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Det war ne schnieke Schelle – BVB zerlegt eine löchrige Berliner-Mauer

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Das Pokalfinale im eigenen Stadion erleben. Der Traum der Hertha ist zum greifen nah, was den Profis bislang verwehrt geblieben ist, können bislang nur die Amateure vorweisen. Doch mit Borussia Dortmund kommt ein angeschlagener Boxer nach Berlin. Den DFB-Pokal als letzte reelle Titelchance im Blick, werden die Mannen von Thomas Tuchel

Veröffentlicht am 21. April 2016 von

Borussia Dortmund gewinnt souverän in Berlin mit 0:3 (0:1) und zieht zum dritten Mal in Folge ins DFB-Pokalfinale ein. Die Hertha ist von Anfang an nur auf Verteidigen aus und wird für seinen lethargischen Auftritt bestraft. Einzig Trainer Pal Dardai kann seinem Team was Gutes abgewinnen.

(Hannover). Das gestrige Pokalspiel zwischen Hertha BSC Berlin und der Borussia aus Dortmund sollte für die Berliner zum Spiel des Jahres werden. Die Fans in der Kurve begrüßten beide Team mit einer großen Choreographie, es war alles angerichtet für einen geschichtsträchtigen Abend. Es kam aber wie es kommen musste, wenn Spiele derart aufgebauscht werden.

Borussia Dortmund diktierte vom Start weg das Geschehen auf dem Platz und ließ keinen Zweifel aufkommen, wer den Platz als Sieger verlassen wird. So spielten sich die Mannen von Trainer Tuchel in der Anfangsphase immer wieder gute Chancen heraus, wussten diese aber noch nicht zu nutzen. Nach einem Luftzweikampf zwischen Gonzalo Castro und Salomon Kalou gab es eine kurze Schrecksekunde. Der Borusse wurde unglücklich an der Stirn getroffen und muss eine klaffende Wunde an der Stirn erst einmal behandeln lassen.

Pokalabende schreiben immer besondere Geschichten

Der BVB drückte nun mit fortlaufender Spielzeit immer mehr auf den Führungstreffer. Nach einer flachen Hereingabe Kagawas, wird in der Mitte Marco Reus gut abgedrängt von der Hertha Verteidigung, doch der herrenlose Ball findet am Sechzehner, den genesenen Castro. Mit viel Gefühl schlenzt dieser, den Ball unhaltbar an zwei Herthanern vorbei in den oberen rechten Winkel. Das Tor zum 1:0 in der 21. Minute war folgerichtig und bescheinigt einmal mehr die Passivität der Berliner. Nur knapp fünf Minuten später, hätte Marco Reus die Führung ausbauen müssen. Aus zentraler Position vergibt er allerdings, komplett freistehend am Elfmeterpunkt, kläglich und drischt den Ball in den Berliner Abendhimmel. Anzeichen für die Überlegenheit war auch der Ballbesitz von zeitweilig über 75%. Einzig der Chancenwucher der Dortmunder ließ die Berliner noch von der Sensation träumen. Kurz vor der Pause ergab sich dann die erste Möglichkeit für Berlin. Hegeler wird komplett vergessen von der Abwehr der Dortmunder und bringt einen Flachpass von rechts aufs Tor. Letztlich aber zu harmlos, so dass Bürki diesen Ball aufsammeln kann.

Ohne Eigeninitiative kannst du keine Geschichte schreiben

Die zweite Hälfte ging erst einmal so weiter, wie die Erste über weite Strecken verlief. Das Problem welches sich für die Borussen nun aber offenbarte, war dass sie sich von der Lethargie der Berliner anstecken ließen und nicht mehr so konsequent spielten. Dies münzte die Hertha dann in eine ihrer wenigen Chancen um. Kalou in der 64. Minute mit der größten Möglichkeit. Eine scharfe Hereingabe verpasste der Ivorer nur knapp, der Treffer hätte aber nicht gegolten, denn der, an diesem Abend nicht immer fehlerfreie, Linienrichter hob die Fahne zum Abseits. Nach dem kurzen Aufbäumen, ging die Partie aber den gewohnten Gang. Haarsträubende Fehlpässe der alten Dame machten es den Dortmundern einfach immer wieder gefällige Konter zu spielen. Ramos und Mkhitaryan scheitern aber am gut aufgelegten Jarstein.

Ende der Finalträumerein

Bis zu 75. Minute hat es gedauert, bis Borussia Dortmund, in Person von Marco Reus, den Träumen der Hertha ein Ende setzte. Nach einem der vielen schnellen Ballverluste der Hauptstädter, schickt Ramos den mitgeeilten Kagawa auf Rechts, welcher wiederum mit viel Übersicht den im Rücken der Abwehr komplett vergessenen Reus bedient. Ohne Schwierigkeiten vollendet dieser den Ball in die lange Ecke zum 0:2, aus Berliner Sicht. Der Rest der Partie war ein ruhiges Runterspielen der Dortmunder. Einzig in der 83. Minute kam noch einmal Spielwitz auf. Der vollends überforderte Stark wurde an der linken Strafraumkante von Reus ausgespielt, der dann nur noch in die Mitte querlegen musste, wo Mkhitaryan blank stand und problemlos zum 0:3 Endstand vollstreckte.

Hoch her ging es nur abseits des Platzes

Nach dem Spiel wollte Sky-Reporter Thomas Wagner kurz das Spiel mit Heimtrainer Pal Dardai analysieren. Was folgte war an Emotionalität nicht zu überbieten. Komplett unterschiedliche Ansichten über das Geschehen der letzten 90. Minuten brachten den Trainer in Rage. „Meine Spieler sind kein Material!“, warf Dardai mehrmals ein, auf den Wortlaut des Spielermaterials. „Die Jungs haben gut gekämpft, und dann kommen Diskussionen auf, dass wir zu defensiv gespielt haben. Sorry, wir waren offensiv genug“, entgegnete der Hertha-Trainer auf die Frage wieso mit angezogener Handbremse gespielt wurde. Das Interview mussten beide dann abbrechen, ein gemeinsamer Konsens wurde nicht gefunden.

Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte eine Meinung zum Spiel. „Als ich heute morgen gelesen habe, dass der gegnerische Trainer schon darüber philosophiert hat, welche Uhr er sich kauft, da wusste ich schon, dass wir heute eine gute Chance haben. Ich werde Pal Dardai eine BVB-Uhr schenken, wenn das mit der Breitling nix wird“, fügte Watzke spitzzüngig hinzu. Über das Spiel wurden keine Worte mehr verloren, zu eindeutig war die Vorstellung des BVB über die gesamten 90. Minuten.

Aufstellungen:

Hertha BSC:

Jarstein – Plattenhardt, Brooks, Stark, Weiser – Skjelbred, Lustenberger, Hegeler (62. Min Baumjohan) – Kalou, Ibisevic, Haraguchi (65. Min Schieber)

Borussia Dortmund:

Bürki – Schmelzer (84. Min Durm), Hummels, Bender, Piszczek – Weigl, Castro (77. Min Gündogan), Kagawa – Reus, Ramos, Mkhitaryan

Torschützen:

0:1 Castro, 21. Minute;

0:2 Reus, 75. Min;

0:3 Mkhitaryan, 83. Minute


Schlagworte: Borussia Dortmund, DFB-Pokal 2016, Gonzalo Castro, Halbfinale, Henrikh Mkhitaryan, Hertha BSC, Marco Reus, Pal Dardai

Artikelinformationen


Datum: 21. April 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Marcel Musielak


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