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Wintersport

„Emotionen sollten nicht die Kontrolle übernehmen“

Estelle Balet

Die 21- Jährige Freeriderin Estelle Balet kam an einem Dienstagmorgen bei Le Portalet oberhalb der Gemeinde Orsières bei Dreharbeiten in den Schweizer Alpen ums Leben.

Veröffentlicht am 25. April 2016 von

(Hannover) Freeride – Ein Wort, welches nach purer Freiheit klingt. Fahren im freien Gelände, auf unberührtem Schnee, allein in der Natur. Freeriden ist der Sport, den sich die Ski und Snowboarder leidenschaftlich teilen. Die Ruhe und das „Alleine Sein“ in der Natur ist ein unglaublich schönes Gefühl. Aber es bringt auch Gefahren mit sich, denn Freerider wagen sich mit ihren Boards raus auf steile Abhänge abseits der Pisten. Nicht selten hört man von einem tragischen Unfall, der sich beim Freeriden ereignet. Meistens passieren die schlimmsten Unfälle aufgrund von Lawinen. So auch der tragische Tod von der zweimaligen Freeride Weltmeisterin Estelle Balet.

„Balet war immer sehr vorsichtig“

Estelle, die aus Vercorin, einem Dorf Nähe des Val d’Anniviers stammte, war ein sehr fröhlicher Mensch und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Sie liebte das Leben und tat das, was sie am Besten konnte, nämlich das Freeriden. „Sie war ein Sonnenstrahl und immer sehr aufmerksam anderen gegenüber. Sie hat ihr Leben mit Leidenschaft gelebt. Sie ist viel zu schnell von uns gegangen. Sie war sehr vorsichtig, alles andere als ein Hitzkopf“, sagte der Vater. Auch Estelle sagte in einem Interview: „Wir sind keineswegs verrückt. Wir analysieren alles, um die Risiken zu minimieren. Für mich ist unser Sport weniger gefährlich, als wenn jemand mit den Ski Abfahrt fährt.

Dem Glück schien nichts im Wege zu stehen

Es war ein sehr erfolgreicher Winter für die junge Snowboarderin. Sie galt als eine der wenigen, aufstrebenden Stars dieser Szene. Als jüngste Athletin gewann sie zum zweiten Mal die Freeride World Tour in diesem Jahr und auch Anfang April holte Estelle sich in Verbier den Titel von einer der härtesten Freeride-Wettkämpfe der Welt, dem sogenannten „Swatch Xtreme“. Dazu sicherte sie sich 2015 den Titel als Walliser Sportlerin des Jahres.

„Weil alles so schnell ändern kann“

Als das Unglück passierte, war die 21-Jährige bei Dreharbeiten für ein Filmprojekt mit der Produktionsfirma Timeline Missions in den Bergen unterwegs. „Estelle war die zweite Person im Hang, vor ihr war eine Person abgefahren, um die Bedingungen zu testen. Es war ein tragischer Unfall“, so Katja Cramer,  Verantwortliche der Kommunikation Audi von Amag. Als Balet losfuhr, löste sich die Lawine und riss die Athletin gut einen Kilometer mit sich. Cramer fügte hinzu: „Bei dem Projekt wurde extrem auf Sicherheit geachtet, es waren Guides vor Ort und erfahrene Skifahrer.“ Auch Ueli Mosimann, Sicherheistsexperte im Bergsport beim Schweizerischen Alpenclub (SAC), äußerte sich zum Unfall: “ Das sind Profis, ich glaube nicht, dass sie ein solches Risiko eingehen. Sie wissen, wie fatal das enden kann.“ Dennoch erklärte er, dass es im Frühling schwieriger sei, die Stufen genau zu prognostizieren, da weniger Alpinisten in den Bergen unterwegs seien und es lokal große Unterschiede gebe. Trotz gesamter Ausrüstung, eingenommen ein Lawinensuchgerät, Airbags und einem Helm , starb die Schweizerin an den Folgen ihres Sturzes. Zwar konnten sie die Retter noch bergen, aber leider zu spät.

„Ein Schneestern glitzert jetzt am Himmel“

Am Freitagnachmittag fand die Beerdigung in Vercorin statt. Neben Familienangehörigen und Freunden kamen viele Menschen, um von der jungen Freeride Weltmeisterin Abschied zu nehmen. Nach der Gedenkfeier standen zahlreiche Freunde mit Snowboards und Skiern Spalier. Auch die Freeride World Tour würdigte Estelle. „Sie war ein begnadeter Star und ein ausserordentliches Talent.“ Estelle war sehr vorsichtig und sich in jeder Hinsicht bewusst, das ständig Gefahren im Extremsport lauern. „Die Emotionen sollten nicht die Kontrolle übernehmen. Es ist wichtig, mit dem Kopf am Berg zu sein“, so Estelle. Dass der Tod dennoch so schnell passieren würde, konnte niemand ahnen. „Doch falls es eine Lektion gibt, die man durch diesen Unfall lernen kann, ist es vielleicht diese: Es kann selbst die abgehärtetsten Profis treffen“, so Freeride-Kollege Nicolas Falquet.


Schlagworte: Estelle Balet, Freeride World Tour, Lawinenunglück, Snowboarding, Tod

Artikelinformationen


Datum: 25. April 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Franziska Bednorz


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