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Hummels zu den Bayern? – Rest in Peace Bundesliga-Spannung

"Borusse!" steht auf seinem Shirt - das wird er bald ausziehen. Foto: Tim Reckmann

Spitzenspiel. Der BVB empfängt den FC Bayern. Ecke für die Münchner, Hummels steigt hoch und versenkt die Kugel im Netz. Bis jetzt wäre das ein Eigentor gewesen. Doch jetzt ist es fast sicher: Mats Hummels wechselt die Seite, er kehrt zurück zu dem Verein, der ihm in der Jugend nicht ausreichend Talent angesehen hatte, zum FC Bayern München. Für die Bayern eine absolute Verstärkung und eine Top-Ergänzung zu Jerome Boateng, der Hummels aus der Nationalelf kennt. Risiko für die Bayern gibt es bei diesem Transfer wenig. Was aber gut für Bayern München ist, zerstört gänzlich die Spannung um die Meisterschaft, weil der Rekordmeister seinen stärksten Konkurrenten enorm schwächt. Taktisch klug. Für Fußball-Fans ist das aber eine Schande. Die Folgen des Hummels-Wechsels:

Veröffentlicht am 03. Mai 2016 von

Immer wenn die kleine Pflanze BVB wächst und Spannung in die Meisterschaft bringt, kommt der große Rasenmäher FC Bayern daher und säbelt die schwarz-gelbe Pflanze einfach weg. Götze, Lewandowski und jetzt die größte Blüte – Kapitän Mats Hummels. Für Götze und Lewandowski konnte der BVB neue Samen einpflanzen, ob aber Hummels zu ersetzen ist. Schwierig. Zwar könnte der BVB mit der netten Ablöse von 40 Millionen Euro ein paar frische Talente an Land ziehen, namhafte, erfahrene Innenverteidiger sind auf dem Markt aber nicht so dicht gesät. Bei den Eigengewächsen sieht es auf der Innenverteidigerposition auch nicht so rosig aus.

Auch wenn Borussia Dortmund immer für eine Überraschung gut war, wie man an Aubameyang und Mkhitaryan sehen kann, Hummels wird kaum gleichwertig ersetzbar sein, zumal der Nationalspieler nicht nur als Fußballer überzeugte, sondern auch als Persönlichkeit, als Leader, als Identifikationsfigur und als das Gesicht des Aufstandes gegen den großen FC Bayern. Erfolgreich hat sich Hummels als Oberritter gegen seinen Jugendklub präsentiert, er war das Gesicht des BVB-Erfolgs, einhergehend mit schwankenden, auf einmal nicht mehr so übermächtigen Bayern. Wenn der Oberritter jetzt seinen BVB verlässt und sich ausgerechnet dem ewigen Feind anschließt, stößt das bei vielen Fans auf Unverständnis. Jetzt könnte man sagen, klar, der Hummels ist aus München, seine Familie lebt dort usw., aber München ist eben auch die Stadt bzw. der Verein, der ihn als Nachwuchsfußballer nicht unterstützt hat und nicht wollte. Hummels Heimat ist längst Dortmund geworden. Warum er jetzt doch wieder zurück gehen möchte? Das weiß wohl nur er selbst – und sein Finanzberater. Vielleicht ist es aber auch wirklich der Titelhunger, die Lust auf den Henkel-Pott und die fehlende Perspektive beim BVB auf eben diese Erfolge. 

Aber lieber Mats, ist es nicht viel fantastischer mit einem Verein Titel zu holen, wo man noch richtig dafür kämpfen muss? Die Meisterschaft wirst du bei den Bayern mitnehmen, weil du der Bundesliga mit deinem Wechsel jegliche Spannung raubst, da dürftest du recht haben, aber du als Person könntest nur in Dortmund zur Legende werden. In München musst du dich erst mal durchsetzen, auch wenn dir das mit deinen Qualitäten nicht so schwer fallen wird, aber dort bist du nur ein Instrument der bayerischen Transferpolitik: Den stärksten nationalen Konkurrenten in jedem Aufschwung schwächen und die Kluft zwischen Bayern und dem Rest immer größer zu machen. Das ist nicht erst in der Ära-Sammer der Fall, das war immer schon so, aber Sammer beherrscht diese Taktik wie kein Zweiter. Du, Mats, lässt also nicht nur deine „echte Liebe“ eiskalt zurück, sondern begräbst auch noch das, was in den letzten Jahren sowieso schon gelitten hat: den Meisterschaftskampf.

