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Kolumne

„Das tut niemandem gut“

Lance Armstrong ist in diesem Jahr im Rahmen eines Charity-Rennens zur Tour de France zurückgekehrt. Ein Leserbrief eines ehemaligen Fans:

Veröffentlicht am 22. Juli 2015 von

Lieber Herr Armstrong,

Als Sie 2005 zum siebten Mal die Tour de France gewannen war ich gerade einmal 12 Jahre alt. Auch wenn in Deutschland zu der Zeit die Stars Jan Ullrich und Andreas Klöden hießen, drückte ich vor dem Fernseher stets Ihnen die Daumen. Ihre dominante Art, in der Sie die Tour Jahr für Jahr gewannen faszinierte mich. In meinen Augen waren Sie der Größte Sportler überhaupt. Der Mann, der den Krebs besiegte und danach zum Triumphator aufstieg. Ihr generelles Engagement im Kampf gegen den Krebs war für mich ein weiterer Beleg Ihrer Größe, auch wenn ich zugeben muss, mir nie eines der gelben Livestrong-Armbänder gekauft zu haben. Die Dopinggerüchte, die ja bereits damals existierten, interessierten mich nicht. Ich war ja erst 12 und hielt solche Gerüchte für lächerlich.

Auch als Sie 2009 zur Tour zurückkehrten und einen aus meiner Sicht herausragenden dritten Platz erreichten war meine Begeisterung für Sie ungebrochen. Ich glaube ich habe keine Folge Ihrer damaligen Serie „Planet Armstrong“ auf Eurosport verpasst. Im Jahr 2010 litt ich gemeinsam mit Ihnen als Sie ,vom Pech verfolgt, durch die Tour stürzten.

Als die Dopinggerüchte zu Ihrer Person sich zum konkreten Verdacht mit stichhaltigen Indizien wandelten stand ich weiterhin fest überzeugt, fast schon naiv, hinter Ihnen. Bis zuletzt wollte ich es nicht glauben. Ganz ehrlich: So ganz fasse ich es immer noch nicht. Als ich dann auch noch die Ausführungen Ihres früheren Teamkollegen Tyler Hamilton zu Ihrer Person und Ihren Doping-Praktiken las, war ich geschockt. Eines meiner größten Idole war zum größten Betrüger und Mistkerl der Sportgeschichte geworden. Ich weiß immer noch nicht, wie ich mit dieser Tatsache umgehen soll.

Und plötzlich sind Sie wieder da. Im Rampenlicht. Auf einer der größten Bühnen der Welt, auf Ihrer Bühne, der Tour de France. Klar es ist nur für einen guten Zweck aber, Sie sind wieder da und das ist weder gut für mich, noch für Sie, noch für irgendjemand Anderen.

Mit sehr gemischten Grüßen,

Felix Henseler


Schlagworte: Doping, Lance Armstrong, Tour de France

Artikelinformationen


Datum: 22. Juli 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Felix Henseler
Korrektur: Patrick Nowak


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Kurzlink: bit.ly/1DASnWi