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Fußball

Emotionen bitte nur in geordneten Bahnen

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Der Fulham FC ist nur einer der vielen traditionsreichen Londoner Fußballclubs. Doch während Arsenal und Tottenham in dieser englischen Woche in der Champions-League antreten, steht für Fulham der siebte Spieltag im Championship, der zweiten englischen Spielklasse, auf dem Programm.

Veröffentlicht am 23. September 2016 von

In knapp vier Stunden wird der FC Fulham das nächste Heimspiel gegen Burton Albion bestreiten. Rund um Craven Cottage, das Stadion der „Whites“, ist es ruhig. Ein paar Ordner stehen bereits an den Eingängen, großartig arbeiten tun sie aber noch nicht. Das Stadion liegt direkt im Wohnviertel. Wenn man nur 10 Meter in eine der anliegenden Straßen einbiegt, ist außer den Flutlichtmasten nichts mehr vom Stadion zu sehen. Fast Idyllisch liegt hier Reihenhaus an Reihenhaus. Bis zur naheliegenden Fulham Palace Road auf der sich Supermärkte und Pubs befinden geht man nur drei Minuten zu Fuß.

Noch zwei Stunden bis Anpfiff. Auf der Fulham Palace Road sammeln sich langsam Fans des Fulham FC. Immer mehr Kleingruppen mit Trikoträgern laufen nun die Straße herunter. Auch die Pubs füllen sich immer mehr mit Menschen. Selbst die kleinste Pinte hat einen schwarz gekleideten Security vor der Tür stehen. „Trainers“, wie Jogginganzüge in England heißen, sind fast überall verboten. Großartige Stimmung kommt nicht auf. Langsam aber sicher bewegen sich die Menschenmassen nun zum Stadion. Das hier bald ein Fußballspiel stattfindet ist nur an den Trikots zu erkennen.

Im Stadion ist es noch seelenruhig

Eine Stunde vor dem Anpfiff ist es vor dem Stadion immer noch relativ ruhig. Die Backsteinwand an der Ostseite des Stadions erinnert noch an längst vergangene Zeiten. Durch viele winzig kleine Eingänge, strömen die Fans langsam ins innere des Stadions. Dort bietet sich eine Vielzahl von Getränke- und Essensständen. Da kein Alkohol mit auf die Ränge genommen werden darf, verharren die meisten Zuschauer noch an den Ständen. Auf den Rängen herrscht noch eine absolute Leere. Nur die vielen ausgelegten Klatschpappen, in jedem zweiten Sitz klemmt eine, bringen ein bisschen Farbe zwischen die eng an eng gereihten schwarzen Klappstühle.

In 15 Minuten beginnt das Spiel. Das Stadion wirkt immer noch relativ leer. Besonders der Gästeblock ist nur sehr dünn besiedelt. Der Aufsteiger aus Burton konnte knapp 200 Anhänger in die Hauptstadt locken. Auf den restlichen Tribünen füllt es sich nun langsam. Während der Stadionsprecher die Mannschaften präsentiert, sind die meisten Zuschauer noch ins Gespräch mit ihrem Nachbar vertieft. Auffällig viele Leute stehen noch vor ihren Sitzplätzen.

Das Spiel beginnt

Anpfiff. Inzwischen ist es doch relativ voll geworden. Lediglich die Südseite, auf der auch die Auswärtsfans Platz genommen haben wirkt fast verwaist. Die Zuschauer haben sich, genau wie es in England seit über 25 Jahren vorgeschrieben ist, hingesetzt. Nur eine kleine Gruppe von Fulham Fans in den obersten Reihen bleibt stehen. Eben diese versuchen in den ersten Minuten auch diverse Gesängen anzustimmen. Die knapp 10.000 Klatschpappen sorgen aber dafür, dass jeder Gesang nach knapp zehn Sekunden durch ein brachiales Klatschen nicht mehr zu hören ist.

Das Spiel ist wenig anschaulich. Fulham ist dem Aufsteiger aus Burton zwar überlegen, kann sich in der ersten Hälfte aber nur wenige Torchancen erspielen. Die Fans scheinen sich dem langweiligen Spiel anzupassen. Lediglich bei Torchancen oder Fouls wird es für kurze Zeit laut im Stadion. Fünf Minuten vor Halbzeitbeginn öffnen die Verkaufsstände wieder. Schon jetzt verlassen viele Zuschauer die Ränge, obwohl das Spiel noch läuft. Ohne Großchancen gehen die Teams mit 0:0 in die Halbzeitpause.

Es wird lauter in der zweiten Hälfte

Kurz nach Anpfiff zur zweiten Halbzeit gelingt den Gästen der überraschende Führungstreffer. Die Anhänger des FC Fulham quittieren dies mit einer Vielzahl von Schimpfwörtern die sie in Richtung des Spielfelds rufen. Fulham beginnt nun in der Offensive Druck aufzubauen, kommt aber nur selten wirklich gefährlich vors Tor der Gegner. Es beginnt das Duell zwischen Burton-Torwart Jon McLaughlin und der Uhr. Für jeden Abstoß braucht der Schlussmann mehr und mehr Zeit. Die Fans von Fulham reagieren mit Beleidigungen und Buh-Rufen. Zum ersten Mal wird es richtig laut im Stadion.

In der 80. Minute wirft ein Fan eine der Klatschpappen auf den Torwart der Gegner. Direkt sammeln sich mehr Ordner am unteren Ende der Tribüne und weitere Vorfälle dieser Art zu unterbinden. Bei jedem Abstoß wird es lauter und lauter. Die negativen Emotionen der Heim Fans lassen die trostlose erste Halbzeit langsam in Vergessenheit geraten. Aufgrund der andauernden Verzögerungen durch McLaughlin zeigt der vierte Offizielle sechs Minuten Nachspielzeit an.

In der dritten Minute der Nachspielzeit gelingt dem FC Fulham der Ausgleich. Zum ersten Mal an diesem langen Fußballabend kochen die Emotionen über. Fans liegen sich in den Armen und feiern den Treffer ihrer Mannschaft. Noch stärker allerdings feiern sie die Überwindung von ihrem frisch gewonnen Erzfeind McLaughlin. Mit Gesten und Gesängen verhöhnen sie den Torwart bis zum Abpfiff nach 97 Minuten. Kurz darauf betreten Ordner den Rang, um den Fan der zuvor die Klatschpappe auf den Torwart geworfen hatte, aus dem Verkehr zu ziehen.

Der letzte macht das Licht aus

In dem Moment als der Schiedsrichter das Spiel beendet, setzt sich das komplette Stadion in Bewegung. Auf direktem Weg verlassen die Zuschauer ruhig und gesittet das Stadion. Nur wenige Kleingruppen bleiben noch kurz auf ihren Plätzen sitzen. Durch ein großes Tor strömen die Fans wieder zurück in die kleinen Straßen von Fulham. Wie den kompletten Abend zuvor bleibt es auch hier fast gespenstig ruhig. Lediglich der Klatschpappenwerfer muss von Ordnern und Polizisten umstellt noch ein bisschen bleiben.


Schlagworte: Championship, England, Fans, Fulham FC, Grounds

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Datum: 23. September 2016
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