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Go hard or go home

DENVER, CO - APRIL 15: Denver's tallest skyscraper the Republic Plaza is adding and new collaborative work space and fitness center for it's tenants.  The space is a former food court. The fitness room  was photographed on Monday, April 18, 2016.  (Photo by Cyrus McCrimmon/ The Denver Post)

Der erste Tag in einem Fitnessstudio eines unsportlichen Menschens ist meist sehr turbulent. Sie haben noch gar keine Erfahrung und müssen sich erstmal in das Thema reinfuchsen. Oft klappt das gut, aber es gibt auch Fälle, in denen es nicht funktioniert.

Veröffentlicht am 22. April 2016 von

(Hildesheim) Der erste Gang ins Fitnessstudio fällt vielen Menschen schwer, besonders denen, die sich noch nie wirklich mit Sport beschäftigt haben. Mittlerweile ist jeder sechste Deutsche in einem Fitnessstudio angemeldet. Schon alleine das zeigt, wie sehr der Fitnesshype in Deutschland in den letzten Jahren gewachsen ist. Immer mehr Menschen wollen fit aussehen und gesünder leben. So auch Sophie N. (19), sie hat sich dazu entschieden, nun mit Fitness anzufangen.

Erste Eindrücke

Schon auf dem Weg zum Fitnessstudio wirkt Sophie sehr angespannt und aufgeregt. Sie hat Angst davor, dass sie sich bei manchen Übungen dumm anstellt oder diese nicht ausführen kann. Ich sage ihr, dass sie sich nicht verrückt machen soll und keiner darauf achten wird, wie sie trainiert. Auf dem Parkplatz angekommen, steigt sie sehr unsicher aus dem Auto und macht sich auf den Weg zum Eingang. Sie wird freundlich vom Personal begrüßt und muss ein Formular für den Probetag ausfüllen. Nachdem sie ihren Namen, Adresse, Alter und Aktivitäten am Tag angeben hat, wird ihr ein Transponder zugeordnet, mit dem sie die Getränkesäule und ihren Schrank benutzen kann. Ihr werden die Umkleiden gezeigt und wie die Schränke dort funktionieren. Während sich Sophie umzieht, verstaut sie ihre Sachen in dem Schrank und schließt diesen mit ihrem Transponder ab, indem sie den an die Kontaktfläche hält. Ein kurzes Klicken und der Schrank ist abgeschlossen. Vor dem Training möchte Sophie noch einmal auf die Toilette, dann geht’s ab zum Aufwärmen.

Das Warm-Up

Die Cardio Geräte befinden sich im hinteren Bereich des Fitnessstudios. Es sind Stair Masters, Stepper, Crosstrainer, Rudermaschinen, Laufbänder und Fahrräder vorhanden. Nach kurzem Überlegen entscheidet sich Sophie für das Laufband. Sie stellt sich auf das Band und tippt kurz auf den Touchscreen des Laufbandes, welcher sich direkt vor ihr befindet. Man kann zwischen verschiedenen Trainingsoptionen auswählen. Die drei „Classic Programme“: Manuell, Zufall und Hügel. Das Sporttraining für den Fettabbau, Heart Rate Hill, Heart Rate Intervall oder Extreme Heart Rate und drei zielbasierte Trainingsprogramme auf Kalorien, Distanz und Zielherzfrequenz. Wenn jeweils die Trainingsvorgabe erfüllt ist, ist das Training beendet. Sophie entscheidet sich für die Option „Manuell“, da sie damit selbst entscheiden kann mit welcher Geschwindigkeit und mit welcher Steigung sie läuft. Sie drückt auf Start und das Band fängt langsam an sich zu bewegen. Mit einer Geschwindigkeit von 3,2 km/h ist es ihr zu langsam, sie berührt die Fläche des Touchscreens, um die Geschwindigkeit auf 6,5 km/h zu erhöhen. Das entspricht einem langsamem Laufen, was für sie augenscheinlich schon anstrengend ist. Ein leichter Schweißfilm bildet sich auf ihrer Stirn, sie atmet schwerer und ihr Herz schlägt schneller. Um gut aufgewärmt zu sein, sollte man etwa sieben bis zehn Minuten Cardiotraining machen. Das hat den Sinn, dass die Muskeln beweglicher werden und nicht so anfällig für Verletzungen sind. Viele, die mit dem Training anfangen, wissen dies nicht und fangen direkt mit dem „richtigen“ Training an, führen dann noch die Übungen falsch aus und wundern sich, warum sie sich sofort verletzen. Nach rund acht Minuten ist Sophie mit ihrem Aufwärmtraining fertig und auch ordentlich verausgabt. Sie begibt sich zu den Desinfektionsspendern, um die Flüssigkeit auf ein Tuch zu tropfen. Damit desinfiziert sie dann den Touchscreen des Laufbandes und alle Flächen, die sie berührt hat.

