Logo

Das Nachrichtenportal für Sport

Fußball

Klopp und die Reds: eine vielversprechende Zusammenarbeit

Kloppo

Der langjährige Dortmunder Erfolgscoach Jürgen Klopp kehrt nach einem verkürzten Sabbatjahr vorzeitig zurück an die Seitenlinie. Beim FC Liverpool beerbt „Kloppo“ Brendan Rodgers und soll nun an längst vergessene Erfolge anknüpfen. Ein erster Schritt ist bereits gemacht.

Veröffentlicht am 20. Oktober 2015 von

Kaum hat der neue Coach der „Reds“ das Zepter übernommen, spricht ganz Liverpool wieder von großen Titeln und Trophäen. Die Euphorie an der Anfield Road ist scheinbar grenzenlos und sucht europaweit ihresgleichen. Nach dem ersten Spiel unter Klopp, einem 0:0 auswärts an der White Hart Lane bei den Tottenham Hotspur, sind bereits erste Fortschritte zu sehen. 116 Kilometer Laufleistung bedeuten den bisherigen Höchstwert in der laufenden Premier-League-Saison. Auch spielerisch war am Samstag schon die Handschrift des Ex-Dortmunders zu erkennen. Der LFC agierte vor Allem in der ersten Halbzeit aggressiv und lauffreudig, machte die Räume dicht und überzeugte mit starkem Vorwärtspressing. Typisch Klopp eben. Auch wenn es am Ende (noch) nicht für ein Tor reichte, so ist man mit dem Unentschieden in Liverpool durchaus zufrieden, gerade was die Art und Weise angeht. Nun gilt es für Klopp und seine beiden Trainerkollegen, die er aus Dortmund mitbrachte, diesen Spielstil beizubehalten. Verinnerlichen die Spieler Klopps Vorstellungen, könnte es für den Traditionsklub nach durchwachsenem Start doch noch eine erfolgreiche Saison werden.

Die Voraussetzungen dafür könnten besser kaum sein. Im Kader des englischen Rekordmeisters stehen zahlreiche Akteure, die für den Spielstil von Jürgen Klopp wie gemacht scheinen. Spieler wie Lucas Leiva, Jordan Henderson, James Milner oder der deutsche Nationalspieler Emre Can sind robust, zweikampfstark und verfügen zudem über ein gutes Passspiel – ideal für aggressives Pressing und um schnelle Gegenangriffe einzuleiten. Sie könnten wenn man so will das Liverpooler Pendant bilden zu den Dortmundern Ilkay Gündogan, Nuri Sahin und Sven Bender. Darüber hinaus verfügen die „Reds“ mit den Brasilianern Philippe Coutinho und dem Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino sowie dem Engländer Adam Lallana über gleich drei flinke und wendige Kreativspieler, die prädestiniert sind für schnelles Umschaltspiel und das Kreieren von Torchancen. Gerade Philippe Coutinho erlebt derzeit die wohl stärkste Phase seiner bisherigen Karriere und spielt schon seit einigen Wochen groß auf, was auch dem FC Barcelona nicht verborgen blieb. Beim BVB kamen diese Aufgaben meist Shinji Kagawa und Henrik Mkhitaryan zuteil. Doch gerade der Armenier Mkhitaryan wusste unter Klopp selten zu überzeugen und blüht erst jetzt unter Neu-Trainer Thomas Tuchel so richtig auf. Im Sturm stehen Jürgen Klopp in Liverpool mit dem Engländer Daniel Sturridge und dem Belgier Christian Benteke gleich zwei überdurchschnittliche Stürmer zur Verfügung. Während Sturridge ein schneller und technisch starker Angreifer ist, liegen Bentekes Stärken in seiner Robustheit, seinem Durchsetzungsvermögen und dem Kopfballspiel. Aller Voraussicht nach wird es wohl nur einer der beiden in die Startelf schaffen, sofern Klopp sein bewährtes 4-2-3-1-System beibehält. Wer es auch ist, er könnte eine ähnliche Rolle spielen wie es der Pole Robert Lewandowski unter Klopp in Dortmund tat. Auf der rechten Abwehrseite steht mit Nathaniel Clyne ein hochtalentierter englischer Nationalspieler zur Verfügung, der vor der Saison für knapp 18 Mio. Euro aus Southampton an die Anfield Road kam. Ähnlich wie der Dortmunder Lukasz Piszczek in seinen besten Tagen ist auch Clyne ein schneller und offensivfreudiger Außenverteidiger, der gute Flanken schlagen kann und zudem auch defensiv mit Zweikampfstärke und Robustheit zu überzeugen weiß. In der defensiven Zentrale stehen mit Mamadou Sakho und Martin Skrtel zwei baumlange Innenverteidiger, die sehr robust und körperbetont agieren. Ihnen fehlt es gerade im Vergleich mit dem Dortmunder Innenverteidiger Mats Hummels jedoch ein wenig an Passsicherheit und Qualitäten im Aufbauspiel.

