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Kira Grünberg erleidet Querschnittslähmung

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(Hannover) Es ist ein unfassbarer Unfall, der die gesamte Leichtathletikwelt betroffen macht. Die erst 21-jährige Kira Grünberg, österreichisches Stabhochsprung-Nachwuchstalent, ist nach einem Trainingsunfall vom Hals abwärts gelähmt. Mit wenig Aussicht auf Besserung.

Veröffentlicht am 06. August 2015 von

Was für ein brutaler Einschnitt ins Leben eines solch jungen Menschen dieser tragische Unfall mit seinen verheerenden Folgen wohl sein muss? Wie lässt sich ein Leben eines einstigen Ausnahmetalents im Stabhochsprung weiterleben, wenn plötzlich abwärts des Halses nichts mehr zu spüren oder zu bewegen ist? Vor diese und noch zahlreiche weitere Fragen werden Kira Grünberg und ihr Umfeld in Zukunft gestellt werden.

Acht Schritte, die ihr Leben von eben auf jetzt gänzlich auf den Kopf stellten – leider wörtlich genommen und fernab jedes Höhenfluges. Die österreichische Leichtathletin ist mit ihrem Vater und Trainer Frithjof Grünberg beim Training in einer Innsbrucker Sporthalle ihres Heimvereins. Alles ist wie immer. Sie läuft sich warm. Macht einige gezielte Übungen und setzt zum ersten lockeren Aufwärmsprung an: Nur acht Schritte Anlauf, anstatt die sonst für große Höhen benötigten 16 Schritte – ein Fehler! Beim Aufschwung verliert die 21-Jährige die Balance in der Luft und kann sich mangels Geschwindigkeit nicht über ihren Stab bewegen. Vor den Augen ihres Vaters stürzt sie kopfüber in den Einstichkasten und bricht sich den fünften Halswirbel.

„Sie ist bei Bewusstsein und ansprechbar!“

Was danach folgt ist ein langer Kampf ums reine Überleben. Stundenlang kämpfen die Ärzte in der Innsbrucker Uniklinik um das Leben der jungen Österreicherin. Nach der langwierigen OP und hoffnungsvollem Bangen wurde nun bekannt, dass die 21-Jährige wieder selbstständig atmen könne und bei Bewusstsein sei, so ihr Manager Thomas Herzog. Die vorläufige Diagnose der Querschnittslähmung mit der Folge einer lebenslangen Lähmung abwärts des Halses bleibt trotz allem bestehen. Laut der behandelnden Ärzte „ließen die Prognosen wenig Spielraum für einen positiven Verlauf“, berichtet Herzog schockiert.

Abruptes Ende einer vielversprechenden Karriere

Grünberg wurde als die Nachwuchs-Hoffnung der Stabhochspringerszene aus Österreich gehandelt. Mit übersprungenen 4,45m bei den Europameisterschaften in Zürich, ist sie seit August 2014 österreichische Rekordhalterin. Schon im Alter von 17 Jahren schnupperte die Stabhochspringerin internationale Wettkampfluft. Bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen 2010 belegte sie mit 3,90m Rang fünf. Zwei Jahre später erreichte sie bei den Juniorenweltmeisterschaften den vierten Rang. Bis zuletzt trainierte Grünberg für eine Teilnahme an den Weltmeisterschaften im August 2015 in Peking.

Neuer Weg statt neuen Höhen

Der Unfall der jungen Österreicherin löste Betroffenheit aus. Riccardo Klotz, 16 Jahre alt, Trainingskollege Grünbergs befand sich zum Zeitpunkt der Tragödie bei den Europäischen Jugendspielen in Tiflis. Bronze – ein unerwarteter und daher umso überragender Erfolg für den 16-Jährigen. Doch fernab dieses Triumphes herrscht Erschütterung. Allein und vor Fassungslosigkeit an die Stadionmauer gestützt, weint der 16-jährige Riccardo um seine Trainingskollegin. Ein Bild, welches prägt. Ein Bild, dass den Schmerz zeigt, den das Umfeld der Österreicherin in den laufenden Tagen erleiden muss.

„Kira Grünberg und ihre Familie stehen nun vor weit größeren und längeren Herausforderungen, als je ein Wettkampf sie bieten kann“, lässt der österreichische Leichtathletikverband auf seiner Internetseite verlauten. Es sei ein langer, anderer, schwieriger Weg, der auf Kira warte, so Manager Herzog über seinen Schützling.

Auch der deutsche Turner Fabian Hambüchen zeigte sich betroffen und bat seine Fans um die vollste Unterstützung für seine Sportkollegin und gute Freundin. Hambüchen trainierte mit Grünberg an ihrer Haltung in der Flugphase.

Stabhochsprung ist gefährlich – zu gefährlich?

Der Stabhochsprung gilt als die gefährlichste Disziplin in der Leichtathletik. Ein Anlauf, ein Stab, Höhen von bis zu sechs Metern. Das kraftvolle Abspringen, die Balance in der Luft, wenn man sich kopfüber auf neue Höhen schraubt – eine spektakuläre Disziplin. Jedoch springt das Risiko stetig mit. Geht einmal die Balance oder Orientierung in der Luft verloren, so kann es von harmlosen Prellungen bis hin zur aktuellen Tragödie oder sogar einem Todessprung kommen. Ist das Risiko dieser Sportart für die Leichtathletikwelt weiterhin tragbar? Kann und muss der Weltverband auf einen solchen Unfall reagieren und die Bedingungen anpassen? „Vielleicht führt dieser furchtbare Fall zu der Entwicklung, die Härte oder die Beschaffenheit des Einstiegskastens zu überdenken.“, äußerte der frühere Bundestrainer Herbert Czingon. Letztlich müsse der Einstichkasten aber immer irgendwie hart sein, um den Springern den nötigen Halt zu bieten. Gänzliche Sicherheit könne es beim Stabhochsprung nie geben, räumt Czingon ein.

Ob sich der Weltverband nun gezwungen fühlt der grundsätzlichen Sicherheitsproblematik des Stabhochsprungs anzunehmen, bleibt abzuwarten. Für Kira Grünberg wäre eine Risikominderung in ihrer Disziplin nun leider zu spät – ihr bleibt nur die Hoffnung auf ein Wunder.


Schlagworte: Innsbruck, Kira Grünberg, Leichtathletik, Querschnittslähmung, Stabhochsprung, Trainingsunfall, Unfall

Artikelinformationen


Datum: 06. August 2015
Veröffentlicht von:
Bildquelle: GEPA
Autor: Svenja Ebeling
Korrektur: Isabel Fröbius


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