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Fußball

Sprungbrett oder Sargdeckel

Es läuft die 85. Minute in der Zweitligabegegnung zwischen dem SC Paderborn und Eintracht Braunschweig. Nach einer schönen Kombination zwischen Daniel Brückner und Moritz Stoppelkamp passt Kevin Stöger den Ball perfekt in die Braunschweiger Nahtstelle. Knapp fünf Meter vor dem gegnerischen Gehäuse kommt Nick Proschwitz an den Ball und versenkt diesen in Ulf Kirsten-Manier zum 2:0 im Braunschweiger Tor.

Veröffentlicht am 20. Oktober 2015 von

Effe nun Cheffe

 An der Seitenlinie bejubelt der neue SCP-Trainer die Entscheidung in diesem Spiel. Der neue Taktgeber an der Seitenlinie ist kein Unbekannter: Es handelt sich um Stefan Effenberg. Der „Tiger“ ist zurück auf dem grünen Rasen, jedoch nicht mehr auf dem Feld., sondern am Spielfeldrand. Endlich…

Die meisten Fachleute haben nicht mehr daran geglaubt, dass Stefan Effenberg einen Trainerposten übernimmt. Bereits 2012 machte der Bayern-Kapitän der Champions-League Sieger von 2001 den Trainerschein. Allein: Bei bisherigen Offerten habe „nie alles zu 100 Prozent gepasst“. Ob Effenberg seine Ansprüche herunterschrauben musste, um in Paderborn zu landen, ist nicht mehr entscheidend. Sondern, dass er sich aufs aktuelle Engagement in aller Konsequenz einlässt. Der gebürtige Hamburger setzt sich selbst enorm unter Druck, indem er sagt: „Der erste Schuss muss sitzen.“ Für Effenberg gibt es somit nur eine Option: Erfolg. Das Wort  „Scheitern“ ist im effenbergschen Wortschatz nicht vorhanden.

Nichts dem Zufall überlassen

 Um in Paderborn eine erfolgreiche Zeit zu verleben, setzt Effenberg auf enorme Fachkenntnis. Sein Co-Trainer ist ein Übungsleiter der Marke Laptop-Trainer. Der stark theorieaffine Sören Österland war im selben Trainerlehrgang wie Effenberg und schloss diesen mit der Bestnote von 1,0 ab. Ein starker Theoretiker an der Seite eines ehemaligen Klassespielers, der die Praxis in- und auswendig kennt. Eine Kombination mit einer hohen Erfolgswahrscheinlichkeit.

Das Entscheidende wird sein, dass sich ein Mensch der Marke Effenberg mit seiner Persönlichkeit in gewissen Situationen auch zurücknehmen kann. Auf dem Spielfeld versprühte der Spielmacher eine Aura, die manche Gegenspieler schon vor dem Anpfiff gehörig einschüchterte. Jedoch darf er als Trainer mit der Wucht der Persönlichkeit nicht das ganze Interesse dauerhaft auf sich ziehen. In Sachen Kleidung hat Effenberg schon deutliche Fortschritte gemacht: Waren vor einigen Jahren noch Tigersymbole im Nacken, Robert Geiss ähnliche Oberteile und ludenhafte Pelzmäntel an der Tagesordnung, kleidet sich der neue Cheftrainer nun deutlich zurückhaltender.

Paderborn ein gutes Trainer-Omen

Viele Leute werden sich fragen, worin Effenberg in der Zweitliga-Provinz die große Chance auf einen erfolgreichen Start ins Trainerleben sieht. Jedoch diente Paderborn in der Vergangenheit schon mehreren Trainern als Sprungbrett. Allein in dieser Spielzeit sind mit Andre Schubert, Roger Schmitt und Andre Breitenreiter drei ehemalige SCP-Trainer als Übungsleiter in der Bundesliga aktiv. Paderborn bietet jungen Trainern die Möglichkeit, in Ruhe und in einem unaufgeregten Umfeld zu arbeiten. Gerade in Krisenzeiten könnte dies für Effenberg von unschätzbarem Wert sein.

Zudem ist der Fokus auf den Beruf aus Ermangelung an großen vergnüglichen Aktivitäten gegeben. Zumindest ist es kaum vorstellbar, dass sich Effenberg auf dem nächsten Paderborner Feuerwehrfest derart tief ins Glas schaut wie noch vor einigen Wochen auf dem Münchner Oktoberfest. Deswegen wird der frühere Bayern-10er sein Siegergen in den Paderborner Kader implantieren können. Ganz klar: Den Stinkefinger von Effenberg wird man nicht sehen, die Siegerfaust wird dafür umso öfters in den Paderborner Himmel gereckt.


Schlagworte: SC Paderborn, Stefan Effenberg

Artikelinformationen


Datum: 20. Oktober 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Julian Witzel
Korrektur: Alexander Kast


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