Logo

Das Nachrichtenportal für Sport

Eishockey - NHL

In Anaheim hängt der Haussegen schief

Unbenannt

Sechs Spiele und fünf, zum Teil deutliche Niederlagen werfen Fragen bezüglich Coach Bruce Boudreau auf.

Veröffentlicht am 23. Oktober 2015 von

ANAHEIM/LEVERKUSEN. Sechs Spiele, fünf Niederlagen und ein Torverhältnis von 6:17. Den Start in die neue NHL-Saison hatten sich die Anaheim Ducks sicher gänzlich anders ausgemalt. Als Topfavorit auf den Gewinn des Stanley-Cups gestartet, läuft es derzeit alles andere als rund bei den Kaliforniern. Klar, noch sind 76 Spiele zu absolvieren, doch Coach Bruce Boudreau gerät deutlich unter Druck.

Der Kanadier ist seit 2011 für die rein sportlichen Geschicke verantwortlich, führte die Ducks in den letzten drei Jahren immer in die Playoffs. Ins Finale um den Stanley-Cup, der ältesten nordamerikanischen Sporttrophäe, gelangten die Ducks unter Boudreau hingegen nie. Größter Erfolg unter der Führung des 60-Jährigen: das Erreichen der Western Conference Finals in der vergangenen Spielzeit – vergleichbar mit dem Halbfinale in einem europäischen Wettbewerb. Dort jedoch wurde das Ausscheiden nach sieben umkämpften, engen Spiele durch die Chicago Blackhawks, die im Anschluss daran den Titel holen sollten, besiegelt. Dass ein ebensolcher bisher nicht heraussprang, lastet auf den Schultern des Trainers. Häufige Kritik an seiner Person, gerade aus Fan-Kreisen, ist nichts Ungewöhnliches – zumindest dann nicht, wenn es in den Playoffs um alles oder nichts geht.

Die Hauptseason hingegen ist für Fans des seit 1993 bestehenden Franchises – und auch für Boudreau selbst – die vielleicht schönste Zeit des Jahres. Eine Zeit, die folgerichtig gewisse Erwartungen schürt, konnten die Ducks die Western Conference doch zweimal in den vergangenen drei Jahren gewinnen. Allerdings reichen starke Werte und eine gute Punkteausbeute abseits der Playoffs nicht mehr. Bereits vor der nun laufenden Saison wurde gemunkelt, es könne Boudreaus letzte Chance sein. Die Teilnahme an den Stanley-Cup-Finals quasi Pflicht. Um diese Ziel erreichen zu können, leistete General Manager Bob Murray großartige Arbeit. Der ohnehin starke Kader um Kapitän Ryan Getzlaf und Rechtsaußen Corey Perry – um nur zwei große Namen zu nennen – konnte nochmals verbessert werden.

Mit Kevin Bieksa kam ein erfahrener Abwehrspieler von den Vancouver Canucks.  Der 34-Jährige soll den abgewanderten Francois Beauchemin ersetzen und die Defensive führen, in der sich mit dem Finnen Sami Vatanen (24), dem Schweden Hampus Lindholm (21) und Cam Fowler (23) aus den USA drei der wohl größten Talente der Liga tummeln. Um die Offensive weiter anzukurbeln und Geschwindigkeit in die erste Reihe zu bekommen, konnte Murray Carl Hagelin von den Rangers aus New York verpflichten. Von dem 27-jährigen Schweden wurde und wird viel erwartet. Chris Stewart (25, Minnesota Wild), Mike Santorelli (20, Nashville Predators) sowie Shawn Horcoff (37, Dallas Stars) komplettieren  die Neuerungen im Angriff. Das Ziel: mehr Physis, stärkere Reihen zwei, drei und vier.

Doch genau dieses vermeintliche Prunkstück, die Offensive, ist es, das den Ducks und damit auch Boudreau zum Verhängnis wird. In den bisher gespielten sechs Partien kommt das Team auf nur sechs Treffer – der schwächste Wert der NHL. Bereits dreimal vermochten es die Offensivreihen nicht, den gegnerischen Goalie zu überwinden. In zwei Spielen gelang dies nur einmal. Lediglich gegen Minnesota leuchtete am Ende ein 4:1-Erfolg von der Anzeigetafel. Ein Sieg, der allerdings lange auf wackligen Beinen stand und wieder nicht überzeugte. Die Dominanz, die die Ducks – zumindest in der Hauptsaison – zuletzt ausstrahlten, ist völlig abhanden gekommen. Die Kommunikation zwischen den Angreifern funktioniert kaum, das Passspiel ungenau und kaum existent. Zwar geben die Ducks laut Statistik häufig mehr Torschüsse ab als ihre Gegner, die jedoch kommen meist eher ungefährlich von der blauen Linie aufs Tor. Hat der Torhüter freie Sicht, ist es in der NHL nahezu unmöglich eben jenen zu überwinden.

Sollte die Talfahrt also in diesem Ausmaße weitergehen, werden sich die Verantwortlichen wohl schon bald gezwungen sehen, Boudreau zu beurlauben.  Die Niederlagen – und insbesondere deren Hergang – gegen Kontrahenten wie San Jose (0:2), Vancouver (1:2, SO),  Arizona (0:4), Colorado (0:3) und Nashville (1:5) gefährden das ausgegebene Ziel, den Gewinn des Stanley-Cups, in einem zu hohen Maße – auch bei noch 76 Spielen in der Hinterhand.


Schlagworte: Anaheim Ducks, NHL

Artikelinformationen


Datum: 23. Oktober 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Tobias Brücker
Korrektur: Alexander Kast


Teilen & Versenden


Auf teilen
Auf teilen

Kurzlink: bit.ly/1DASnWi