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Frauenfußball ist attraktiv, aber keiner merkt’s!

Quelle: (facebook.com/vflwolfsburgfrauenfussball)

Der Frauenfußball hat unter vielen Vorurteilen zu leiden. Die Betrachtung eines einfachen Bundesligaspiels gibt Aufschluss darüber, woher diese Vorurteile kommen, warum diese zum Teil nicht stimmen aber auch warum sie zum Teil der Wahrheit entsprechen. Ein etwas anderer Rückblick auf das Fußballwochenende.

Veröffentlicht am 02. März 2016 von

(Hannover). Am vergangenen Wochenende hat der VfL Wolfsburg einen souveränen 2:0 Sieg eingefahren und wahrt somit die Chancen auf die Qualifikation für die Champions League. Dem einfachen Fußballfan fällt auf, dass das nicht stimmt: Das Team von Trainer Dieter Hecking hat mit 0:2 gegen den Tabellenführer Bayern München verloren und ist auf dem achten Tabellenplatz weit weg von der Qualifikation zur Champions League in diesem Jahr. Das gilt aber nur für die Männer-Abteilung beim VfL Wolfsburg. Die Frauen machen es um einiges besser. Dem weitsichtigen Fußballfan fällt daher auf, dass die Frauen des VfL Wolfsburg eben sehr wohl einen souveränen Sieg eingefahren haben, und zwar am Sonntag beim SC Freiburg. Damit steht das Team von Frauenfußball-Welttrainer des Jahres 2014 Ralf Kellermann nur einen Platz hinter den Champions League Rängen.

Verdienter Sieg beim SC Freiburg

Das Spiel zwischen dem Tabellenfünften aus Freiburg und dem Tabellendritten aus Wolfsburg war in der ersten Halbzeit sehr ausgeglichen, es gab gute Chancen auf beiden Seiten. Der SC geriet nur durch ein unglückliches Eigentor von Lena Petermann in der 17. Minute in Rückstand. Im zweiten Durchgang wurden die Wolfsburger dann ihrer Favoritenrolle gerecht und kontrollierten das Spiel nach Belieben. Folgerichtig entschied Lara Dickenmann mit einem schönen Distanzschuss in der 77. Minute das Spiel zu Gunsten der Gäste. Der SC Freiburg konnte der spielerischen Klasse des Champions League Siegers von 2013 in der zweiten Halbzeit nichts mehr entgegensetzen.

Woher die Vorurteile?

Das Spiel war sicherlich nicht das Beste der bisherigen Saison, aber trotzdem war es ein sehr dynamisches, schnelles und abwechslungsreiches Spiel mit reichlich Torchancen. So wünscht es sich der Zuschauer eines Fußballspiels rein sportlich gesehen. Bei den Männern gab es am diesem Wochenende einige Spiele die weitaus langweiliger anzuschauen waren, allen voran das wahrscheinlich bisher schlechteste Spiel der Saison zwischen dem Hamburger SV und dem FC Ingolstadt. Hier jagte ein Fehlpass den nächsten und Spielfluss schien ein Fremdwort zu sein. Warum also leidet der Frauenfußball unter den Vorurteilen langweilig zu sein. Er sei zu langsam, technisch nicht auf der Höhe des Männerfußballs und allgemein viel zu unattraktiv. Nur bei der Betrachtung des Spiels am Sonntag lässt sich schon zeigen, dass im Spitzenfußball der Frauen kaum noch technische Defizite gegenüber den Männern auszumachen sind. Fehlpässe wurden kaum gespielt und weitaus schneller als das Spiel in Hamburg war es auch. Das Tor zum 2:0 könnte sogar Kandidat für das Tor des Monats sein.

