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Formel 1 in Spielberg – Der rote Bulle mit stählernem Blick

Quelle: gettyimages

Beschauliches Österreich, abseits des Trubels der Hauptstadt, in den landschaftlich idyllischen Bergen. Ein Ort, an dem die Welt noch ruhig daherkommt. In diesem Ambiente auf Kühe oder Bullen zu stoßen passt ins Bild. Grasend auf den Wiesen der Berghänge. Nur dieser eine rostrote Bulle passt auf dem ersten Blick nicht recht zur Beschaulichkeit. Aber auch nur auf dem ersten Blick.

Veröffentlicht am 29. Juni 2016 von

(Hannover) Wenn die Formel 1 wieder in Österreich halt macht, dann sollte man meinen, dass der Trubel des Motorsportzirkus hier zum Erliegen kommt. Zu beschaulich kommt die Umgebung daher. Doch das geschulte Auge und ein Blick auf die Historie verraten, dass die Region Spielberg in der Steiermark, Motorsport pur ist.

Österreich? Motorsport? Ich kenne nur Nici Lauda

Wenn auch nicht die ganz große Motorsporttradition wie in England, Italien oder Deutschland zu finden ist, so kann man in Österreich doch von Tradition sprechen. Als bisher größter Exportschlager des Formel 1- Renngeschehens galt und gilt noch immer dem mehrmaligen Weltmeister Nici Lauda. Doch eben auch eine Rennstrecke hat das beschauliche Land zu bieten. Im Jahr 1969 wurde die Strecke, damals noch Österreichring, erstmalig eröffnet. Auf den rund sechs Kilometern Asphalt wurde, neben etlichen anderen Motorsportvarianten, auch die Königsklasse des Sports ausgetragen. Der Große Preis von Österreich sollte lange Zeit als ein herausragendes Ereignis im Kalender der Fans notiert werden.

Für Hochgeschwindigkeit gibt es doch Monza

Anders als die Menschen in den Bergen und Österreich allgemein, sollte der Sport rasant und aufbrausend daherkommen. Eigenschaften wie man sie sonst eher bei temperamentvollen Südländern findet. Die Strecke aber sollte den Wünschen nach Aufmerksamkeit, Geschwindigkeit und Emotionen nachkommen. Als Hochgeschwindigkeitsstrecke konzipiert, galt der Österreichring zur damaligen Zeit, sogar als schnellste Strecke der Formel 1. Man brüstete sich damit einen Kontrast zur Ruhe der Umgebung und des Landes darzustellen. Bis zu jenem verhängnisvollen Tag im August 1975. Der Fahrer Mark Donohue verunglückte mit seinem Wagen vom Team Penske Cars. Durch einen vermutlich defekten Reifen überschlug sich Donohue mehrfach und zerschellte mit seinem Rennwagen am Ende an einer Werbetafel. Er starb zwar nicht direkt am Unfallort, fiel jedoch Tage später ins Koma und erlag in Folge eines Blutgerinnsels im Gehirn den Spätfolgen. Als Reaktion auf diesen und weitere Unfälle in den Folgejahren, sahen sich die Verantwortlichen gezwungen den Kurs grundlegend zu verändern und zu entschleunigen.

Immer wieder Umbaumaßnahmen

Nachdem mit dem Entzug des Grand Prix von Österreich, die Formel 1 und auch andere Rennserien ihren Rückzug vorbereiteten, sollte es ruhig um Motorsport im Alpenland werden. Ewig andauernde politische Diskussionen waren notwendig um im Jahr 1995 nochmals den Versuch zu unternehmen den Standort zu reaktivieren. Der neue A1-Ring, benannt nach einem österreichischem Mobilfunkanbieter, wurde stark verkürzt und den neusten Sicherheitsstandards angepasst. Vollgaskurven wurden weitestgehend gestrichen um Unfälle, wie jenen von 1975, nicht zu wiederholen. Bei den Fahrern kam diese Veränderung jedoch weniger gut an. „Mutkurven“ zeichneten diese Piste lange aus und waren fester Bestandteil des Königssports. Doch der neue Kurs sollte zukunftsweisend sein. Viele Stop- and-Go Elemente wurden eingebunden in die Charakteristik der Strecke und sollten einige zukünftige Rennstrecken entscheidend prägen. Neue Überholmöglichkeiten wurden geschaffen und sorgen so, trotz der scheidenden schnellen Kurven, für erheblich mehr Spannung.

