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Flüchtlingsteam Panthers plant große Sprünge

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Vor jedem Spiel stehen sie im Kreis zusammen und beten- egal ob Moslem oder Christ. Dann legen sie die Arme auf die Schultern ihrer Nebenmänner und brüllen ihren Schlachtruf.

Veröffentlicht am 23. September 2016 von

(Braunschweig). Sie, das sind die Panthers. Eine Fußballmannschaft bestehend aus Flüchtlingen. Sie sind deutschlandweit nur eines von zahlreichen Beispielen für gelungene Integration mit Sport. Etwas besonderes haben die Panthers dann aber doch an sich. „Das Team wurde 2015 von einer Kommune ins Leben gerufen“, erklärt Steffen Köppe, Ordnungsamtsleiter der Samtgemeinde Sickte und Betreuer des Teams.

Anfangs nur als Freizeitmannschaft fanden die begeisterten Fußballer im Sommer eine sportliche Heimat. Seither gehen die Panthers für den SV Veltheim in der 3. Nordharzklasse auf Torejagd. Und das mit Erfolg. „Die Mannschaft ist mit einer unglaublichen Begeisterung dabei“, freut sich Veltheims Fußballobmann Jürgen Warnecke. „Einmal“, sagt er „lag die Mannschaft zurück und war sauer als der Schiedsrichter abpfiff. Sie wollte länger spielen, um das Spiel zu drehen.“

Nicht nur aufgrund derlei sympathischer Eigenheiten hat sich in der gesamten Region ein Hype um die Mannschaft gebildet. „Rund 100 Zuschauer kommen zu den Punktspielen. So viele kommen nichtmal zu unsere ersten Herrenmannschaft“, staunt Warnecke. Steffen Köppe beobachtet durch das Fußballspielen für die Flüchtlinge auch weitere positive Aspekte: „Die Jungs haben endlich eine Beschäftigung.“ Und: „Seitdem das Team besteht gibt es nahezu keinerlei Reibereien in den Wohngruppen.“ Ein Problem ist allerdings, dass die Spieler aus den umliegenden Ortschaften abgeholt werden müssen, denn einen Führerschein hat keiner von ihnen. „Das wäre ohne die zahlreichen freiwilligen Helfer nicht zu bewerkstelligen“, stellt Köppe klar. „Aber wenn die Mannschaft geschlossen und freudestrahlend auf dem Weg zum Sportplatz ist, dann ist das Genugtuung für den Aufwand.“

Köppes Antrieb sei vor allem die Begeisterung mit der die Flüchtlinge bei der Sache sind. „Jeder fiebert schon Tage vorher dem nächsten Spiel entgegen.“

Einer von ihnen ist Koffi. Der 28-Jährige stammt ursprünglich von der Elfenbeinküste. Er floh wegen des Krieges aus seiner Heimat. Mit einem Boot gelangte er über Liberia und Italien nach Deutschland. Koffi ist der beste Torschütze der Panthers und er liebt es mit der Mannschaft Fußball zu spielen. „Weil der Zusammenhalt einzigartig ist.“, sagt er. Lediglich die Verständigung mit den Mitspielern bereite manchmal Schwierigkeiten. Schließlich kommen seine Mitspieler aus Somalia, Eritrea, Syrien, Liberia, Mali, dem Sudan und Südsudan.

Abhilfe schafft dann meistens der Trainer. Alexis Francis Belleh: Er spricht ganze neun Sprachen. Bei seinen Ansagen übersetzt dennoch je ein Spieler ins Englische und Französische. Die Sprachkenntnisse des Trainers sind aber augenscheinlich nicht das Auffällige an Belleh. Vielmehr ist es sein Enthusiasmus. „Bei Spielen flitzt er die Linie rauf und runter“, erzählt Köppe schmunzelnd. „Durch seine Art, und weil er einer von ihnen ist, hat er bei der Mannschaft ein Standing, was wir Betreuer niemals erreichen werden.“ Der Trainer der Panthers hat aus einem bunt gemischten Haufen Flüchtlingen aus unterschiedlichsten Ländern eine Einheit geformt und will mit ihr hoch hinaus. „Ich will mit der Mannschaft bis in die Bundesliga“, erklärt er mit einem breiten Grinsen. „Ich möchte dass in 100 Jahren die Leute zu den Spielen der Panthers kommen und sagen „Hey, dieses Team wurde einst von Flüchtlingen gegründet.“

Dafür arbeitet Belleh hart mit der Mannschaft. Er, der selbst als Flüchtling nach Deutschland kam, möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben, und seine Spieler für höhere Aufgaben fit machen. Deshalb achtet er beim Training auch minutiös auf Disziplin. Allerdings nicht auf Kosten des Spaßes. Denn als ich den Sportplatz verlasse und gerade die letzten Sonnenstrahlen auf den grünen Rasen scheinen, spielen und lachen die Panthers immer noch. Sie alle eint: Die Freude am Fußball.


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Datum: 23. September 2016
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