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DFB-Frauen: Ohne Glanz und Gloria ins Halbfinale

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(Hannover) Im Viertelfinale der Frauen-Weltmeisterschaft gelang den DFB-Frauen im Elfmeterschießen gegen Frankreich ein knapper Last-Minute-Erfolg: Mit 5:4 gewannen sie die Glückslotterie vom Punkt dank Torfrau Nadine Angerer, die den letzten Elfmeter hielt. Aber auch dank Celia Sasic, die nicht nur den fünften Elfmeter im Showdown verwandelte, sondern bereits im Spiel einen Strafstoß versenkte. Das Team von Bundestrainerin Silvia Neid hatte allerdings große Probleme mit den Französinnen.

Veröffentlicht am 29. Juni 2015 von

Wenn es eine Elfmeterkönigin an diesem Abend gab, dann war es definitiv Celia Sasic. Ihren ersten Elfer verwandelte Sasic bereits in der 83. Minute. Ausgangspunkt war ein Handspiel im Strafraum, verursacht von der französischen Mittelfeldspielerin Amel Majri. Majri vereitelte mit der unabsichtlichen Verlängerung ihres Körpers durch ihre Hand einen Torschuss von Maier und Schiedsrichterin Carol Anne Chenard zeigte ohne zu zögern direkt auf den Punkt. Sasic war und ist eine der sichersten Elfmeterschützinnen im deutschen Team und stellte ihr Können abermals unter Beweis. Zuerst schickte sie die französische Torhüterin Sarah Bouhaddi mit einer Körpertäuschung in die rechte Ecke und schob dann das Leder eiskalt links in die Maschen. Mit dem darauffolgenden Jubelschrei ließen Sasic und Co. den Druck von der Seele, denn zumindest war die Verlängerung gesichert. Aber was war aus den guten Vorsätzen und der sonst so dominierenden Spielstärke geworden?

Eine Fehlerkette par excellence

Nach dem Spiel musste auch Bundestrainerin Silvia Neid einsehen, dass es keine Glanzleistung war: „Unter dem Strich war es etwas glücklich heute. Wir hatten nicht unseren besten Tag.“ Besonders Tabea Kemme konnte ein Lied davon singen. Im Spiel sah man Kemme an, dass Sie mit ihrer Gegenspielerin Elodie Thomis nicht zurecht kam. Mehr als einmal stand sie zu weit von Frankreichs Sturm-Star Thomis entfernt, die ständig zu viel Raum bekam und dadurch ihre Schnelligkeit ausnutzen konnte. Häufig schaffte es Annika Krahn, einige hoch brisante Torchancen im letzten Moment zu entschärfen.

Mit der Auswechslung von Thomis in der 69. Spielminute lief es für Kemme besser. Auch Neid reagierte auf die defensive Schwäche ihrer Mannschaft auf der rechten Seite und brachte Sara Däbritz für Alexandra Popp. Däbritz unterstützte Kemme und sorgte so für mehr Stabilität auf der rechten Abwehrseite. Aber ein alt bekanntes Problem stellte sich einfach nicht ab. Die Entfernung zu den Gegenspielerinnen blieb viel zu groß, wodurch viele der DFB-Frauen nicht richtig in die Zweikämpfe kamen. Ein fataler Fehler gegen eine schnelle und gut organisierte französische Angriffsreihe.

Der wahr gewordene Alptraum: die Führung von Frankreich

Die erste Hälfte der Partie war wohl das Schwächste, was die deutsche Elf im ganzen Turnier bisher geboten hatte. Kemme, die sonst so stark aufspielte, kam mit ihrer Gegenspielerin überhaupt nicht zurecht und auch einige andere Leistungsträger wie Goeßling, Mittag und Popp konnten ihre Qualitäten nicht auf den Platz bringen und kamen kaum in die nötigen Zweikämpfe.
Das längst überfällige Tor der Französinnen fiel erst in der 69. Minute durch Louisa Necib. Nach einem langen Ball aus der Abwehr von „le bleu“ beförderte Babett Peters den Ball unkontrolliert aus dem Strafraum, direkt vor die Füße von Necib, die nicht lange zögerte und sofort aufs Tor schoss. Unglücklicherweise wurde der Ball noch unhaltbar von Krahn und Peters abgefälscht, die bis dahin eine fast fehlerfreie Partie ablieferten.

Besser, aber trotzdem nicht glorreich

Das Tor hatte auch etwas Gutes. Endlich ging die deutsche Elf mehr Risiko ein und erarbeite sich Torchancen. Angeführt von der kreativen Jennifer Maroszan, die mit ihrer Einwechselung der Partie deutlich mehr Leben einhauchte, erarbeitete sich das Neid-Team ein Plus an Chancen. Doch anstatt es auch einmal selbst zu versuchen, setzte Maroszan dabei eher ihre Mitspielerinnen Däbritz und Laudehr in Szene, die es beide verpassten, den dringend benötigten Ausgleich zu erzielen. Erst durch den verwandelten Elfmeter von Sasic retten sich die Frauen in die Verlängerung. Langsam aber sicher zollte das temporeiche Spiel der Französinnen ihren Tribut und man sah ihnen die Erschöpfung förmlich an. Diese Schwäche nutzten die DFB-Frauen nicht genügend aus und mussten ins Elfmeterschießen.
Für die deutsche Elf traten Berhinger, Laudehr, Peter, Maroszan und die Elfmeterkillerin Sasic an. Alle fünf verwandelten ihre Elfmeter souverän, nur bei Jennifer Maroszan wurde es schon etwas knapper. Auf der Seite der Französinnen trafen Thiney, Abily, Necib und Renard. Im letzten Elfmeter standen sich die eingewechselte Clair Lavogez und Nadine Angerer, Weltfußballerin von 2013, gegenüber. Bis zu diesem alles entscheidenden Moment am Punkt war Angerer an keinem Elfmeter auch nur ansatzweise herangekommen. Mussten noch mehr Schützeninnen ran oder würde Angerer halten? Es war ein Moment, in dem alle Fans des Frauenfußballs den Atem anhielten. Lavogez lief an und visierte zögerlich und verunsichert in die rechte Ecke an. Genau die Ecke, die sich auch Angerer ausgeguckt hatte. Die Weltfußballerin hielt den Ball mit ihrem Knie und die Freude war grenzenlos.

Somit darf die die deutsche Elf  weiterhin vom Weltmeistertitel träumen. „Natze“, wie Angerer auch genannt wird, hat es mal wieder gerichtet und das mit Glanz und Gloria.


Schlagworte: Deutschland, DFB-Frauen, Frankreich, Frauen-Nationalmannschaft, Frauen-WM, International, Kanada WM, Nadine Angerer, WM-Frauen

Artikelinformationen


Datum: 29. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Teresa Kröger
Korrektur: Marvin Sonnemann


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