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FIFA-Skandal: „Eine derart vergiftete Organisation“

Sepp Blatter

(Hannover) Auch nach Ausscheiden des FIFA-Moguls Joseph Blatters steht der Weltverband in der Kritik. Lange gilt Michel Platini als sicherer Nachfolger, dann taucht ein oppositioneller Herausforderer auf. Gelingt ihm die Reformation?

Veröffentlicht am 04. August 2015 von

In den Wochen nach Bekanntwerden des FIFA-Korruptionsskandals und Rücktritts des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter hagelte es nicht nur Kritik an einzelnen hochrangigen Funktionären des Weltverbandes, die augenscheinlich allesamt in Geldwäsche-Skandale rund um korrumpierte WM-Vergaben verstrickt sind. Nein, das gesamte System FIFA wird seitdem massiv in Frage gestellt.

Das System FIFA bedarf einer vollständigen Reformation

Ob der Abgang des Schweizer Fußball-Bosses ein Zeichen von Reue oder nur der letztmögliche Ausweg aus dem Skandal-Sumpf war? Fest steht: Blatters Rücktritt allein reicht nicht aus, um dem System FIFA zu einer reinen Weste zu verhelfen. Denn der Fußball-Weltverband hat mehr als einen Kopf: UEFA-Präsident und Blatter-Vertrauter Michel Platini zählt zum Favoriten-Kreis der Kandidaten auf das Amt des FIFA-Präsidenten. Er gilt als ebenso verstrickt in den Fußball-Skandal, wie der Schweizer selbst.

Ein südkoreanischer Blatter-Gegner ohne asiatischen Rückhalt

Für eine Reformation des Verbands bedarf es jedoch unabhängiger, nicht korrumpierbarer Funktionäre. Doch die Aussicht auf solche Typen scheint gering, auch wenn sich mit dem vermögenden Südkoreaner Chung Moon Joon ein Blatter-Gegner der Herausforderung der FIFA-Präsidentschaftswahl stellt. Er weiß um die Vertrautheit Platinis und Blatters Bescheid und hält den Franzosen auch deshalb nicht für den geeigneten Nachfolger auf dem Platz an der FIFA-Spitze.

DFB sichert Platini seine Unterstützung

„Herr Platini ist sehr stark ein Produkt des aktuellen Systems“, sagte Chung der BBC und bekräftige damit seine Haltung gegenüber den Machenschaften der FIFA. Schon in der Vergangenheit hatte sich der Asiate mehrfach gegen Blatter und den Fußball-Dachverband ausgesprochen. Doch große Erfolgschancen hat Chung mit seiner Sichtweise vermutlich nicht. Nicht einmal der asiatische Dachverband (AFC) unter Leitung Scheichs Salman bin Ebrahim AL-Khalifa teilte seine Ansicht. Stattdessen bezeichnete er Platini als einen „einzigartigen Kandidaten“. Die Meinung teilen auch der englische Verband (FA) und der Deutsche Fußballbund, die dem 60-jährigen Platini ihre „vollste Unterstützung“ bereits zusicherten.

Wer bei der Wahl am 26. Februar das Rennen macht, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nur vermuten. Fest steht allerdings: Joseph Blatter muss dann endgültig seine Sachen räumen. Und für seinen Nachfolger – egal ob Platini, Chung oder gar jemand anderes – wird es eine große Herausforderung sein, eine „derart vergiftete Organisation zu führen“, wie Englands FA-Boss Greg Dyke prophezeite.


Schlagworte: DFB, Fifa, Fifa-Skandal, Fußball, Joseph Blatter, Korruption, Michel Platini

Artikelinformationen


Datum: 04. August 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Florence Niemann
Korrektur: Svenja Ebeling


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