Logo

Das Nachrichtenportal für Sport

Fußball

EM-Qualifikationsspiel mit Freundschaftspielcharakter

gettyimages

Silvia Neid hatte vollkommene Konzentration gefordert beim Auftritt gegen die Türkinnen. Keinesfalls sollte ein Wanken gegen den Tabellenletzten geschehen. Sie sollte nicht enttäuscht werden, auch wenn es Startschwierigkeiten zu begutachten gab.

Veröffentlicht am 10. April 2016 von

(Hannover) Die deutsche Mannschaft kam als unangefochtener Tabellenführer der Gruppe Fünf ins Stadion Recep Tayyip Erdogan von Kasimpasa. Die erste Halbzeit war ein Warmlaufen der deutschen Frauen mit leichten Startschwierigkeiten, was aber zu einer 0:2 Halbzeitführung reichte. Im zweiten Spielabschnitt sollten die Angriffe präziser und effektiver ausgespielt werden. So steht am Ende ein nie gefährdetes 0:6, mit einer Matchwinnerin Kerschowski vom VfL Wolfsburg, die an fünf der insgesamt sechs Treffer direkt beteiligt war.

Das EM-Qualifikationsspiel, Türkei gegen die DFB-Elf, hatte ihr erstes Highlight schon vor dem Anpfiff. Bevor es zum traditionellen spielen der Hymnen kommen konnte, wurde dies für kurze Zeit verschoben. Grund hierfür war der Aufruf zum Gebet seitens der Muezzins aus den umliegenden Moscheen. Dies sollte die deutschen Frauen von Silvia Neid aber nicht von einem souveränen Auftritt abhalten.

Schwammiger Anfang mit Abstimmungsproblemen

Es war von Beginn an zu erkennen, auf was sich die Türkinnen verständigt hatten. Es ging einzig allein darum, die Höhe einer eingeplanten Niederlage so gering wie möglich zu halten. Diese Art des destruktiven Fußballs ermöglichte den deutschen Kickerinnen eine Menge ungefährdeten Ballbesitz. So konnte es sich die deutsche Elf auch leisten, immer wieder mal, Probleme mit der Ballverarbeitung und Fehlpässen einzustreuen. Die Abstimmung der Spielerinnen untereinander war zu Beginn noch nicht gegeben, dies sollte sich im Laufe der ersten Halbzeit aber immer weiter verbessern.

Chancen in regelmäßigen Abständen

Trotz der sich nun immer deutlicher abzeichnenden Überlegenheit der Frauen um Anja Mittag, waren Chancen gegen den Gruppenletzten aus der Türkei rar gesät. In der 7. Spielminute gab es die erste Chance nach einer Hereingabe von Kerschowski auf Mittag. Diese kam vollkommen frei am Elfmeterpunkt zur Chance, traf aber zielgenau auf Torhüterin Akgöz. In der Folge wurden Chancen jetzt immer häufiger. So ergaben sich jetzt einige Möglichkeiten, diese wurden dann meist aber recht fahrlässig vergeben. Allen voran Alexandra Popp hatte in der ersten Hälfte gute Möglichkeiten ihr persönliches Torkonto aufzubessern.

Ein Tor als Knotenlöser

So dauerte es bis zur 28. Minute, als Kerschowski nach einem abgeblockten Schuss von Alex Popp, am linken Strafraumrand frei zum Schuss kam und mit einem satten Volleyschuss unhaltbar zum 1:0 für Deutschland netzte. Mit dem Tor schwand auch zusehends die Zuversicht in den Gesichtern der türkischen Spielerinnen und Deutschland konnte immer wieder schnelle Ballgewinne erzielen und so kurze Wege zum Tor gehen. Gute Chancen stellten sich jetzt häufiger ein. Eine Doppelchance aus der 29. Minute hätte schon mit einem Tor belohnt werden müssen, doch die Abschlussschwäche setzte sich weiter fort. Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff dann, war es die Torschützin zum 1:0, die Stürmerin Anja Mittag mit einer Flanke aus dem linken Halbfeld am Elfmeterpunkt bediente. Ein großer Schritt, ein langes Bein und Anja Mittag traf zum hochverdienten 2:0 in der 40. Spielminute. Vorausgegangen war wieder einmal das gute Gegenpressing der deutschen Elf, am Strafraum der Türkinnen. Bis zur Pause passierte nichts spielentscheidendes mehr. Einzig nach einem vermeintlichen Foul an einer türkischen Spielerinn, meldeten sich die Zuschauer zu Wort und forderten lautstark den Pfiff der Schiedsrichterin.

Resümees erlaubt diese Halbzeit keine

Zur Halbzeit ergaben sich für Bundestrainerin Silvia Neid keine ernsthaften Erkenntnisse, dafür war das Spiel zu einseitig verlaufen. Gegen die Nummer 60. der Frauenfußballwelt war zu keiner Zeit die Gefahr eines Konters gegeben, sodass das Devensivverhalten nie geprüft wurde. Einzig der Chancenwucher dürfte ihr aufgefallen sein und missfallen haben.

