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Die dunkle Seite der Macht – Eine EM im Schatten der UEFA

Lange wurde über die Sicherheit der bei der Fußball Europameisterschaft im Hinblick auf die Terrorgefahr diskutiert. Neun Tage nach EM-Start liegen die Probleme an ganz anderen Stellen.

Veröffentlicht am 20. Juni 2016 von

Massenschlägereien zwischen Hooligans, Angriffe auf wehrlose und ahnungslose Zuschauer, ein Ausschluss auf Bewährung und bewusst provozierte Spielunterbrechungen. Dazu ein Turniermodus, den bis heute die wenigsten Zuschauer überhaupt verstehen und Spiele, die alles andere als Turnierfeierstimmung hervorrufen – Das alles ist die UEFA Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

Hooligan-Krawalle statt ,,Sommer-Fußball-Party-Stimmung“

Nach den Terror-Anschlägen im November 2015 in Paris war der Fokus der UEFA und den französischen Behörden im Vorfeld der EM ganz klar auf den Schutz und der Vorbeugung vor erneuten terroristischen Anschlägen gesetzt. Zwiebelschichtige Sicherheitskontrollgürtel um die EM-Stadien, schwer bewaffnete Polizisten im Umfeld der Arenen und patrouillierende Soldaten in den Großstädten – Das Sicherheitskonzept für die Reduzierung der Terrorrisiken ist bisher aufgegangen. Neben der positiven Anti-Terror-Bilanz wurde allerdings eine Gefahr weitgehend außer Acht gelassen. Bereits lange im Vorfeld der EM kündigten Hooligan-Gruppierungen aus ganz Europa ein ,,Schlachtenzug“ durch Frankreich an um sich ,,mal wieder wie in alten Tagen“ zu messen. Bereits am zweiten Tag der Europameisterschaft im Umfeld des Gruppenspiels zwischen Russland gegen England wurden die Befürchtungen zur bitteren Realität und die bisher unterschätzten Ankündigungen wurden in die Tat umgesetzt.
Organisierte Schläger-Trupps aus Russland machten es sich zur Aufgabe möglichst viele englische Fußballfans zu attackieren und teilweise stark zu verletzten. Nebenbei filmten sie diese Angriffe mit GoPro-Actionkameras und veröffentlichten anschließend Interviews, in denen die russischen Gewalttäter ihre Motivation und den Hass gegen die Engländer erklärten. Für die russischen ,,Fans“ ging es in erster Linie darum zu zeigen, dass die englischen Fußballfans nicht im Ansatz so besonders standhaft und furchtlos sind, wie es in Europa behauptet wird. Dieser Ansicht fielen unzählige, teilweise immer noch schwerverletzte, Fußballfans zum Opfer. Durch die gute Organisation der russischen Hooligans und die bewusst unauffällige Kleidung war es für die komplett überforderten französischen Polizisten kaum möglich, Täter festzunehmen.

Gewalt nicht nur auf den Plätzen der Innenstadt 

Die Angriffe der russischen Hooligans auf die Engländer beschränkten sich an diesem Spieltags-Samstag nicht nur auf die Innenstadt von Marseille. Direkt nach Ende des Spiels zwischen den beiden Nationalmannschaften kam es zu einer großen Massenschlägerei, ausgelöst durch russische Anhänger, die englische Fans, die sich während des Spiels im russischen Fanblock oder in dessen Nähe aufhielten, jagten und auf den Tribünen angriffen. Weder die Ordnungskräfte der UEFA, noch die französische Polizei war in der Lage schnell genug einzugreifen und die Angriffe zu unterbinden. Auch im Stadion gab es zahlreiche Verletzte zu beklagen und kaum ein Täter konnte festgehalten werden.
Neben dem organisatorischen Versagen der Sicherheitskräfte sorgte die UEFA außerdem selbst für großes kritisches Aufsehen. Die durch die UEFA kontrollierten Live-Übertragungen wurden mit keinerlei Bildmaterial von den Vorfällen im Stadion versorgt. Die deutschen Medienanstalten reichten anschließend offiziell Beschwerde bei der UEFA ein, da trotz der unschönen Bilder, eine journalistische Berichterstattung über die Vorfälle unbedingt notwendig gewesen sei.
Als Konsequenz aus den Angriffen der russischen Hooligans belegte die UEFA den russischen Verband mit einer Geldstrafe in Höhe von 150.000€ und einem Turnierausschluss auf Bewährung, im Falle eines erneuten Vorfalles mit russischen Anhängern.

Weitere Kämpfe in anderen Städten

Der Wahrheitsgehalt der Ankündigungen der Hooligans im Vorfeld der EM wurde auch nach den schweren Auseinandersetzungen beim Aufeinandertreffen zwischen England und Russland bestätigt. Während in der Nacht von Samstag auf Sonntag erneut zahlreiche schwere Kämpfe zwischen englischen und russischen Hooligans gemeldet wurden, kam es außerdem auch bei anderen Begegnungen zu Kämpfen zwischen Gruppen marodierender Erwachsener. Auch beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft fielen zahlreiche deutsche Hooligans auf, die zum Beispiel auf einem Platz eine kleine Gruppe von ukrainischen Fans körperlich attackierten. Gewalttäter  aus Dresden präsentierten sich mit einer großen Reichskriegsflagge und skandierten in der Öffentlichkeit lautstark rechte Nazi-Parolen und beteiligten sich an Schlägereien. An der deutsch-französischen Grenze wurden außerdem zahlreiche Busse mit polnischen oder deutschen teilweise stark bewaffneten Hooligans gestoppt und an der Ausreise gehindert – Die Auseinandersetzungen in den französischen Innenstädten konnten allerdings nicht vollständig unterbunden werden.

Im nächsten Teil der Serie ,,Die dunkle Seite der Macht – Eine EM im Schatten der UEFA“ erfahrt ihr die Hintergründe über das Auftreten der kroatischen Fans im Spiel gegen die Tschechen und welcher Zusammenhang zwischen korrupten Funktionären und der UEFA besteht.


Schlagworte: Euro 2016, Europameisterschaft, Hooligans, UEFA

Artikelinformationen


Datum: 20. Juni 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Patrick Herrmann


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