Logo

Das Nachrichtenportal für Sport

Eishockey

Keith führt Blackhawks zum Titel

foto: privat

(Hannover) Zum sechsten Mal in ihrer Vereinsgeschichte gewinnen Chicago Blackhawks die begehrteste Eishockeytrophäe der Welt, den Stanley Cup. Dank eines 2:0-Heimsieg gegen Tampa Bay Lightnings ging die „best-of-seven“-Serie mit 4:2 an Chicago.

Veröffentlicht am 19. Juni 2015 von

Das Team um Joel Quenneville holt zum dritten Mal innerhalb von sechs Jahren den Stanley-Cup. Die Fans von der „Stadt des Windes“ können sich glücklich schätzen, denn sie sind die Zeugen eines historischen Sieges geworden. Zum ersten Mal seit 1938 sicherten sich die Blackhawks den Titel vor heimischem Publikum.
Drei Titel seit 2010. Damit haben die Schwarz-Rot-Weißen das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Seit der Einführung von NHL-Gehaltobergrenze im Jahre 2005 waren sich alle Beteiligten einig: Eine Dynastie wird es in Zukunft nicht mehr geben. Doch das ist das Schöne am Sport: Sowohl die Experten, als auch die Fans  – keiner von beiden kann erahnen, welche Geschichte der Sport als Nächstes schreiben wird.
Dennoch berechtigt stellt sich die Frage: Wieso ist es Chicago als erste Mannschaft gelungen die stärkste Eishockey Liga der Welt in den letzen Jahren so zu dominieren?

Duncan Keith
Die Auszeichnung eines Verteidigers als wertvollster Spieler (MVP) der Playoffs spricht für sich. Der 31-Jährige absolvierte in seiner Karriere 23 Playoff-Spiele, durchschnittlich stand er 31 Minuten auf dem Eis. In der langjährigen NHL-Geschichte gab es nur drei Spieler, denen es öfters gelungen ist: Niklas Lindstrom in 2002, Cris Pronger in 2006 und Drew Doughty in 2014. Während der Playoffs war er nicht nur der Garant für die stabile Defensive seiner Mannschaft, er sorgte mit seinen Pässen immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Gehäuse. Mit 21 Scorerpunkten ist er der beste Scorer unter den Verteidigern und gehört gleichzeitig zu den besten fünf Scorerspielern der gesamten Playoffs.
Bei dem Blick auf seine bisherigen Erfolge bleibt der ein oder andere Spieleratem stehen: Drei Mal Stanley-Cup-Sieger, zwei Mal Olympiasieger mit der kanadischen Nationalmannschaft, zwei Mal wurde er bereits zum besten Verteidiger der NHL gewählt, mit seinem Tor in dem entscheidenden sechsten Spiel brachte er Blackhawks auf die Siegerstraße. Nun wurde er mit der Conn Smythe Trophy ausgezeichnet. All das spricht für die Bedeutung dieses Spielers für die gesamte Mannschaft.

Erfahrung
Doch es wäre falsch zu denken, dass der Erfolg der Blackhawks nur auf die beeindruckende Leistung von Duncan Keith basiere. Nach dem Stanley-Cup-Gewinn 2010 mussten viele Spieler die Mannschaft verlassen, um dieRegel der Gehaltobergrenze erfüllen zu können. Die Schlüsselspieler, wie Patrick Kane und Jonathan Toews konnten dennoch gehalten werden. Ihre Erfahrung half der Mannschaft sich immer wieder aus den schwierigen Situationen zu befreien und die Spiele zu ihren Gunsten zu entscheiden.
Ein weiterer Meilenstein des Gesamterfolgs ist der Trainerstab um Joel Quenneville.  Aus einem durchschnittlichen Team hat er die erfolgreichste Mannschaft des letzten Jahrzehnts geschaffen – dies ist der Beweis dafür, weswegen er bereits heute zu den erfolgreichsten Trainern der NHL-Geschichte gehört. Er schafft es immer wieder die Stärken von Spielern in sein System neu zu integrieren, gleichzeitig hat er immer Ideen, wie die Stärken des Gegners so gut wie nötig neutralisiert werden können. Nashville Predators, Minnesota Wild, Anaheim Ducks und Tampa Bay Lightings – sie alle haben diese Erfahrung mitmachen müssen und konnten am Ende kein Gegenmittel finden.
Damit nicht genug. Mit dem General Manager im Person Stan Bowman (3 Stanley-Cup-Gewinne) haben sie den Sohn, den legendären Scotty Bowman (9 Stanley-Cup-Siege) in seinen Reihen. Er schafft es immer wieder die Abgänge mit passenden, billigen Lösungen zu kompensieren.

