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Im Schatten der Vergangenheit

Bereits in der Vorrunde der diesjährigen Copa América war für die brasilianische Nationalmannschaft Schluss. Das 0:1 gegen Peru bedeutete den Knock-Out. Die negative Entwicklung des Teams machte sich jedoch schon vor dem Turnier bemerkbar.

Veröffentlicht am 13. Juni 2016 von

(Hannover) In der 75. Spielminute war die Stimmung der Anhänger der Seleção auf dem Tiefpunkt. Raul Ruidiaz sorgte mit seinem umstrittenen Treffer für das 1:0 aus Sicht der Peruaner. Nach einer Hereingabe von der rechten Seite hatte er den Ball aus naher Distanz mit der Hand über die Linie gedrückt – unbemerkt vom Schiedsrichter. „Es gibt unerwartete Dinge, die nicht an den Spielern oder am Trainer liegen. Die Spieler und ich können nicht ändern, was alle gesehen haben“, meinte Nationaltrainer Carlos Dunga nach dem Spiel.

Mittelmäßige Spieler und Neymar
Zu behaupten, dass das Vorrunden-Aus einzig und alleine durch die Fehlentscheidung des Schiedsrichters zu verantworten ist, wäre fatal. Denn der Abwärtstrend zeichnete sich schon viel früher ab. Nach dem verlorenen Halbfinale (1:7) bei der Weltmeisterschaft 2014 im eigenen Land gegen Deutschland kam das Team von Dunga nicht mehr auf die Beine. Bereits in den ersten Spielen der Südamerika-Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 zeigte sich, dass die Spieler nicht mehr mit der Lockerheit und Spielphilosophie auftreten können, wie man es eigentlich von der brasilianischen Mannschaft gewohnt ist. Der derzeitige sechste Platz würde nicht mal reichen, um sich für das Turnier in Russland zu qualifizieren. Einzig und alleine  Superstar Neymar kann seine Leistungen regelmäßig abrufen. Da sein Verein, der FC Barcelona, den 24-Jährigen allerdings entweder nur zur Copa América oder zu Olympia lassen wollte, entschied sich der Verband dafür, dass der Offensivspieler die Goldmedaille in Rio holen soll.

Ein Team voller Unbekannter
Neben Neymar fehlen noch viele weitere Spieler bei der Südamerika-Meisterschaft. Seine Kollegen Luiz Gustavo, Douglas Costa, Rafinha, Ederson und Ricardo Oliviera sind verletzt. Dazu verzichtete Dunga auf die Nominierung von namhaften Profis wie David Luiz, Thiago Silva, Oscar oder Roberto Firmino. Zum Vergleich: Aus der Startelf, die gegen Deutschland im Halbfinale der WM 2014 spielten, ist nur noch Hulk im Kader der diesjährigen Copa América übrig geblieben. Daneben findet sich eine Reihe von unbekannten Namen. Dies war in vergangenen erfolgreichen Turnier auch öfter Mal der Fall. Doch in diesem Jahr würde man keinen dieser Spieler als „Weltklasse“ bezeichnen. Dunga selbst kritisiert die vergangenen Leistungen seines Teams: „Im Training wirkt alles immer so entspannt, aber wenn sie dann dieses Trikot überstreifen, dann sind plötzlich die Haare verwustelt oder der Arm tut weh oder ein anderes Körperteil.“ Ein klares Bekenntnis zu seinen Spielern sieht anders aus.

Hoffnung verloren?
Auch die Fans scheinen nicht mehr viel Hoffnung in ihre Nationalmannschaft zu haben. Die früher so verwöhnten Anhänger der Seleção haben nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land so langsam den Glauben an ihre Spieler und ihren Trainer verloren. Ein Ronaldo löste bei der WM 2002 eine Euphorie-Welle aus. 2007 wurde ein gewisser Robinho Torschützenkönig bei der Copa América. 2014 galt Neymar als der große Hoffnungsträger für einen lange ersehnten Weltmeistertitel. Im letzten Vorrundenspiel der diesjährigen Südamerikameisterschaft gegen Peru standen Spieler wie Alisson, Gil, Elias oder Gabriel auf dem Platz, die für wenig Aufbruchsstimmung sorgten. Zumindest zwei Jahre dürfen sich die Fans nun von der diesjährigen Schmach erholen. Um nicht nur die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018, sondern auch ein gutes Ergebnis bei der Copa América 2019 im eigenen Land einzufahren, wird es nun höchste Zeit, die Identifikationsfiguren und den einst so glorreichen Fußball an die Copacabana zurückzuholen.

 


Schlagworte: Copa America, Dunga, Neymar, Weltmeisterschaft

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Datum: 13. Juni 2016
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