Das Training

Das Fitnessstudio ist in sechs Trainingsbereiche aufgeteilt: den Cardiobereich, die Kraftgeräte, den Stoffwechsel- und Fettreduzierungszirkel, die Freie Trainingsfläche, die Kursräume und den Powerraum. Im letzteren hat Sophie vor zu trainieren. Im Powerraum sind hauptsächlich Geräte oder Utensilien, mit denen man frei trainieren kann. Das sind z.B. Freihanteln, Kniebeugenständer (Squat Rack) oder SZ-Stangen. Sophie hat sich nach detaillierter Beratung für ein kleines ganzkörper Training entschieden, da sie eben noch keine Erfahrung hat und sich nicht übernehmen will. Da sie sich schon gut aufgewärmt hat, kann sie direkt starten.

Von dem hinteren Trainingsbereich der Cardiogeräte geht sie zum anderen Ende des Studios in den Powerraum, welcher nicht gerade sehr groß ist. Mit dem ersten Schritt in den Raum hört man direkt laute Musik auf den Lautsprechern dröhnen, welche zur Motivation dienen soll. Anscheinend ist die Klimaanlage defekt, denn es riecht leicht nach Schweiß. Da es noch relativ früh am Tag ist, ist der Raum nicht sehr voll, zwei Männer sind noch anwesend. Für Sophie sehr hilfreich, da sie sich nicht richtig traut.

Zuerst gehen wir zu dem Squat Rack, wo sie die Halterung für die Stange auf Höhe ihrer Schultern einstellen muss. Danach platziert man das Gewicht auf die Langhantel. Da Sophie eine blutige Anfängerin ist, wird sie die Kniebeugen nur mit dem Gewicht der Langhantel machen, welches immer hin schon 20 Kilogramm sind. Bei den Kniebeugen muss man besonders auf die Technik und die Ausführung achten, da man sehr viel falsch machen kann. Man muss darauf achten, dass man immer ein Hohlkreuz beibehält, damit keine Schäden durch die Bewegung am Rücken zustande kommen. Zudem muss man darauf achten, dass man bei der Bewegung nach unten die Fersen immer auf den Boden lässt und auch das Gewicht auf diese verlagert. Der Winkel der Beine muss am untersten Punkt mindestens 90 Grad betragen, wenn man jedoch weiter runter kommt und dabei die korrekte Ausführung beibehält, sollte man dies auf jeden Fall tun. Nach dieser Erklärung versucht sich Sophie an der ersten Übung. Sie begibt sich zuerst vor die Stange, um diese dann knapp unter ihrem Nacken zu platzieren. Die Hände hält sie rechts und links von der Stange, um mehr Stabilität zu bekommen. Dabei steht sie die ganze Zeit mit leicht gebeugten Beinen, damit die Stange noch in der Halterung liegt. Mit der stabilen Haltung streckt Sophie die Beine durch, somit hebt sich die Stange von der Halterung und befindet sich nur noch auf Sophies Nacken. Ein ungewohntes Gefühl, wie sie beschreibt. Danach geht sie zwei Schritte nach hinten, um bei der Ausführung nicht gegen die Halterung zu stoßen. Nun steht sie mit der Stange und einem hüftbreiten Stand vor dem Spiegel und schaut sich selbst kritisch an. Sie probiert die erste Wiederholung, die sie wie zu erwarten falsch ausführt. Sie beugt ihren Oberkörper zu weit nach vorne, sodass die Fersen von dem Boden abheben und sie fast nach vorne kippt. Sie erschreckt und versucht wieder hoch zu kommen, was ihr auch mit einiger Anstrengung gelingt. Ihr Gesicht wird rot und guckt hektisch in der Gegend rum, um sicher zu gehen, dass das auch niemand gesehen hat. Ihre Hände sind ebenfalls leicht rot, da die Stange etwas aufgeraut ist und die Hände es nicht gewohnt sind. Ich erkläre ihr noch einmal die Übung und mache diese auch vor, damit sie eine visuelle Vorstellung hat. Im zweiten Versuch sieht das alles schon wesentlich besser aus. Die Fersen bleiben auf den Boden und auch das Hohlkreuz bleibt. Sie geht bis zur 90 Grad Stellung runter, ihr Gesichtsausdruck ist schmerzverzerrt, der Blick geht nach vorne zum Spiegel, dabei betrachtet sie sich kritisch und fragt, ob denn die Ausführung jetzt richtig sei. Ich kann ihr mit Freude versichern, dass das der Fall ist. Darauf hin sieht man ein Glänzen in ihren Augen, ihre Mundwinkel zucken hoch und kleine Lachfalten entstehen rund um ihrem Mund. Sie macht die Übung weiter, drei Sätze mit zehn Wiederholungen, dann ist sie fertig. Erschöpft aber glücklich tritt sie wieder nach vorne, um die Stange abzulegen und wieder hervorzutreten. Schweißperlen sind auf ihrer Stirn und über dem Mund zu erkennen, auf ihrem grauen Shirt sind ebenfalls Schweißflecken, die die Fläche unter den Achseln dunkel färbt.

