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HSV-Trainer – Eine Chronik des Scheiterns

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Der HSV hat als zweiter Verein in dieser noch jungen Bundesliga-Saison seinen Trainer entlassen. Thomas Gisdol wurde nun als Nachfolger des gescheiterten Bruno Labbadia vorgestellt. Gisdol ist damit der 22. Trainer in 16 Jahren beim HSV. Seit der Jahrtausendwende ist der Trainer-Job beim einst so erfolgreichen Nordclub nur noch eine Geschichte des Scheiterns.

Veröffentlicht am 28. September 2016 von

(HANNOVER) Bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer HSV-Trainer sagte Thomas Gisdol sehr euphorisch: „Der HSV ist wahnsinnig geil“. Mit wahnsinnig wäre die Trainer-Geschichte der letzten Jahre beim HSV wohl besser beschrieben, als mit geil. 22 Trainer hat der dreimalige Deutsche Meister in den letzten 16 Jahren bereits verschlissen, Konstanz sieht anders aus.

Unter Pagelsdorf war noch alles gut

Zur Jahrtausendwende war Frank Pagelsdorf der letzte Trainer bei den Hamburgern, der es geschafft hat länger als zwei Saisons im Amt zu bleiben. Zwischen 1997 bis 2001 hat er es sogar geschafft mit dem HSV in der Champions League zu spielen, ehe er in den Tabellenkeller rutschte und von Interimstrainer Holger Hieronymus abgelöst wurde. Von dort an fehlte jede Konstanz beim Trainer-Amt des HSV. Hieronymus sollte nicht der letzte Interimstrainer bleiben. Nach zwei, eher erfolglosen Spielen, löste ihn der Österreicher Kurt Jara als neuer Chef-Trainer ab. Unter seiner Führung holte der HSV den bislang letzten Titel der Vereinsgeschichte mit dem Ligapokal 2003. Doch nach einem peinlichen Erstrunden-Aus im damaligen Uefa-Cup war nach zwei Jahren auch für Jara Schluss.

Mit Doll das letzte Mal Champions League

Es folgte Klaus Toppmöller. Er sollte den HSV, wie zuvor Bayer Leverkusen, wieder in die Champions League führen. Nach einem Jahr war das Skandalspiel in der ersten Runde des DFB-Pokals 2004 gegen den SC Paderborn Toppmöllers letztes Spiel. Das Spiel wurde zwar nachweislich vom Schiedsrichter Robert Hoyzer verpfiffen, seinen Job war Toppmöller trotzdem los. Thomas Doll wurde sein Nachfolger. Unter Doll war der HSV noch einmal richtig Erfolgreich. Mit intelligenten Spielereinkäufen des damaligen Sportchefs Dietmar Beiersdorfer und attraktivem Offensiv-Fußball wurde der HSV dritter in der Tabelle und erreichte ein letztes Mal die Champions League. Top-Spieler wie Rafael Van der Vaart, Vincent Kompany, Daniel van Buyten oder Jerome Boateng ließen auf eine erfolgreiche Zukunft hoffen, doch nachdem die meisten Stars den HSV verließen befand sich Doll und der HSV wieder im Tabellenkeller.

Die niederländische Ära

Im Februar 2007 folgte Huub Stevens als Trainer und führte den HSV von Platz 18 noch in die Uefa Cup. Auch in der Folgesaison schaffte Stevens erneut den Einzug in den Uefa Cup, doch beendete er sein Engagement beim HSV um zurück zu seiner kranken Frau in die Niederlande zu ziehen. Zur Saison 2008 folgte mit Martin Jol der nächste Niederländer auf den Trainer-Job. Ein Jahr war er Trainer der Hanseaten, ehe ihm und dem HSV im Uefa-Cup Halbfinale gegen Werder Bremen die berühmte Papierkugel einen Strich durch die Rechnung machte. Der HSV verpasste den Einzug ins Finale und Jol zog es nach der Saison ebenfalls zurück in die Niederlande.

