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Fußball

Die dunklen Schatten der Frauen-Weltmeisterschaft

Schatten

(Hannover/ Kanada.) Seit Jahren war kein Turnier mit so viel Skurrilem belastet wie die Frauen Weltmeisterschaft 2015 in Kanada. Von Diskriminierung, Erpressung bis hin zu Geschlechtertests ist alles mit dabei. Ein Armutszeugnis für den Frauenfußball und dessen Wertschätzung durch die „ach so hochangesehenen“ Fifa.

Veröffentlicht am 19. Juni 2015 von

Kleiner Hinweis: Ich bin eine Frau, auch ohne einen Geschlechtertest. Ich spiele selbst Fußball und das auf einem echten Rasen. Ich gucke die Männer WM. Ja, natürlich. So wie es fast ganz Deutschland macht. Und ich gucke die Frauen WM.  Die Mannschaft um Silvia Neid hat zwei Weltmeistertitel und acht Europameisterschaften gewonnen. Wusstest du das überhaupt? Wie viele Spielminuten hast du geguckt? Wie viel Beachtung schenkst du dem Frauenfußball?

Ich lebe ihn. Und, deshalb ist es traurig, was unsere Gesellschaft, die FIFA und das Geld mit diesem Sport macht.

Es folgt ein Kommentar über die kleinen und großen Skandale, die in der Welt des Fußballs… Entschuldigung, die Sportart, die ich meine, heißt ja korrekterweise Frauenfußball, laufen:

Fangen wir mal mit einer chronologischen Auflistung des „Unfuges“ bei der Frauen WM an.

Würde man darüber ein Buch schreiben, so würde das erste Kapitel den tollen Titel tragen: „Die Versuchskaninchen“. Mehr stellen die Frauen anscheinend für die Fifa nicht dar. Denn jetzt mal ehrlich: Seit wann werden Fußball-Weltmeisterschaften auf Kunstrasen ausgetragen? Haben wir jetzt einen neuen Trend verpasst oder vielleicht sogar gesetzt? Also in der Bundesliga der Herren und, soweit mir bekannt ist, auch bei den Frauen, da wird komplett auf Rasen gespielt. Mit Rasen ist der echte, feine englische Rasen gemeint. Wie kommt man da auf die selten, man mag fast sagen, dämliche Idee, die WM auf Kunstrasen aus zu tragen?
Achja, das liebe Geld macht es möglich oder lieber unmöglich. Um natürlich für eine gewisse Qualität zu sorgen entwickelte die FIFA ein Zertifizierungssystem. Dabei würden wie Plätze anhand von Sternen bewertet. Ein Stern bedeutete, der Platz ist als Hobby- oder und Gemeindeplatz geeignet, zwei Sterne sind für Profiplätze. Natürlich darf während einer WM nur einem der FIFA-zertifizierten Plätzen gespielt werden und so ein Stück zertifiziertes Papier kostet mal eben 300 000 Euro. Das Ein-Sterne Zertifikat muss nach drei Jahren erneuert werden, im Profibereich sogar jedes Jahr. Mit diesen Auszeichnungen für die Plätze hat die FIFA mittlerweile einen zwei stelligen Millionenbetrag eingenommen. Aber das Geld käme natürlich nicht der FIFA zu Gute: „Die Gebühren, die wir von den Kunstrasen-Herstellern bekommen, gehen in Entwicklungsprojekte. Wir machen das nicht, um Geld zu verdienen, sondern wir dienen dem Fußball.” Ach ja, die Entwicklungshilfe. War das nicht das mit dem Herrn Warner?

 

Doch was ist eigentlich so schlimm an dem Kunstrasen?
Zuerst einmal folgendes: Kunstrasen kann  dirchaus bis zu 50 Grad heiß werden… Mal kurz abschweifen: 50 Grad, das ist warm.  Vermutlich wärmer als der Sand unter den Füßen. Wenn wir mal an uns und unseren wohlverdienten Urlaub denken. Wir denken an den Strand und das Meer und an das Gefühl, wenn wir am Strand beim Herumspazieren schon fast meinen, die Füße würden uns verbrennen. Nebenbei gesagt, die Temperatur des Sandes beträgt sicherlich nicht mehr als 30 Grad. Und jetzt zurück zum Thema. Auch wenn die Frauen nicht barfuß spielen müssen, zum Glück. Was passiert, wenn man mit einer präzise ausgeführten Grätsche über den heißen Rasen rutscht? Verbrennungen sind die Folge und das nicht zu knapp.
Für viele Spielerinnen ist das ein Grund zwei Mal darüber nach zu denken, wie sie in einen Zweikampf gehen. Solche Gedanken sollten einfach nicht in den Köpfen der Spielerinnen auftauchen, damit verändern sie nicht nur ihre Spielweise. Auch das Zuschauen wird langweiligwer. Das kann ja niemand wirklich wollen! Nicht die FIFA, nicht die Zuschauer und nicht die Spielerinnen selbst. Diese wollen weder Verletzungen, noch solch ein vernunftorientiertes oder besser schmerzorientiertes Spiel und eben auch keine gelangweilten Fans. Der FIFA ist zu zu trauen, dass Punkt eins und zwei wenig Interesse erwecken, doch spätestens bei Punkt drei müsste sie doch mitreden. Es geht doch um das liebe Geld.

