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Fitness, Kilometerfresser, Anfeindungen – Schiedsrichter, die unbesungenen Helden

Seit zwölf Jahren ist Alexander Busse als Unparteiischer aktiv – bis in die Regionalliga hat er es geschafft. Eines ist dafür unerlässlich: besonders gute Fitness.

Veröffentlicht am 02. Dezember 2015 von

Als Fußballer nur mäßig talentiert und erfolgreich, merkt der Witzheldener Alexander Busse schon früh, dass seine eigentliche Leidenschaft den unbesungenen Helden mit der Trillerpfeife gehört: Schiedsrichtern. Ein Job, bei dem die meist Freiwilligen immer wieder zur Zielscheibe von Aggressionen werden. Den eingeschlagenen Weg verließ der jetzt 25-Jährige jedoch nie und pfeift nun sogar in der Regionalliga. Dort läuft er während eines Spiels oft kilometerweit.

Auf dem hohen Niveau, das bereits in der vierthöchsten deutschen Spielklasse, in der die Spieler kurz vor dem Einstieg ins Profigeschäft stehen, vorhanden ist, ist – neben sattelfester Regelbeherrschung – eines besonders wichtig: Fitness. Die Laufstrecke eines Schiedsrichters  während einer Partie wird häufig unterschätzt. In der Bundesliga beträgt sie pro Spiel zwischen zehn und 15 Kilometern. „Ohne regelmäßiges Konditionstraining hat man keine Chance. Ich gehe mehrmals in der Woche joggen, ins Fitnessstudio und manchmal auch auch zum Physiotherapeuten“, berichtet Busse, der, um in der Regionalliga pfeifen zu dürfen, einen körperlich anstrengenden Test bestehen musste. Auch alle FIFA-Schiedsrichter absolvieren eben jene Prüfung, die deshalb auch den Namen „FIFA-Test“ trägt. Dabei müssen die Anwärter sechs Sprints über 40 Meter in 6,4 Sekunden absolvieren und anschließend auf einer Laufbahn zwölf Runden in Intervallen laufen. 150 Meter ins 30 Sekunden, 50 Meter in 35 Sekunden, und so weiter – jedes Jahr aufs Neue.

„Aufgeben war nie eine Option.“

Seinen Anfang nahm die Karriere Busses bereits mit 14 Jahren. Damals noch in der Kreisliga, in der Unparteiische immer wieder als Blitzableiter für die Aggressionen von Eltern, Trainern und Spielern dienen müssen. „Ja, das habe ich auch schon erlebt. Ich wurde bei einer Kreisligapartie tätlich angegriffen. Die Gastmannschaft schoss kurz vor Schluss den Ausgleich, den ich aber wegen Abseits zurückgenommen habe. Kurz darauf gab es vor mir eine Rudelbildung und ich spürte einen Schlag im Nacken“, erinnert sich der 25-Jährige, der daraufhin ins Vereinsheim des gastgebenden Teams floh und das Spiel abbrach. Die Gäste wurde am grünen Tisch zu einer Geldstrafe verurteilt und verloren durch Sperren zwei Spieler für einige Spiele – die Übeltäter jedoch konnten nie ermittelt werden.

Das Pfeifen aufzugeben war für Busse trotz des Vorfalls nie eine Option. „Von so ein paar Idioten lasse ich mir das nicht kaputt machen“, sagt der Student der Ernährungswissenschaften. Allerdings muss er auch zugeben: „Die Schiedsrichter, die  in den unteren Klassen pfeifen, sind die wahren Helden. Man ist auf sich allein gestellt und erhält kaum Respekt.“ Busse selbst ist mittlerweile kaum noch in den Kreisligen zu Hause. Seit rund einem Jahr gehört er zu den Auserwählten, die in die Regionalliga aufgestiegen sind. Ein Privileg, das den Witzheldener sehr glücklich macht. „Ich lerne immer neue Leute kennen, die ich als Fußballer nie getroffen hätte, weil ich einfach nicht derart hoch gespielt hätte.“ So leitete Busse einst beispielsweise ein Testspiel der Profis vom 1. FC Köln.

Ein neues Ziel hat er sich derweil schon gesteckt. „Wenn man schon da oben ist, dann möchte man auch den nächsten Schritt machen“, erzählt er mit Blick auf ein eventuelles Engagement  in der 3. Liga. „Aber ich bin nicht so vermesse zu sagen: In zwei Jahren möchte ich Bundesliga pfeifen. Das wäre zu blauäugig.“ Momentan bekommt Busse pro Spiel in der vierten Liga seine Auslagen, plus 200 Euro. „Leben“, sagt er, „kann man in der dritten oder vierten Liga nicht davon.“


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Datum: 02. Dezember 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Tobias Brücker


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