Aber wie ist das eigentlich mit der „echten Liebe“. War der BVB-Slogan für Hummels nur ein Mittel, sich gut zu verkaufen, oder hat er das wirklich so gelebt, wie es in all den Jahren rüber kam? Ein Schauspieler ist er nicht. Das merkt man an seinen Aussagen, die Entscheidung falle ihm schwer. Die waren durchaus ernst gemeint, man glaubt dem Sympathieträger das einfach. Etwas unglaubwürdig macht sich der Weltmeister mit einem Wechsel in den Süden aber dennoch, so war er es doch, der Götze nach seinem Wechsel zum FCB kritisierte: „Man konnte sehen, wie sich unser Team entwickelt hat, und Mario hat sich mit vielen super verstanden. Deshalb hat es mich auch so geärgert, dass er der Meinung war, so früh weggehen zu müssen.“ Jetzt geht er wohl selbst – in einer ähnlichen Phase. Hummels ist ein Ehrenmann, hat sich über die Folgen eines Wechsels nach München aber scheinbar kaum Gedanken gemacht. Jedenfalls wird er seinen langjährigen Arbeitgeber in der Malocherstadt Dortmund in Probleme stürzen, seine schwarz-gelben Fans enttäuscht er und heizt den Hass zwischen BVB-Fans und Bayern München-Publikum nochmal neu an. Auch in den Chefetagen der beiden Klubs kracht es wieder. Wenigstens ein Spannungsfeld, das Hummels dann nicht zerstört hat. Was er aber dann zerstört, ist die Wettbewerbsfähigkeit des BVB. Jeder konnte sehen, wie schwer sich die Dortmunder in dieser Europa League Saison getan haben – mit Hummels. Wie soll das denn erst ohne ihn aussehen? Der BVB ist ohne Hummels international nicht wettbewerbsfähig, national finden nur noch mehrere kleine Wettbewerbe statt: der Abstiegskampf, der Kampf um die internationalen Plätze und der Kampf um den Platz hinter Bayern. Der BVB wird sich damit zufrieden geben müssen oder eben einen gleichwertigen Ersatz aus dem Hut zaubern. Unwahrscheinlich. Der Rekordmeister kauft mit Hummels die Titel-Garantie für die nächsten 3-5 Jahre, nicht weil Hummels so überragend ist, sondern weil der BVB ohne Hummels nicht mithalten kann. International ist Hummels für den FC Bayern natürlich auch eine Verstärkung. Damit erkauft sich der FCB eine hervorragende Wettbewerbsposition. Da sind aber immerhin noch starke Mitbewerber im Rennen um die begehrte Champions League Trophäe.

Ein Hummels-Wechsel von Dortmund nach München bringt also letzten Endes nur Unheil für Borussia Dortmund und die Bundesliga. Die sportliche Spannung kann man nämlich erst einmal begraben. Einzig und allein der Totengräber FC Bayern kann sich die Hände reiben und sich sagen: „Unser Konzept geht auf“. Und Hummels? Eine neue Herausforderung bietet Risiken, er wird sich aber in München durchsetzen. Schließlich ist er einer der besten Innenverteidiger der Welt. Und auch der erste bayerische Kontoauszug wird Hummels entzücken, ein Fußballer macht eben doch ganz viel fürs Geld und gegen das Herz – egal, was er behauptet. Und Titel? Ja, die wird er sich wohl auch in den kommenden Jahren auf seine Autogrammkarte schreiben können. Aber ist es das alles wert, Herr Hummels?


Schlagworte: Borussia Dortmund, Bundesliga, BVB, FC Bayern München, FCB, Mats Hummels, Transfer

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Datum: 03. Mai 2016
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