der Keeper, der nach dem Schuss jubelnd abdrehte, vorbei an Tom Rogic, zu seinen Kollegen in Blau-Weiß-Roten Kollegen. Es war das zweite Aufeinandertreffen der beiden Traditionsklubs im Scottish League Cup. Celtic, im ersten Spiel noch souveräner 2:0 Sieger gegen die Rangers, unterlag nun ein Jahr später dem Erzrivalen im Elfmeterschießen. Und es war ein Fingerzeig in die Richtung, in die sich die Rangers gerade wieder bewegt haben, Richtung erste Liga.

„When will I see you again?“

Diesen Song spielte der Celtic FC nach dem letzten Old Firm im Jahre 2012 nach dem 3:0 Erfolg. Die Rangers mussten nach der Saison den bitteren Gang in die Viertklassigkeit antreten. Ein Insolvenzverfahren und Verbindlichkeiten in Höhe von 58 Millionen Euro sorgten für den Zwangsabstieg. Das Mutter aller Derbys schien für eine lange Zeit vorbei zu sein.

Für viele ist das Old Firm seit dem Abstieg auch vorbei. Die Glasgow Rangers sind vor dem Gesetz mit dem Rangers FC ein neu gegründeter Verein. Für viele der Celtic-Anhänger wird das Derby daher nur noch Glasgow-Derby genannt. Doch die Rangers sind immer noch derselbe Verein wie vor dem Abstieg. Fans, Stadion und Vereinsgelände sind, dank der neuen Betreibergesellschaft, auch nach dem Zwangsabstieg geblieben.

Der Beginn des Old Firm

Das erste Aufeinandertreffen der beiden Glasgower Klubs war am 28. März 1888. Das erste Spiel konnte der Celtic FC mit 5:2 für sich entscheiden. Die heutige hitzige Stimmung bei dem Old Firm gab es damals noch nicht. Das erste Spiel war ein Benefizspiel, um Geld für Hungernde zu sammeln. Der Celtic FC wurde im Glasgower Stadtteil Parkhead von einem Mönch Namens Bruder Walfrid gegründet. Seine Idee hinter dem Verein war es, den vor einer Hungersnot geflüchteten Iren zu helfen. Daher waren auch viele der Spieler des Celtic FC irischer Abstammung.

Der Wandel des Derbys

Schon damals trennten sich Celtic und die Rangers klar voneinander ab. Anhänger des Celtic FC waren meist eher arme Katholiken, im Gegensatz zu den eher wohlhabenden Protestanten des Ranger FC. Doch damals gab es nur die sportliche Rivalität, nicht die menschliche, die das Old Firm in den heutigen Tagen mit sich bringt. Beide Vereine entwickelten sich zu den Aushängeschildern im Nordosten des Vereinigten Königreichs. So entwickelte sich auch die sportliche Rivalität beider Vereine immer weiter.

Nach der Trennung Irlands im Jahr 1921 kamen jedoch, durch den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten, auch menschliche Konflikte mit ins Stadion. Durch diese Trennung entstanden die gewalttätigen Auseinandersetzungen der beiden Fanlager am Rande des Spiels. Die sportliche Rivalität der beiden Vereine wurde zum Randaspekt, es wurde viel mehr ein Spiel zwischen den Iren und den Königstreuen, zwischen den Katholiken und Protestanten.

Kampf der Fanlager

Die Rivalität beider Fanlager ging sogar bis in das Innere beider Vereine. Bis in das Jahr 1989 haben die Rangers keinen katholischen Spieler verpflichtet. Im Jahr 1989 brach der damalige Ranger-Boss Sir David Murray dieses ungeschriebene Gesetz. Der katholische Angreifer Mo Johnston wurde verpflichtet. „Wir haben ihn in erster Linie als Fußballspieler verpflichtet. Aber auch, um die Tradition des Vereins zu brechen, keine römisch-katholischen Spieler zu holen“, äußerte er sich gegenüber des Herald.

Doch der Kampf auf den Straßen überschattet meist das Derby. Beide Fanlager provozieren mit ihren Gesängen. „Wir stehen knietief in Katholiken-Blut“ schallt es oft von Rangers Seite. „Wir feiern eine Party, wenn Rangers sterben“ schallt zurück. Diesem Gesang wurde 2011 durch das schottische Parlament dann ein Riegel vorgeschoben. Und auch den Fußball und die Gastronomie wird durch das Old Firm betroffen. Das Alkoholverbot in den Stadien wird dem Derby zugeschoben. Auch die Pub-Besitzer werden geboten, leere Gläser an einem Derby-Spieltag sofort abzuräumen. Viele Pub-Besitzer verzichten sogar gänzlich auf die Ausstrahlung des Spiels, um Krawallen vorzubeugen.

Der Fokus rückt zum Fußball

Durch das 1998 getroffene Karfreitagsabkommen wurde der Irland-Konflikt beigelegt. Auch die Gewalt der beiden Fanlager nahm dadurch ein wenig ab. Durch das Abkommen wurde den beiden Lagern ein wenig der „Zündstoff“ weggenommen. Besonders durch den sportlichen Abstieg der Rangers verlor das Derby immer mehr an Brisanz. Die Rivalität der beiden Fanlager nahm ab. Der Kampf zwischen sozialen Klassen und Konfession neigt sich dem Ende. Doch diese Entwicklung ist eine Chance für den Fußball in Glasgow. Das Spiel, und nicht die Rivalität der Fanlager, rückt wieder in den Fokus. Und besonders durch den Wiederaufstieg der Rangers hat das Old Firm wieder an Bedeutung gewonnen und es bleibt abzuwarten, wie es sich in Zukunft weiterentwickelt.


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Datum: 08. September 2016
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