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Die Tradition mit Füßen getreten

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(Hannover) Das Sommer-Transferfenster ist geschlossen – endlich, wie so mancher Fußballfan zu sagen vermag. Aberwitzige Wechselsummen haben in dieser Periode auch die Bundesliga erreicht. Für besonderes Aufsehen sorgte der VfL Wolfsburg, der den Verlust von Superstar Kevin De Bruyne mit Schalkes Eigengewächs Julian Draxler zu kompensieren versucht. Dessen Wechsel zum direkten Ligakonkurrenten stößt derweil auf großen Unmut beim Schalker Anhang.

Veröffentlicht am 01. September 2015 von

Nach monatelangem Gezerre um Kevin De Bruyne sind am Sonntag endgültig die Würfel gefallen. Den Belgier, der im Winter 2014 für 25 Millionen Euro vom FC Chelsea nach Wolfsburg gewechselt war, zieht es zurück in die Premier League zu Manchester City. Die „Skyblues“ lassen sich die Dienste des 24-Jährigen schlappe 75 Millionen Euro kosten. Dafür soll De Bruyne bei einem bis 2021 dotierten Vertrag rund 20 Millionen Euro pro Jahr verdienen.

VfL nimmt fast 100 Millionen ein – Draxlers Schaulaufen

Der VfL macht also 50 Millionen Euro Gewinn, verliert jedoch seinen Spielmacher, der in der vergangenen Spielzeit mit 16 Toren und 28 Vorlagen Garant auf dem Weg zur Vizemeisterschaft und zum Pokalsieg war. Dass De Bruynes Abgang gut abgefangen werden kann, zeigten die „Wölfe“ bereits am Freitagabend beim 3:0-Heimsieg gegen den FC Schalke. Ohne den Belgier und den für 20 Millionen Euro zu Inter abgewanderten Ivan Perisic zeigte die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking eine solide Vorstellung, wenn auch die spielerisch glänzenden Momente ausblieben.

Dass Manager Klaus Allofs mit den frisch eingenommenen 95 Millionen Euro aber nochmal aktiv werden würde, war auch klar. So kursierten schnell Gerüchte um De Bruynes Landsmann Dennis Praet vom RSC Anderlecht. Der 21-Jährige galt als heißester Anwärter auf die Nachfolge, doch das sollte sich schlagartig ändern, als am Sonntag der bevorstehende Wechsel Julian Draxlers vom unmittelbaren Konkurrenten aus Gelsenkirchen durchsickerte. Dem Weltmeister, der zwei Tage zuvor noch für S04 in der Volkswagen Arena aufgelaufen war, wurde lange Zeit ein Wechsel zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin nachgesagt, doch die waren nicht bereit, die von Schalke geforderten 35 Millionen zu zahlen – Allofs schon.

Nach langen Verhandlungen bis in die Morgenstunden des Montags hinein einigte er sich mit Schalkes Sportvorstand Horst Heldt auf eine Ablöse von 36 Millionen Euro, die durch erfolgsabhängige Prämien noch auf 42 Millionen ansteigen kann. Damit ist Draxler Schalkes teuerster Abgang aller Zeiten und löst sogleich André Schürrle als VfL-Rekordtransfer ab.

Die Verlockung des Geldes

Doch die Frage, die sich nun viele Experten und vor allem etliche S04-Fans stellen: Warum? Warum wechselt ein Schalker Eigengewächs, das sich seit 2001 (!) das blau-weiße Trikot überstreift, von einem der erfolgreichsten und traditionsreichsten Klubs in Deutschland zu einem Verein, der sich dank der VW-Millionen erstmals seit 2009 wieder für die Champions League qualifizieren konnte? Draxler ist indes nicht der erste Fall. Auch Max Kruse tauschte im Sommer das Gladbach- gegen das Wolfsburg-Grün, obwohl er mit den „Fohlen“ ebenfalls die Königsklasse erreicht hatte.

Die Verlockung des Geldes übertrifft die Tradition, die mit Füßen getreten wird. „Ich brauchte eine Luftveränderung und will mich sportlich weiterentwickeln“, begründete Draxler seinen Wechsel. Dabei galt er als Schalker Identifikationsfigur schlechthin. Noch im Sommer 2013 wurde seine Vertragsverlängerung mit Anhängern, auf denen „mit Stolz und Leidenschaft bis 2018“ zu lesen war, zelebriert. Dass diese „Liebe“ eines Tages ein Ende finden würde, war gleichzeitig aber auch klar, da Draxler stets betonte, er wolle einmal den Schritt ins Ausland wagen, um die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen.

Nun aber zog es ihn innerhalb Deutschlands nach Wolfsburg. Nicht ohne Grund wird er sich wahrscheinlich, wenn es Anfang Februar zum Rückspiel zwischen Schalke und Wolfsburg in der Veltins-Arena kommt, nicht nur Pfiffe gefallen lassen müssen. Ganz im Zeichen eines Manuel Neuer. Der Rest ist bekannt.


Schlagworte: Bundesliga, FC Schalke, Horst Heldt, Julian Draxler, Kevin De Bruyne, Klaus Allofs, Kommerz, Tradition, VfL Wolfsburg

Artikelinformationen


Datum: 01. September 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Mario Krischel
Korrektur: Marvin Sonnemann


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