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Der Tanz des Totilas- Die Geschichte des einstigen Wunderhengstes

Quelle: official facebook fanpage Totilas; 
Fotigraf: Sara Silfverberg

(Hannover.) Er ist Totilas, der elegante zehn Millionen schwere Rapphengst, den eigentlich jeder kennen müsste, selbst der Nicht-Pferdefreund.
Mit Edward Gal schrieb Totilas Geschichte, eine die von Erfolgen geprägt war. Seit 2010 sollte dieses Wunderpferd in Deutschland berühmt werden. Sollte.

Veröffentlicht am 10. Juni 2015 von

2000 wurde er geboren. Ein Fohlen, von den berühmten Vollblütern Dark Ronald und Herold. Er ist 1,70 m groß. 2009 wird er bezeichnet als „das Wunderpferd“. Drei Weltrekorde, drei WM- Siege. Er schrieb Geschichte in Holland, eine Erfolgsgeschichte. 2010 ist er das teuerste Pferd der Welt- zumindest im Dressursport. 50.000 Facebook Fans und einen Bodyguard vor der Stalltür. In Deutschland sollte er das Wunderpferd bleiben und wurde überholt von den Erwartungen. Kaum Siege. Fünf traurige Jahre geprägt von Verletzungen, Krankheiten und Enttäuschungen. Und nun soll es das Comeback werden und nicht wieder nur eine unhaltbare Ankündigung wie zuletzt die deutschen Meisterschaften in Balve. Der Stand 2015: „Er ist ja nun mal unser Sorgenkind“, so Bundestrainerin Monica Theodorescu. Ob er bei den Weltmeisterschaften in Aachen dabei sein wird, sei noch unklar. Vielleicht gehört er noch zu den besten der besten oder vielleicht auch nicht … und trotzdem ist er das Wunderpferd (gewesen?).

Weltrekordjäger

Zusammen mit Edward Gal, seinem damaligen Reiter stellt er drei Weltrekorde auf: Im Grand Prix de Dressage bei den Europameisterschaften erzielt er 84,085%. In der Grand Prix Kür 90,750%, ein Zahl, die zuvor kein anderes Pferd erreicht hatte. Am 6. Dezember 2009 überholen sich Gal und Totilas selbst: In der Londoner Olympia Hall ist es nicht nur Platz Eins, für die Weltcupkür gibt es 92,300%. Beim CHIO Aachen folgt der dritte Rekord, ein Weltrekord, den erst Charlotte Dujardin 4 Jahre später erreichen würde. Im Grand Prix Spécial erzielen sie 86,458%. Im Schnitt gab es unter den Einzelnoten 28 mal  die Höchstnote Zehn. Ziel war es an diese goldene Vergangenheit anzuknüpfen. So hatte man sich ausgedrückt.

Enttäuschung über die Fehlinvestition

Der erwünschte Erfolg blieb aus. Reitlegende Paul Schockemöhle, der eigentlich das Gespür für Pferde hat, gibt zu: „[…] Totilas, da ist so ziemlich alles schief gelaufen, was hätte schief laufen können. Vor dem Kauf war es das beste Pferd der Welt und hat alles gewonnen, inklusive der Weltmeisterschaften. Ich habe nur die Zuchtrechte teilweise behalten und die Reitrechte verkauft. Nach ersten Erfolgen wurde er lahm. […] Wenn Sie so wollen, war Totilas eine Fehlinvestition.“

2009 hat er ihn gesehen und ein Jahr später gekauft. „So ein Pferd möchtest du einmal in deinem Leben besitzen“, so hatte Schockemöhle geschwärmt. Totilas verkörpere, Schönheit und Eleganz wie kein anderes Pferd. Eine schwarze Schönheit. Zwei Jahre nach dem Aus bei den olympischen Spielen in London, aufgrund der Krankheit des Reiters Matthias Rath bleibt die erhoffte Erfolgsgeschichte immer noch ungeschrieben. Denn auch der Hengst war lange krank und das immer wieder. Die Erwartungen waren zu hoch. Zunächst hatte es gut ausgesehen: 2011 holten Totilas und Matthias Rath einige Titel. Doch nachdem Olympia 2012 für beide ausfallen musste, da Rath am pfeiffrischen Drüsenfieber erkrankt war, ging es steil bergab. Das Turnier Horses&Dreams in Hagen, welches sie 2012 mit Platz Eins und 83,809% im Grand Prix de Dressage abschließen konnten, blieb für zwei Jahre einer der letzten Turnierauftritte. Erst im Mai 2014 gingen Totilas und Rath beim CDI 3* Kapellen wieder an den Start und konnten sich in den beiden gerittenen Prüfungen, dem Grand Prix und dem Grand Prix Special gegen die Konkurrenz behaupten. Kurz vor Beginn der Weltreiterspiele 2014 trat sich Totilas im Trainingslager selbst gegen ein Überbein, woraufhin entschieden wurde auf die Teilnahme zu verzichten.

Es war einmal ein Wunderhengst

In der Dressur-Weltrangliste war Totilas 2009 bis 2012 die Nummer Eins. Seit Juli 2011 wird Totilas in der Rangliste zusammen mit Matthias Alexander Rath geführt – der Einstieg erfolgte auf Platz 169, zu Jahresbeginn 2012 befanden sie sich auf Rang vier. Ein Jahr später fielen sie auf Platz 324 zurück und wurde überholt. 2014 meinte Paul Schockemöhle „Der ist ein Kämpfer, der schafft das.“, etwas leiser fügte er hinzu: „Man soll ja positiv denken…“.

Der über 70- jährige grauhaarige Mann behielt nicht Recht. Bis jetzt. Derzeitiger Reiter Matthias Rath möchte wieder ganz vorne mitmischen: „Die Europameisterschaft in Aachen ist natürlich unser Ziel. Alles andere wäre gelogen.“ Um daran teilnehmen zu können, muss Totilas gesund sein und die entsprechende Form haben. Diese müsste er normalerweise bei zwei Pflichtturnieren unter Beweis stellen. Zwar starten Totilas und Matthias Rath nicht kommendes Wochenende (11.-14.06) in Balve bei der deutschen Meisterschaft, aber Mitte Juli will und soll das Duo im Nationenpreis in Hagen (08.-12.07) um eine Schleife kämpfen. „Er ist jetzt noch nicht wieder so weit, er ist aber auf einem guten Weg“, erklärte Bundestrainerin Monica Theodorescu. „Für mich ist wichtig, dass wir zur EM mit den besten Reitern und Pferden fahren“, rechtfertigt die Bundestrainerin die Ausnahme für Rath und Totilas. Wunderhengst Totilas von Matthias Rath wird also hoffentlich beim CDIO in Hagen Mitte Juli zu sehen sein. Dieses Turnier ist schließlich Pflicht, sonst zerplatzt Raths Traum von den Europameisterschaften- und die Geschichte von Totilas ist ausgeschrieben. Auf ein erneutes Comeback des Rappen gilt es also weiter zu warten und zu hoffen.


Schlagworte: Aachen 2015, Comeback, Pferd, Totilas

Artikelinformationen


Datum: 10. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Korrektur: Louis Lambert/Svenja Ebeling


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