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Sportlerportrait

Ewald Lienen: Von Fleischwunde zum Zettel

Ewald Lienen

(Hannover) Es ist Samstag, 12:15 Uhr, die Mannschaft des FC St. Pauli betritt unter stätigem Applaus den Rasen am Millerntor. Ewald Lienen begibt sich erst nach den Spielern auf den Rasen und steuert geradewegs auf die eigenen Fans zu. Er applaudiert, feuert an und motiviert die Fans des FC St. Pauli ihr Team lauthals zu unterstützen. Ein Ritual das verdeutlicht wie sehr Ewald Lienen die Leidenschaft lebt, die er von allen anderen erwartet.

Veröffentlicht am 03. Juni 2015 von

Es gibt Szenen im Fußball die man selbst nach langer Zeit noch nicht vergessen hat. Dazu zählt auch das wohl brutalste Foul der Bundesliga-Geschichte. Am 14. August 1981 grätscht Norbert Siegmann in seinem ersten Spiel für Werder Bremen dem Gegenspieler Ewald Lienen in die Beine. Die Folge: Durch die Stollen schlitzt Siegmann seinem Gegenspieler den Oberschenkel auf. Das Resultat: Lienen hat eine 25cm lange Fleischwunde.

In einem Interview von 2012 beschreibt Trainer Lienen das Erlebnis so: „[…] und der zweite Gedankenblitz war, da ist eben doch etwas an der Außenlinie gewesen. Otto Rehagel hatte den Siegmann zu sich geholt hat ihm relativ emotional signalisiert aggressiver offensichtlich etwas gegen mich zu unternehmen. Das hatte ich zumindest im Hinterkopf und habe das sofort miteinander verbunden.“ Unter Schock rennt Lienen voller Wut auf Rehagel zu. Trotz klaffender Wunde beschimpft und beschuldigt er ihn Siegmann provoziert und angestiftet zu haben. Eine Szene die doch viel über den Charakter Ewald Lienen aussagt, sowohl als Spieler, also auch als Trainer.

Seine Zeit als aktiver Spieler

Zu diesem Zeitpunkt hatte Ewald Lienen bereits mehrere Stationen als aktiver Spieler hinter sich gelassen. Bereits 1974 sammelte der damals 19-jährige erste Bundesliga-Erfahrungen. Denn zwischen 1974 und 1977 spielte Lienen im Zweitligakader von Arminia Bielefeld. In den darauffolgenden vier Jahren schnupperte er „1. Liga-Luft“, in dem er bei Borussia Mönchengladbach anheuerte. Gleichzeitig erreichte er in diesem Zeitraum auch seine größten Karriereerfolge als aktiver Spieler. 1978 wurde er mir der Borussia aus Mönchengladbach Vizemeister und ein Jahr später sogar UEFA-Pokalsieger. In den anschließenden drei Jahren trat er erneut im Trikot von Arminia Bielefeld auf, ehe er 1983 wieder nach Mönchengladbach zurückkehrte. Seine anschließende und letzte Vereinsstation als Spieler war der MSV Duisburg. Dabei schaffte er es mit dem Verein von der Nordrhein-Oberliga bis ins Bundesligaoberhaus aufzusteigen. Im Sommer 1992 beendete Lienen dann seine Karriere.

Seine europäische Reise als Trainer

Schon vor seinem Karriereende als aktiver Spieler 1992 schloss Ewald Lienen die Ausbildung zum Fußballlehrer ab. Bereits im März 1993 übernahm er dann den Trainerposten in der ersten Mannschaft des MSV Duisburg. Nach nur eineinhalb Jahren wechselte Lienen zum damaligen spanischen Erstligisten CD Teneriffa und arbeitete dort zwischen 1995 und 1997 als Co-Trainer unter Jupp Heynckes. Im Laufe der folgenden acht Jahre trainierte er fünf verschiedene Fußballclubs. Dazu zählten Hansa Rostock, der 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, Hannover 96 und erneut CD Teneriffa.

Im Anschluss wechselte Lienen in die griechische Super League. Dort trainierte er bis 2008 Panionios Athen, mit denen er 2007 auch in den UEFA-Cup einzog. Nachdem 2008 der Vertrag seines Co-Trainers und Schwiegersohns Abder Ramdane vorzeitig aufgelöst wurde, verließ auch er selbst den Verein. Im Anschluss folgten namenhafte Fußballvereine wie TSV 1860 München und Olympiakos Piräus. Allerdings blieb er nirgends länger als eine Saison. Ende 2010 kehrte Ewald Lienen dann zu Arminia Bielefeld zurück. In der Saison 2011/2012 stieg der Verein in die 3. Liga ab und Lienen wurde durch den ehemaligen Fußballprofi Markus von Ahlen ersetzt. Daraufhin wurde er im Oktober 2012 sportlicher Leiter von AEK Athen. Doch nach nur sechs Monaten im Amt trennten sich die Wege von Lienen und Athen.

Seit Ende 2014 ist Ewald Lienen nun Trainer des deutschen Zweitligisten FC St. Pauli. Die abstiegsbedrohten Hamburger schafften es mit Lienens Hilfe am Ende der Saison trotzdem noch auf einen Nichtabstiegsplatz. Sein aktueller Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2016.

 Es geht nicht ohne seinen Zettel

Aber auch im Laufe seiner Trainerkarriere blieben einige weitere Geschichten des 61-jährigen im Gedächtnis der aufmerksamen Fußballbegeisterten hängen. Als Bundesliga-Trainer entwickelte er im Laufe der Jahre einen besonderen Hang zu Notizen, der ihm bei den Fans einen Kultstatus einbrachte. Egal ob bei Hansa Rostock, Borussia Mönchengladbach oder Hannover 96, Block und Stift waren stets griffbereit: Zettel-Ewald war geboren. Doch viele fragen sich noch heute: Was schreibt er eigentlich auf? „Ganz wenig. Große Chancen für uns, große Chancen der Gegner. Immer mit den Minutenangaben dabei. Das war’s. In der ersten Halbzeit schreibe ich bedeutend mehr auf als in der zweiten, damit ich in der Pause coachen kann.“, so der Ostwestfale in einem Interview. Es ist und bleibt das Merkmal des heute 61-jährigen. Im Spiel des 1. FC Heidenheim gegen seinen momentanen Klub FC St. Pauli brach er sich sogar den Arm während des Coachens an der Außenlinie. Trotzdem notierte Lienen weiterhin fleißig, selbst mit Kühlpack und Verband.


Schlagworte: Ewald Lienen, FC St.Pauli, Hamburg, Trainer, Zettel-Ewald

Artikelinformationen


Datum: 03. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Isabel Fröbius
Korrektur: Louis Lambert


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