Unbezwingbarer Wille zum Erfolg
In letzten Jahren standen die zukünftigen Stanley-Cup-Sieger immer wieder mit dem Rücken zur Wand. Genau in solchen Momenten konnten sie ihre beste Leistung abrufen und sich aus scheinbar unlösbaren Situation befreien. So war es im Jahre 2013, als die Blackhawks im Halbfinale mit 1:3 gegen Detroit Red Wings zurücklagen. Letztes Jahr, noch unglaublicher war der Weg von Los Angeles Kings, die ein 0:3 Rückstand aus der Playoff Runde 1 noch drehen konnten.
Dieses Jahr haben Chicago mehrmals ihren Heldenmut bewiesen und auf geheimnisvolle Art und Weise die Spiele für sich entschieden. Im ersten Spiel gegen Nashville Predators lagen sie nach dem ersten Drittel mit 0:3 hinten, glichen das Spiel aus und gewannen anschließend im zweiten Overtime durch das Tor von Duncan Keith! Im vierten Spiel musste die Mannschaften drei zusätzliche Drittel spielen, bis Brent Seabrock mit seinem Tor alle Beteiligten erlösen konnte. Im Halbfinale gegen Anaheim Ducks mussten die Blackhawks immer wieder nachziehen, bevor sie das entscheidende siebte Auswärtsspiel für sich entscheiden konnten. In dieser Serie musste die Verlängerung über den Sieger von zwei Spielen die Entscheidung bringen – beide gewannen Chicago.
Das Finale lief auch nicht einfach. Tampa Bay hatte Heimvorteil, boten rasante Spielweise an und störten Chicago früh bei ihrem Spielaufbau. Die Blackhawks holten sich einen Auswärtssieg zum Beginn der Serie und damit auch den Heimvorteil, den sie anschließend nutzen konnten, um nach sechs Spielen den Stanley-Cup zu stemmen.

Breite des Kaders
In Spielen gegen Chicago reicht es nicht nur die erste Reihe um Toews auszuschalten. Wenn es der gegnerischen Mannschaft sogar gelingen sollte, so übernehmen die Spieler aus anderen Reihen die Verantwortung.  Patrick Kane, Marcel Hossa, Patrick Sharp sind immer in der Lage ihrer Leader-Qualitäten unter Beweis zu stellen. Im ersten Finalspiel war es keiner von oben genannten Spieler, sondern der 20-jährige Teuvo Teräväinen der mit seinem Tor und Vorlage den so wichtigen Heimvorteil sicherte. Und das in seiner ersten NHL-Saison.
Brad Richards hat sein Anteil an dem Gesamterfolg von Chicago. Mit seiner Erfahrung konnte er seinen Mitspielern Zuversicht geben. 2004 gewann er mit Tampa den Stanley-Cup, wurde zum besten Spieler der Playoffs (MVP) gewählt, letztes Jahr spielte er mit den New York Rangers im Finale. Dieses Jahr hat er zuerst Rangers und dann Tampa auf dem Weg zu seinem zweiten Stanley-Cup-Sieg weggeräumt.
Alle diese Faktoren führen zum Entschluss, dass die Dominanz von Chicago Blackhawks nicht unverdient ist. Alle Mannschaftsteile, ob es sich dabei um den Spieler, Trainer oder Manager handelt – jeder Einzelne von ihnen leistet eine hervorragende Arbeit, die einem oberen Ziel untergeordnet sind: Der Stanley-Cup-Sieg. Deshalb wird es gar nicht überraschend sein, wenn auch der Stanley-Cup-Sieger 2016 Chicago Blackhawks heißen wird.


Schlagworte:

Artikelinformationen


Datum: 19. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Petr Kasper
Korrektur: Svenja Ebeling


Teilen & Versenden


Auf teilen
Auf teilen

Kurzlink: bit.ly/1DASnWi