Oenning schlechtester HSV-Trainer aller Zeiten

Es folgte die erste Amtszeit von Bruno Labbadia und auch er schaffte den Einzug ins Uefa-Cup Halbfinale. Nach einem 1:5 gegen Hoffenheim und internen Streitereien musste Labbadia, nach nicht mal einem Jahr, im April 2010 seinen Posten räumen. Der Technik-Coach Ricardo Moniz übernahm, als nächster Interimstrainer, für drei Spiele und sollte den HSV ins Finale führen. Das scheiterte erwartungsgemäß und so startete der HSV mit Armin Veh in die neue Saison. In der Rückrunde 2011 musste Veh nach einem 0:6 beim FC Bayern München und nur 27 Spielen dann schon wieder gehen. Sein Co-Trainer Michael Oenning übernahm und wurde sogar schon nach 16 Spielen wieder entlassen. Er sollte der schlechteste HSV-Trainer aller Zeiten werden mit einer Bilanz von nur 0,75 Punkten pro Spiel. Einige Spieler erzählten im Anschluss, Oenning habe im Spiel gegen die Bayern vor Stürmer Miroslav Klose gewarnt, der spielte zu diesem Zeitpunkt allerdings schon längst bei Lazio Rom in Italien.

Immer wieder die Interimstrainer

Es folgte der nächste Interimstrainer mit U23-Coach Rodolfo Esteban Cardoso. Dieser besaß allerdings keine gültige Trainerlizenz und so musste nach zwei Spielen der Sportchef Frank Arnesen als nächster Interimstrainer einspringen. Nach einem Spiel konnte er allerdings endlich einen neuen Chef-Trainer engagieren. Arnesen hatte nach einem Sieg gegen den SC Freiburg immerhin eine hundertprozentige Siegquote. Thorsten Fink sollte den HSV anschließend wieder auf die Erfolgsbahn führen und kam für viel Geld vom FC Basel. Doch auch er konnte beim HSV nichts erreichen und kassierte mit einem 2:9 beim FC Bayern sogar die höchste Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte. Im September 2013 übernahm dann erneut Rodolfo Esteban Cardoso als Interimstrainer für zwei Spiele. Mit Bert van Marwijk kam der nächste Niederländer und schon der dritte Trainer in einer Saison. Auch er sollte keinen Erfolg haben und so kam mit Mirko Slomka sogar noch der vierte Trainer der Saison 2013/14.

Zwei Mal Relegation

Slomka rettete den HSV in der Relegation gegen Greuther Fürth, denkbar knapp, vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. Doch schon Anfang der nächsten Saison stand der HSV schon wieder im Tabellenkeller und Slomka musste Platz für einen neuen Trainer machen. Mit Joe Zinnbauer wollte man, nach Mainzer Vorbild, einen jungen Trainer aus den eigenen Reihen installieren. Dazu hatte der HSV seine Profi-Abteilung als Aktiengesellschaft ausgegliedert um neue Geldgeber an Land zu holen. Eine neue Ära sollte eingeleitet werden. Zumindest das Trainer-Konzept ging nicht auf und Zinnbauer musste nach 24 Spielen schon wieder gehen. Der Sportchef Peter Knäbel übernahm mal wieder als Interimstrainer. Knäbel sollte als Aushilfstrainer sogar eine noch schlechtere Bilanz als Oenning haben, da er seine beiden Spiele als Interimstrainer verlor. Es folgte die zweite Amtszeit von Bruno Labbadia und wieder eine knappe Rettung vor dem ersten Abstieg in der Relegation gegen Karlsruhe. Nach einer vergleichsweise ruhigen Saison 2015/16, ohne größere Abstiegssorgen, rutsche der HSV mit Labbadia, mit nur einem Punkt aus fünf Spielen, nun wieder in den Tabellenkeller. Labbadia musste gehen und Thomas Gisdol sitzt jetzt auf einem der wackeligsten Trainerstühle der Bundesliga. Man kann ihm wirklich nur alles Gute wünschen mit dem „wahnsinnig geilen“ HSV wünschen.


Schlagworte: Bruno Labbadia, Bundesliga, HSV, Thomas Gisdol, Trainer

Artikelinformationen


Datum: 28. September 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Mats-Ole Jensen


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