Falsche Medienpräsenz

Sportlich gesehen hat der Frauenfußball in den letzten Jahren stark aufgeholt und grade in Deutschland sind auf Vereinsebene schon große Erfolge zu verzeichnen. Eine höhere Medienpräsenz gibt es dadurch aber nur minimal. Der Fußball der Männer regiert in diesem Bereich alles, darunter leiden auch diverse andere Sportarten. Das Spiel zwischen Freiburg und Wolfsburg konnte man immerhin im Livestream von DFB.TV verfolgen, aber Frauenfußball im TV gibt es eigentlich nur wenn eine Weltmeisterschaft stattfindet. Und genau das ist der Fehler. Die Qualität der Spiele bei einer Frauenfußball-Weltmeisterschaft ist mitunter deutlich schlechter als die Qualität der Spiele in der Bundesliga oder Champions League. Dort spielen Mannschaften aus Afrika oder Asien mit die bei weitem nicht das Leistungsniveau einer Profimannschaft erreichen, da kommen dann schon mal gerne Ergebnisse im zweistelligen Bereich zustande. Und genau diese Spiele werden im TV gezeigt, weil Deutschland gegen diese Gegner spielt. Das ist dann genauso gute Werbung für den Sport als wenn bei den Männern der FC Bayern gegen einen Fünftligisten um wichtige Titel spielt.

Die Show fehlt

Zudem ist Fußball und allgemein der Profisport heute mehr Entertainment als sportlicher Wettkampf. Und hier ist der Fußball der Frauen von dem der Männer meilenweit entfernt. Beim Spiel am Sonntag waren ganze 1.495 Zuschauer auf den Rängen, welche man bei der Übertragung noch nicht einmal gesehen hat, da diese sich auf der gleichen Tribüne befanden wie die Kamera. Das Stadion glich einem besseren Kreisligaplatz, hinter einem Tor gab es ein Beachvolleyball-Feld, hinter dem anderen standen Trainings-Tore. Der Kommentator hat das Spiel ohne jegliche Höhen oder Tiefen kommentiert und setzte zwischendurch gerne zum Plausch mit der verletzten Juliane Maier vom SC Freiburg an, welche als Co-Kommentatorin agierte. Spannung oder Dramatik wurde zu keinem Zeitpunkt für den Zuschauer erzeugt. Das ist beim Männerfußball deutlich anders, da wird auch das äußert unattraktive 1:1 in Hamburg noch als ein spannendes Spiel verkauft. Der Profifußball der Männer ist eine große Show, auch wenn diese nicht immer durch den Sport hervorgerufen wird, der Fußball der Frauen ist es nicht, so klar muss man es ausdrücken. Während beim Champions League Spiel zwischen dem FC Arsenal und dem FC Barcelona letzte Woche noch eine aufwändige Lichtshow vor dem Einlauf inszeniert wurde, hatte man beim Einlauf am Sonntag in Freiburg nicht mal drauf geachtet, dass die Einlaufkinder zum Teil größer waren als die Spielerinnen.

Männer können sich was abgucken

Die Spieler inszenieren dazu noch ihre ganz eigene Show und führen Tänze nach Toren auf oder ziehen sich Batman-Masken an. Auch hier geht es bei den Frauen etwas sachlicher zu. Wobei grade das sehr angenehm anzuschauen war. Die Spielerinnen haben nicht groß reklamiert oder sich dreimal überschlagen, wenn sie einen leichten Rempler abbekommen haben. Nur die beiden männlichen Trainer am Rand haben ihren Unmut über die Schiedsrichterin wild gestikulierend zum Ausdruck gebracht. Da könnten sich die Männer noch einiges bei den Frauen abgucken und einfach mal Schiedsrichterentscheidungen akzeptieren. Sportlich gesehen hat der Frauenfußball auf den Männerfußball fast aufgeschlossen, doch nur um den Sport geht es heutzutage nun mal nicht mehr.


Schlagworte: Bundesliga, Champions-League, Frauen, Frauenfußball, Freiburg, Wolfsburg

Artikelinformationen


Datum: 02. März 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Mats-Ole Jensen


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