In diesem Zusammenhang dürfen natürlich auch die finanziellen Möglichkeiten in England nicht unerwähnt bleiben. Durch den bereits oft auch öffentlich diskutierten TV-Deal der Premier-League-Klubs verfügt der FC Liverpool über einige Möglichkeiten, seinen Kader noch weiter zu verstärken und eventuelle Baustellen zu beseitigen. Mit Blick auf mögliche Verletzungen oder eine mögliche Mehrfachbelastung durch nationale und internationale Pokalwettbewerbe ist davon auszugehen, dass Klopp in Zukunft noch den ein- oder anderen (auch namhaften) Transfer tätigen wird. Namen wie Timo Horn, Benedikt Höwedes und Leroy Sane aus der Bundesliga wurden bereits mehrfach gehandelt. Lediglich Spieler seines Ex-Vereins, dem BVB, wird Klopp wohl aufgrund von Respekt und Verbundenheit laut eigener Aussage nicht verpflichten. Stattdessen wolle er, wie auch in Dortmund (Beispiel Mario Götze) jungen talentierten Spielern eine Chance geben, sich im englischen Profifußball zu etablieren.

Eine überaus wichtige Rolle spielen auch das Stadion und die Fans der Reds. Die „Anfield Road“ ist Fußballromantik pur und eine der traditionsreichsten Spielstätte überhaupt, die Vereinshymne You’ll never walk alone“ genießt Kultstatus und ist absolut legendär. Auch aufgrund dieser vorgegebenen Infrastruktur hat sich Klopp für den LFC entschieden und sein Sabbatjahr vorzeitig beendet. In schwierigen Spielen sorgt die beeindruckende Stimmung und die einzigartige Atmosphäre hier für echte Gänsehaut. Diese Topmotivation kitzelt mit Sicherheit noch das ein- oder andere Extraprozent aus den Spielern heraus, sodass jeder Einzelne wirklich alles gibt für den Erfolg des Teams.

Insgesamt findet Jürgen Klopp in Liverpool ein junges, aber durchaus schon eingespieltes Team mit vielen Parallelen zu seiner alten Dortmunder Mannschaft vor, das er nun noch nach seinen Vorstellungen weiter formen und seinem Spielstil anpassen muss. Im Idealfall kann er mit seiner Art, Fußball zu spielen, für einen Wandel im englischen Fußball sorgen und vielleicht sogar eine neue Ära einleiten. Zeit dafür bekommt er jedenfalls, möglicherweise im Gegensatz zu einem Engagement beim FC Bayern München, an der Anfield Road genug. Er unterschrieb einen Vertrag bis 2018.


Schlagworte: Borussia Dortmund, FC Liverpool, Jürgen Klopp, Kommentar, Reds

Artikelinformationen


Datum: 20. Oktober 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Tim V.
Korrektur: Alex Kast


Teilen & Versenden


Auf teilen
Auf teilen

Kurzlink: bit.ly/1DASnWi