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Leichtathletik - Behindertensport

Frischmann: „Hier kriegen wir kaum Besucher, wenn der Eintritt frei ist“

Jörg Frischmann, Geschäftsführer Behindertensport

Jörg Frischmann, Geschäftsführer Behindertensport beim TSV Bayer 04 Leverkusen und mehrfacher Medaillengewinner bei Paralympischen Spielen, sieht die Engländer im Umgang mit behinderten Sportlern ganz weit vorn.

Veröffentlicht am 30. Juli 2015 von

30 Grad, blauer Himmel und ein leichtes Lüftchen, das über die Fritz-Jacobi-Anlage weht, sorgen beim Integrativen Sportfest des TSV Bayer 04 Leverkusen für beste Bedingungen. Rund 100 behinderte und nicht-behinderte Sportler treten hierbei in den Disziplinen der Leichtathletik gegeneinander an. Ein Wettbewerb, der den Behinderten eine Plattform geben soll, auf der sie sich präsentieren können.

Einer, der die Wettkämpfe und vor allem die behinderten Sportler genau unter die Lupe nimmt, ist Jörg Frischmann. Der 42-Jährige ist Geschäftsführer des Bereichs Behindertensport beim TSV – mit rund 330 Mitgliedern eine der größten Sportabteilungen für Behinderte in Deutschland. „Der Grundgedanke für diese Wettkämpfe geht auf das Jahr 1992 zurück“, erzählt er. „In diesem Jahr trainierten in Leverkusen erstmals Behinderte und Nicht-behinderte zusammen. Und ich war einer der ersten, der das tat.“

Nun, rund 23 Jahre später, weist Frischmann, dessen Hände und Beine seit seiner Geburt fehlgebildet sind, eine erfolgreiche Vita auf. Darin stehen nicht nur mehrere Teilnahmen an Paralympischen Spielen, sondern auch seine beiden wohl größten Triumphe. Bei den Wettkämpfen in Barcelona (1992) feierte er die Silbermedaille im Speerwerfen und Gold im Kugelstoßen. „Das waren sehr schöne Spiele, sehr herzlich. Außerhalb des Stadions sind die Leute auf mich zugekommen und haben den Kindern meine Medaillen um den Hals gehangen“, erinnert sich Frischmann mit einem Lächeln im Gesicht zurück. Ein Erlebnis, das prägte. „Ich versuche das jedem zu ermöglichen. Dieses Gefühl aus den Katakomben zu kommen und dort jubeln 70.000 Menschen, ist unbeschreiblich.“

Dafür müsse jedoch noch einiges getan werden. Zwar gebe es im Breitensport durchaus Angebote für Behinderte, im Bereich Leistungssport seien diese aber kaum vorhanden. Auch Eltern müssten dann bereit sein, ihr Kind „auch mal 100 Kilometer weit zu fahren“. Um behinderte Kinder für Sport zu begeistern, pflegt der TSV eine enge Kooperation mit dem Klinikum in Köln-Merheim. Wie auch Frischmann sehen die Ärzte dort den Sport als besten Weg zurück ins Leben. „Die Kinder kommen dann zu uns, schauen sich alles an und wir führen Gespräche mit ihnen. Auch die Sportler tun das und geben ihnen Tipps“, sagt Frischmann.

Am anerkanntesten sieht Frischmann den Behindertensport derweil in England. Für die ARD als Experte mit an Bord, erlebte er die Paralympics 2012 in London hautnah und war begeistert. „Die Engländer sind bereit, auch für Behindertensport Eintritt zu bezahlen. Hier kriegen wir kaum Besucher, wenn der Eintritt frei ist.“


Schlagworte: Behindertensport, Leichtathletik, TSV Bayer 04 Leverkusen

Artikelinformationen


Datum: 30. Juli 2015
Veröffentlicht von:
Bildquelle: TSV Bayer 04 Leverkusen
Autor: Tobias Brücker
Korrektur: Patrick Nowak


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