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Immer mehr, bis die Blase platzt!

during the Barclays Premier League match between West Ham United and Manchester United at the Boleyn Ground on May 10, 2016 in London, England. West Ham United are playing their last ever home match at the Boleyn Ground after their 112 year stay at the stadium. The Hammers will move to the Olympic Stadium for the 2016-17 season.

Nach 112 Jahren hat West Ham United sein letztes Heimspiel im Boleyn Ground gespielt. Ab der kommenden Saison werden die „Hammers“ im neugebauten Olympiastadion auflaufen.

Veröffentlicht am 11. Mai 2016 von

Der Upton Park, wie das Stadion der Hammers hauptsächlich genannt wird, wurde 1904 für 16 Millionen Pfund erbaut. Der Name Boleyn Ground geht auf eine Verbindung des Grundstücks zu Anne Boleyn, Ehefrau von König Henry Tudor und Mutter der späteren Königin Elizabeth I., zurück. Seit 1904 wurde das Stadion bereits vier mal umgebaut. Mit aktuell 35.016 Plätzen gehört das Stadion zu den mittelgroßen Stadien der Premier-League. Von den Kapazitäten der großen Stadien von Manchester United oder Arsenal London ist es allerdings weit entfernt. Aus diesem Grund erfolgt der Umzug ins dann 65.000 Personen fassenden Olympiastadion.

Mitten im Stadtteil

Während in vielen europäischen Städten beinahe die komplette Stadt mit einem oder maximal zwei Vereinen mitfiebert, sieht es in der britischen Hauptstadt anders aus. Neben den fünf Londoner Teams in der Premier League, gibt es noch elf weitere Clubs aus London in der zweiten bis zur fünften Liga. Aus diesem Grund sind die Fans gerade in London besonders im Umfeld des Stadions angesiedelt. Die Vereinsliebe hat häufig eine lange Familientradition. Die Fans wachsen im Schatten des Stadions auf. Aus diesem Grund sind die Londoner Fußballvereine extrem stark in ihrem jeweiligen Stadtteil verankert. Die Pubs und Geschäfte rund um den Upton Park sind ebenso abhängig von den Fans wie West Ham United selber. Der Verein ist zum Motor eines ganzen Stadtteils geworden. Viele Anwohner rund um den Upton Park werden dem Boleyn Ground nicht nur aus nostalgischen, sondern auch aus finanziellen Gründen nachtrauern.

Forever Blowing Bubbles

Seit 1920 singen die Fans von West Ham United ihre inoffizielle Hymne „I’m forever blowing bubbles“. Das eher unbekannte Musikstück aus einem amerikanischen Musical sollte damals als Motivation für einen jungen Spieler mit dem Spitznamen „Bubbles“ dienen. Dieser spielte allerdings niemals für die erste Mannschaft der Hammers. Das Lied blieb und hat für die Fans von West Ham einen ähnlichen Stellenwert wie „You’ll never walk alone“ in Liverpool. Eine ganz andere Blase sorgte nun aber für das Ende des Boleyn Grounds. Fußball im Allgemeinen und der englische Fußball speziell ist längst zu einem Milliardengeschäft geworden. In der Saison 2014/2015 hat West Ham United über 100 Millionen Euro an Fernsehgeldern eingenommen und die Tendenz zeigt weiter nach oben, so lange bis die Blase eventuell platzt. Bei derartigen Summen ist klar, dass die Wünsche der einfachen Fans eher hinten anstehen. Die Besitzer von West Ham United wollen den Verein zu einem europäischen Spitzenteam formen. Für diese Ansprüche reicht der Boleyn Ground, mit seinen gerade einmal 35.000 Plätzen, einfach nicht mehr aus.

Mit dem Bus zum Heimspiel

Das zu den Olympischen Spielen 2012 erbaute Stadion ist zwar nur ca. vier Kilometer entfernt, liegt aber in mitten des olympischen Parks auf einer Art kleinen Insel. Pubs und Supermärkte findet man rund um die neue Heimstätte der Hammers nur schwer. Der „Lord Stanley Pub“, eine der Kultkneipen rund um den Upton Park, hat schon angekündigt vor und nach den Heimspielen einen Shuttleservice zum Stadion und wieder zurück anzubieten. Andere Pubs werden wohl schließen müssen, wenn die Einnahmen der Heimspielwochenenden wegfallen.

Ein Fest zum Abschluss

Ausgerechnet der englische Rekordmeister Manchester United trat nun gestern Abend zum letzten Akt am Boleyn Ground an und das Spiel hätte spannender nicht verlaufen können. Mit einer 1:0 Führung gingen die Hammers noch in die Pause. Nach der Pause bekamen sie aber schnell den Ausgleichstreffer. In der 72. Minute ging Manchester United sogar in Führung. Die Stimmung unter den Fans wurde angespannter, schließlich ging es auch noch um die Teilnahme an der Europa-League in der kommenden Saison. Innerhalb von 5 Minuten drehten die Hammers das Spiel wieder und gingen am Ende beim Stand von 3:2 als Sieger vom Platz. Den Fans war zugleich Freude über den Sieg als auch Trauer um ihr geliebtes Stadion anzusehen – Ein gebührender Abschluss für ein Stück englischer Fußballgeschichte!


Schlagworte: Fernsehgelder, London, Premier League, Upton Park, West Ham United

Artikelinformationen


Datum: 11. Mai 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Simon Kirsch


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