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Dimitrij Ovtcharov – Der hart erarbeitete Weg auf den Tischtennis-Thron

Dimitrij Ovtcharov ballt die Siegerfaust.

Dimitrij Ovtcharov, von allen auch „Dima“ genannt, hat es endlich geschafft. Am 3. Januar 2018 wird er als der beste Tischtennis-Spieler der Welt geführt und löst den bisherigen Weltranglistenersten Ma Long aus China ab. Der 29-Jährige erklimmt damit als zweiter Deutscher nach Timo Boll erstmals den Tischtennis-Thron.

Veröffentlicht am 15. Dezember 2017 von

(Banteln) Dimitrij Ovtcharov ist am Ziel angelangt. Das erfolgreichste Jahr des deutschen Tischtennis-Profi geht langsam zu Ende und schon jetzt steht fest, „Dima“, wie ihn alle nennen, wird als neue Nummer eins der Tischtennis-Welt in das Jahr 2018 starten. Für den 29-jährigen Hamelner, der im Jahr 2005 in die Bundesliga aufstieg, ist es der größte Erfolg seiner bisherigen Laufbahn nach Olympiabronze in London. Die jahrelange harte Arbeit zahlt sich endlich aus. Ovtcharov ist nämlich keiner, dem alles einfach so zufliegt. „Dima“ ist ein Perfektionist. Oft trainiert er auch dann noch, wenn die Anderen schon lange aus der Halle sind. Der Erfolg kommt also nicht von ungefähr, wie der deutsche Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf sagt: „Das wäre eine Bestätigung für seine Arbeit, denn er trainiert wahnsinnig intensiv.“

Atemberaubender Höhenflug

Mit einem sehr erfolgreichen Jahr 2017 hat der in Kiew geborene Ovtcharov früh die Weichen für das nächste Jahr gestellt. Bei insgesamt sechs internationalen Turnieren triumphierte der Deutsche nicht nur über die so stark gehandelte chinesische Konkurrenz. Oft war auch Nationalmannschaftskollege Timo Boll der Gegner des zukünftigen Weltranglistenersten, der das Tischtennisspielen von seinen Eltern – Michail und Tatjana Ovtcharov – in die Wiege gelegt bekam. Beim Europe Top 16 Cup in Antibes (Frankreich) verteidigte er nicht nur seinen Titel. Der 29-Jährige ist der erste Spieler, der dieses Turnier dreimal in Folge gewinnen konnte. Wenige Wochen später setzte er in Neu-Delhi zum nächsten Höhenflug an, als er sich im Finale der India Open mit 4:0 gegen den Japaner Tomokazu Harimoto durchsetzte. Im Juni sorgten dann die Gastgeber der China Open für Eklat, als sie ihr eigenes Turnier boykottierten. Dennoch kam es zu einem hochkarätigen, dramatischen deutschen Finale, indem sich Ovtcharov durch einen 4:3-Erfolg über seinen 36-jährigen deutschen Teamkollegen Boll die Krone aufsetzte. Seinen dritten Turniersieg des Jahres feierte der Hamelner bei den Bulgaria Open. Im Finale in Panagjurischte machte er kurzen Prozess und besiegte den Japaner Kenta Matsudaira mit 4:1. Beim World Cup in Lüttich triumphierte „Dima“ erstmals und setzte sich im Finale zum zweiten Mal gegen Teamkollege Boll durch. Im November kam es dann in Magdeburg zum Schaulaufen der besten Tischtennisspieler der Welt. Bei den German Open trafen erneut die Deutschen Ovtcharov und Boll aufeinander und auch diesmal zog der 36-Jährige den Kürzeren. Für Ovtcharov hätte das Jahr nicht besser laufen können. Pünktlich zum World-Tour-Jahresfinale ist der deutsche Tischtennis-Profi in bestechender Form und kann ein herausragendes Jahr krönen.