Mehr Aggressivität auf Seiten der Türkinnen

Mit Beginn der zweiten Hälfte war den Spielerinnen vom Bosporus anzumerken, dass in der Halbzeit ein paar klare Worte gefunden wurden. In den ersten Minuten nach dem Wiederanpfiff gab es immer wieder harte Zweikämpfe und Fouls, die von der umsichtigen Schiedsrichterin mehrmals geahndet werden mussten. Die deutsche Elf, die unverändert aus der Pause kam, hatte sichtbare Probleme mit dieser Gangart und verlangsamte immer wieder das Tempo und versuchte geordnet in den Spielaufbau zu finden. Gegen einen tief stehenden Gegner war dies aber kein Patentrezept.

Chancen jetzt eher durch Zufall

Auch durch die Aggressivität und das tiefe Stehen der Türkinnen hatten die Deutschen große Probleme zu Chancen zu kommen. Bälle fanden nur selten den Weg in den Strafraum und wenn sie es taten, dann wurden diese wieder simpelst vergeben. Wieder Alex Popp und Anja Mittag mit einem Luftloch vergaben aus aussichtsreicher Position. So musste in der 60. Spielminute wieder Kerschowksi, nach einem Durcheinander im türkischen Strafraum herhalten. Den Ball schob sie nach einem geblockten Versuch von Krahn, auf Höhe des Fünfmeterraums, an Torhüterin Akgöz, die bis dato beste Spielerin ihres Teams war, vorbei zum 3:0.

Selbes Bild wie in Halbzeit eins

Mit dem Tor kam dann, wie auch schon in Halbzeit eins, das Selbstverständnis zurück ins deutsche Team. Immer wieder gefährliche Szenen nun. Die emsige, aber bis dato unglücklich agierenden Popp, mit dem Kopf aus knapp fünf Metern und Marozsan aus zwanzig Metern mit einem Schuss an die Latte hätten für das 4:0 sorgen können. Dies war auch die letzte Szene von ihr, sie wurde ebenso ausgewechselt wie Blässe. Neu ins Spiel kamen Huth und Leupolz um für neuen Schwung und Ideen zu sorgen. Doch für die nächste entscheidende Szene war wieder die Wolfsburgerin mit der Nummer 17 zuständig. Eine Ecke von Kerschowski, ihre vierte direkte Torbeteiligung dieses Spiels, verwandelte Popp mit dem Kopf gegen die zu zögerlich agierende Torfrau der Türken. Der Treffer zum 4:0 war nach dem Spielverlauf nur eine Frage der Zeit.

Souveräner Auftritt ohne großen Glanz

Kurz vor dem Ende gab es noch eine Verletzungsunterbrechung. Eine türkische Spielerin musste nach einem Zusammenstoß am Nacken kurzzeitig behandelt werden, sie konnte aber weiterspielen und sah dann auch den fünften Treffer der deutschen Damen. Alexandra Popp nach einer Flanke der eingewechselten Leupolz zum 5:0. Auch bei diesem Treffer sah die Schlussfrau im Tor der Türkinnen nicht glücklich aus. Der Ball nicht direkt auf sie gespielt, aber keineswegs unhaltbar. Eine schöne Annahme mit der Brust und eine Direktabnahme nach Maß besiegelten den Treffer. Den Abschluss setze die Frau des Spiels, Kerschowski. Ihr Treffer zum 6:0 in der letzten Minute der Nachspielzeit war ihre insgesamt fünfte Torbeteiligung an diesem Abend. Eine Flanke von rechts auf den zweiten Pfosten vollendet sie mit einem Kopfball, vorbei an der Torhüterin, in die lange Ecke. Es war der Schlusspunkt auf ein, auch in der Höhe, verdientes Ergebnis. Die Türkinnen befinden sich im Umbruch und müssen sich in nächster Zeit ordentlich strecken um die getane Arbeit nicht wieder einzureißen.

Aufstellung Deutschland: Schult – Hendrich, Bartusiak, Krahn, Maier – Kerschowski, Däbritz, Marozsan (66. Min Leupolz), Blässe (66.Min Huth) – Mittag (76. Min Islacker), Popp

Aufstellung Türkei: Akgöz – Güvenec, Tezkan, Erol, Demir – Yag, Kaya (45. Min Gönültas), Topcu, Korkmaz (79. Min Erkan), Nurlu (68. Min Belci) – Pekel


Schlagworte: Alexandra Popp, Anja Mittag, Deutschland, DFB-Frauen, EM-Qualifikation, Isabel Kerschowski, Türkei

Artikelinformationen


Datum: 10. April 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Marcel Musielak


Teilen & Versenden


Auf teilen
Auf teilen

Kurzlink: bit.ly/1DASnWi