Ein Getränkemogul bringt die Motorsportszene zurück in die Steiermark

Nachdem im Jahr 2003 die Formel 1 wieder einmal in Österreich ausschied, inoffiziell aus finanziellen Gründen, entschied sich Jahre später der Milliardär Dietrich Mateschitz die Strecke in der Steiermark zu erwerben. Der ursprüngliche Plan, mit Hilfe von anderen Großsponsoren, Akademien für Motorsport zu Land und in der Luft zu etablieren, scheiterte aber frühzeitig. Zu groß waren die Bedenken und Stimmen gegen ein solches Vorhaben. Politisch und auch auf gesellschaftlicher Ebene sollten sich zu gravierende Differenzen herauskristallisieren. Da aber mit einem solchen Eingriff nicht gerechnet wurde, hatten die Abrissarbeiten am alten A1-Ring schon begonnen. Die bisherige Betriebserlaubnis erlosch und die Strecke war nicht mehr nutzbar. Doch intensive Bemühungen von Seite der steirischen Politik machten den Weg frei für einen neuen Anlauf. Die Motorsportszene in Österreich wieder zu beleben und eine neue Einnahmequelle in der Region zu platzieren. Partner dieses Vorhabens war ein Sohn der Region. Eben der Mateschitz, der Jahre zuvor noch an der Bürokratie und der Bevölkerung gescheitert war, sollte nun mit seinem Geld, und das einiger anderer Partner, für eine Wiederbelebung sorgen. Mehrere Probleme beim Bau und auch Probleme mit dem Partner VW, sollten jedoch zu mehreren Stopps der Arbeiten führen. Bis schlussendlich am 15. Mai 2011 der neue Red Bull Ring offiziell eröffnet wurde.

Der stählerne Bulle thront über allem

Elf Jahre lagen zwischen dem letzten und dem nächsten Rennen der Formel 1 in Österreich. Ein historisches Ereignis, welches der Mann und Macher der Aktion „Red Bull Ring“ auch zu nutzen wusste und immer noch weiß. Wer reine Nächstenliebe hinter diesem Projekt vermutet, sieht sich getäuscht. Es ist die perfekte Möglichkeit der Welt den Red Bull Konzern ein ganzes Wochenende lang bestens zu präsentieren. Stilistisch wurde ein achtzehn Meter großer Stahl-Bulle, mit goldenen Hörnern und all seiner Kraft auf den Hügeln der Rennstrecke monumentalisiert. Nicht als Hommage an die Umgebung in der dieses Event stattfindet, sondern als Beweis der Größe und der Stärke des Unternehmens Red Bull. Dies sollte der Grundstein sein, der Grundstein für das Heimspiel von Red Bull Racing. Doch bisher verkam dies Vorhaben zu einer Fremderoberung aus dem Norden. Der letzte Sieger, vor der Übernahme durch Red Bull, hieß Michael Schuhmacher im Ferrari. Die Siege der Neuzeit sollte wieder ein Deutscher erringen. Und als wäre dies nicht genug auch noch ein Fahrer des stärksten Konkurrenten der neuen Ära. Nico Rosberg, Mercedes AMG, erster und bisher einziger Sieger des Großen Preis von Österreich im Red Bull Land.


Schlagworte: Dietrich Mateschitz, Formel 1, Österreich Grand Prix, Red Bull Ring, Spielberg

Artikelinformationen


Datum: 29. Juni 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Marcel Musielak


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