 

Traurige Wahrheit
Ach ja, das ist ja nur „Frauenfußball“. Dass Frauenfußball immer noch nicht so hoch angesehen ist wie der Männerfußball, das weiß doch fast jeder- leider. Alleine die Einschaltquoten untermauern dieses traurige Phänomen. Ungefähr 6,3 Millionen Zuschauer haben das Spiel der DFB- Frauen gegen Thailand verfolgt. Dieses Ergebnis, das ist als Traumquote zu bezeichnen. Für die einen Traum, für den anderen Alptraum. Ghana gegen Deutschland, allein dieses Spiel erzielte eine vierfach höhere Einschaltquote. Gleichberechtigung, vielleicht. Das bedeutet aber nicht die gleiche Anerkennung.

 

Kritik unerwünscht
Ein weiterer Aspekt, der das, sonst so zarte Geschlecht verärgert hat: Sie waren die Ersten, die den Kunstrasen „testen“ durften. Im Vorfeld wurden einige Turniere auf Kunstrasen gespielt, allerdings nur im Jugendbereich. Zwar auch im Männerfußball, doch nur die U20-WM der Frauen wurde bereits auf Kunstrasen ausgetragen. Einige der aktuellen Spielerinnen, wie Sara Däbritz, Pauline Bremer und noch einige andere sind bereits U20-Weltmeisterinnen und haben schon einiges an Erfahrung mit dem künstlichen Belag. Überzeugt sind die davon nicht, aber laut Kritik äußern, können sie nicht. Lediglich die Älteren und gestandenen Spielerinnen gingen im Vorfeld bereits auf die Barrikaden. 60 Spielerinnen aus den USA, Frankreich, Mexiko und auch fast die ganze Neid-Elf klagten vor einem kanadischen Menschenrechtsinstitut gegen den Frauen-WM auf Kunstrasen. Gerüchteweise geht sogar um, dass die FIFA Spielerinnen erpresst beziehungsweise unter Druck gesetzt habe, damit sie ihre Klage zurückzögen.

 

Nützt doch alles nichts.
Gebracht hat es letztendlich nicht viel. Die WM-Organisatoren und die FIFA versprachen die bestmöglichste Kunstrasenqualität auf den Plätzen. Aber solch ein Versprechen der Fifa oder besser solch eine Behauptung, das wissen wir doch alle,  ist nicht viel wert. Man denke noch einmal kurz an die WM-Vergabe an Katar und Russland, dort ging auch alles mit rechten Dingen zu. Betrachtet man die aktuellen Spielstätten mal genauer so, sticht ein massiver Unterschied in’s Auge. Der übermäßige Konsum von Granulat, die unterschiedliche Bewässerung des Rasens und die verschiedene Anstoßzeiten der Frauen, machen den Spielerinnen zu schaffen. Gut, dass Problem hat jedes Team. Trotzdem finden die Spielerinnen, dass nicht gerade gut. Abby Wambach war schockiert von dem aktuellen Belag: „Das ist ein Albtraum. Auf diesem Belag zu spielen, das verändert alles.“ Ihre Teamkollegin Carli Lloyd äußerte eine deutliche Meinung über den Kunstrasen: „Hoffentlich wird nie wieder eine WM auf Kunstrasen gespielt.“

 

Unterordnen: die ewige Nummer Zwei
Nein, es ist kein Witz und auch ein Hirngespinst. Alle Spielerin mussten sich vor der WM vom Frauenarzt oder auch Mannschaftsarzt bescheinigen lassen, dass sie Frauen sind. 2011 wurde von der Fifa die Gender-Verifikation abgesegnet in der es heißt: „Androgene wirken sich leistungssteigernd auf Stärke, Kraft und Schnelligkeit aus, was im Fußball einen Vorteil bedeuten kann, der über den Ausgang eines Spiels mitentscheidet. Im Hinblick auf die Integrität des Fußballs muss gewährleistet sein, dass die Spieler die jeweiligen Teilnahmekriterien erfüllen. Es fällt in die Verantwortung der Mitgliedsverbände und der Mannschaftsärzte, das Geschlecht ihrer Spieler sicherzustellen.“ Willkommen in der Steinzeit: der Mann ist der Leistungsträger, Geldmacher und das berhaupt. Die Frau? Schwach. Untergeordnet. Nicht zu Höchstleistungen fähig. Und, wenn doch? Dann ist sie ein Mann?! Gut, ganz Unrecht hat die FIFA damit nicht, da während der WM 2008 das Gerücht aufkam, dass die beiden Äquatorialguinearinnen Salimata und Biliguisa Simpore Männer seien. Wegen dieser Gerüchte und auch der darauffolgenden Debatte wurde diese Regelung eingeführt. Ob mit Rech, das ist abzuwarten. Aktuell spielen die angeblichen Männer im Frauenfußball bei der WM nicht mit. Aber nur, weil Äquatorialguinea sich nicht für die WM qualifizieren konnte. Liebe Männer, vielleicht geht es ja doch besser ohne euch. Die Neid-Elf, weiß wenigstens wie es geht. Und gerade dann ist solch ein Test doch eher ein wenig amüsant. „Wir haben das gelassen zur Kenntnis genommen und sind froh bestätigen zu können: Unsere Spielerinnen sind alle weiblichen Geschlechts,“ äußerte sich DFB-Managerin Doris Fitschen zum Test. Schwein gehabt, würde ich wohl sagen, war sicherlich ganz knapp bei unseren DFB-Frauen.

Autor: Teresa Kröger

Korrektur: Katharina Freise


Schlagworte: DFB-Frauen, Fifa, Kommentar, WM-Frauen

Artikelinformationen


Datum: 19. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Bildquelle: http://www.mi.fu-berlin.de/wiki/pub/SE/ThesisCopyTracking/schatten.JPG


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