Die nächste Übung ist Bankdrücken an der geführten Stange (Multipresse). Da Sophie noch keine Erfahrung im Halten des Gleichgewichts der Stange besitzt, kann beim Bankdrücken schnell was schief gehen. Außerdem ist ihr die Stange, ebenfalls 20 Kilogramm, zu schwer. Die Multipresse steht in der Ecke neben den Freihanteln und ist besetzt. Daraufhin fragt Sophie, ob sie warten oder lieber eine andere Übung machen soll. Sie entscheidet sich für das zweite.

Wir gehen auf die „freie Trainingsfläche“, dort kann man jegliche Übungen mit Eigengewicht vollziehen. Sophie will weiter ihre Beine trainieren und erkundigt sich, welche Übungen sie dafür machen kann. Die beliebteste Methode für eine freie Übung der Beine, sind die Ausfallschritte. Ausfallschritte haben eine sehr einfache Ausführung, man fängt entweder mit dem linken oder mit dem rechten Bein an. Zunächst macht man einen großen Schritt nach vorne. Das andere Bein bleibt in der Ausgangsposition, jedoch werden die Fersen angehoben. Wenn man in dieser Position ist, knickt man das hintere Bein bis zum 90 Grad Winkel, dabei geht der ganze Körper runter. Die Hände kann man einfach zur Seite hängen lassen oder sie in die Hüfte stützen. Während dieser Übung spürt man ein Brennen im vorderen Oberschenkel des vorderen Beines und in hinteren Oberschenkel des hinteren Beines. Sophie meistert diese Übung mit Bravur und fragt, wie viele Wiederholungen und Sätze sie machen soll. Nach den zehn Wiederholungen pro Bein in vier Sätzen fällt Sophie erleichtert zu Boden. Sie legt sich auf den Rücken und streckt alle Gliedmaßen von sich. Man sieht wie sich ihre Bauchdecke in regelmäßigen Abständen anhebt und sich der Bauch aufbläht durch ihre schwere und schnelle Atmung. Nach einigen Minuten ausruhen hat sich Sophie dazu entschieden ihr Training fortzusetzen, da es ihr sehr viel Spaß macht.

Ich sage ihr, dass sie eine Übung für „zwischendurch“ zum Lockern machen soll, der Hampelmann. Das lockert ihre Muskeln und die Koordination wird gefördert. Doch auch beim Hampelmann kann man was falsch machen, wenn die Hände offen sind, dann müssen die Beine geschlossen sein und andersrum. Sophie ist zunächst skeptisch und verdreht ihre Augen. Die Augenbrauen zucken kurz zusammen und ihr Gesicht verzieht sich leicht, es ist eine deutliche Belustigung zu erkennen. Widerwillig beginnt sie Hampelmänner zu machen, mit dem Ziel so viele zu schaffen, wie es nur geht. Ab der 20. Wiederholung schnauft sie vor sich hin, hört aber nicht auf. Es ist faszinierend zu beobachten, wie ein Mensch einen Willen in seinen Augen wiederspiegeln kann. Der Blick ist starr nach vorne gerichtet, ihre Augen verengt und fokussiert auf das eigene Spiegelbild vor ihr.

Der K.O.

Anscheinend war in dem Moment ihr Wille größer, als ihre körperlichen Bedürfnisse. Während Sophie ihre Hampelmänner macht, wird ihr schwarz vor Augen und der ganze Körper sackt zusammen. Sofort ist Hilfe zur Stelle, um sie wieder auf die Beine zu bekommen. Zum Glück schlägt sie sofort wieder die Augen auf und guckt die Menschen um sie herum verblüfft an. Ihre Augen wandern einmal über die Gruppe, ihr Gesicht ist so blass wie Kreide und ihre Hände zittern. Sie versucht den Schock durch ein zögerndes Lächeln zu unterdrücken, was aber nicht klappt. Sie wird von zwei muskulösen Männern gestützt und bis vor die Umkleide gebracht, ab da ist sie auf sich allein gestellt. Sie geht auf wackeligen Beinen in die Umkleide zurück, um sich umzuziehen und ihr erstes Training damit zu beenden. Langsam streift sie ihre Sportklamotten von ihrem Körper, lässt sie auf dem Boden liegen und holt ihre Alltagskleidung aus der Tasche. Erst nachdem sie vollständig bekleidet ist, hebt sie ihre Sportsachen auf. Ich frage sie, warum sie auf einmal zusammen geklappt ist, sie weiß es nicht. Im Nachhinein wird bekannt, dass sie davor sehr wenig gegessen und so gut wie nichts getrunken hat. Genau das ist das Schlimmste, was man vor dem Training machen kann, jedoch kann das Sophie nicht wissen. Auf dem Weg nach Hause fällt Sophie die Entscheidung auf jeden Fall weiter zu trainieren. Mal sehen, wie lange sie den Ehrgeiz, trotz ersten Rückschlagen, beibehält.


Schlagworte: Ausfallschritte, Cardio, Fitness, Kniebeugen, Laufband, Lunges, Sport, Squats, unsportlich

Artikelinformationen


Datum: 22. April 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Nicole G.


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