„Dima“ setzt 2017 die Krone auf

Für Ovtcharov ist es Herausforderung und Chance zugleich: Im Achtelfinale der ITTF (International Table Tennis Federation) World Tour Grand Finals in Astana trifft der Aufschlag-Virtuose auf den japanischen Weltranglistenachten Koki Niwa. Letzterer fügte ihm im Achtelfinale der Heim-WM in Düsseldorf eine überaus schmerzhafte Niederlage zu. Dort scheiterte „Dima“ noch am Konterspiel des Japaners, auf das er sich beim Jahresfinale schon einstellen konnte: „Der Einzug in das Viertelfinale würde mir sicher reichen, um im Januar die Nummer zu eins zu sein.“ Ovtcharov könnte somit am 3. Januar, wenn die neue Notierung der Tischtennis-Weltrangliste erscheint, als zweiter Deutscher nach Timo Boll an der Spitze stehen. Der 29-Jährige hat es selbst in der Hand und als hätte er es geahnt, kam es zu einem dramatischen Krimi zwischen Ovtcharov und Niwa. Der Deutsche verpasste es mehrfach den Sack zuzumachen und stellte erst im siebten und entscheidenden Satz die Weichen für das kommende Jahr. Seinen zweiten Matchball verwandelte der Deutsche zum 11:5, sodass sich mit dem 4:3-Erfolg über den Japaner für ihn ein Kreis schloss. Im weiteren Turnierverlauf schob er sich bis ins Finale vor, wo er allerdings glatt mit 0:4 gegen den Chinesen Fan Zhendong verlor. Auch wenn es am Ende nur zur Silbermedaille für den Hamelner reichte, spricht er von einem versöhnlichen Jahresabschluss: „Ich bin wunschlos glücklich, es ist unfassbar, eine Riesenlast ist von mir abgefallen. Glücklicher kann man nicht sein.“ Auch im Mannschaftsquartier der Deutschen ist man stolz: „‘Dima‘ hat es nach seinem so tollen Jahr wirklich verdient“, adelt Boll – einer der ersten Gratulanten – seinen Teamkollegen. 2018 wird mit Ovtcharov erst der zweite Deutsche, nach Timo Boll (2003 und 2011), auf Platz eins der Weltrangliste vorrücken. Zum Jahreswechsel verdrängt der 29-Jährige den Weltmeister und Olympiasieger Ma Long vom Thron. Der Chinese führt seit März 2015 die Weltrangliste an.

Die „chinesische Mauer“ fängt zu bröckeln an

Inwiefern „Dima“ auch in Zukunft die erfolgsverwöhnten Chinesen im Tischtennis-Sport hinter sich lassen kann, wird sich zeigen. Immerhin hat er, gemeinsam mit Mannschaftskollege Timo Boll, die einstige „chinesische Mauer“ zum Bröckeln gebracht. Zwei Deutsche revolutionieren derzeit die Tischtennis-Welt. International kann man sich sehen lassen, was nicht nur an der herausragenden Ausgangslage für das neue Jahr liegt. „Dima und Timo spielen zurzeit mit sehr viel Selbstvertrauen und schwimmen auf einer Welle des Erfolgs“, so Bundestrainer Jörg Roßkopf. Boll führt dies weiter: „Für das Welttischtennis ist es toll, aber ganz besonders natürlich für unseren Sport in Deutschland.“ Ein Ende dieser deutschen Erfolgsserie ist bislang nicht in Sicht. Die Dominanz der chinesischen Nation lässt ein wenig nach, was nicht nur an den beiden Top-Stars im deutschen Lager liegt. Mit Dimitrij Ovtcharov als Weltranglistenerster und Timo Boll als Welt-Spieler des Jahres stehen die Zeichen exzellent, sich auch zukünftig an der Weltspitze zu etablieren.


Schlagworte: Dimitrij Ovtcharov, Timo Boll, Tischtennis

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Datum: 15. Dezember 2017
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