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Reitsport

Ladies First – die fehlenden Männer im deutschen Reitsport

Quelle (gettyimages), Foto (Peter Lourenco)

„Wir möchten kein reiner Frauensportverband werden“, sagt Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der Abteilung Jugend der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Männer sind zur Mangelware in den deutschen Reitställen geworden. Doch woran liegt das? Und wer sind die Männer im Sattel?

Veröffentlicht am 02. März 2016 von

Wer sind sie eigentlich, die Reiter und Pferdebesitzer dieses Landes? Eine Antwort auf diese Frage lieferte 2014 die Abteilung für Agrarökonomie und rurale Entwicklung der Georg-August-Universität in Göttingen. Die Antwort fiel wenig überraschend aus – mehr als 78% der deutschen Reiter und Pferdebesitzer sind weiblich. Doch wer sind die rund 875.600 Männer in den deutschen Reitställen? Und warum sind es nicht mehr?
Wer ans Reiten denkt, denkt zumeist erst an einen typischen Frauensport. Eine rosane Welt aus Glitzer und Ponys. Und beschreibt damit das Gegenteil dessen, was der Reitsport wirklich ist: harte körperliche Arbeit, keine Angst davor zu haben, sich auch mal dreckig zu machen und den Mut, das eigene Leben in die Hände eines 700 kg schweren Tiers zu legen. Warum also fühlen sich so wenige Männer hingezogen zu diesem Sport?

Männer wollen mehr als eine Pferdestärke

Wenn Mädchen rosa Ponys geschenkt bekommen, dann schenkt man Jungs Autos. Männer werden von klein an dazu erzogen, sich nach mehr als einer Pferdestärke zu sehnen. Wer sich als männlicher Reiter outet, hat mit herablassenden Blicken und Sticheleien zu kämpfen. Das Imageproblem des Reitsports mag also der Grund für die wenigen Männer in den deutschen Sätteln sein.

Männer aus Reiterfamilien

Die Jungs, die sich tatsächlich aufs Pferd wagen, kommen meist selbst aus Reiterfamilien und erleben den Sport, der so fern von seinem Image ist, von klein auf mit. Die Erfahrungen zeigen, dass die Jungs, die das Reiten anfangen, oft auch dabei bleiben. Sie werden die Michael Jungs und Ludger Beerbaums dieses Landes.

Jungs aufs Pferd

Auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung selbst hat das Problem der fehlenden Männer längst erkannt. Der Dachverband versucht mit Initiativen wie „Jungs aufs Pferd“ den männlichen Nachwuchs für sich zu gewinnen. Bisher mit mäßigem Erfolg. Den Bedarf nach weiteren zielgruppenspezifischen Angeboten macht der Mitgliederverlust der letzten Jahre deutlich. „Jungs wollen gern unter sich sein, sind risikofreudiger, wollen mehr ausprobieren“, sagt Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der Abteilung Jugend der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. „Eine halbe Stunde lang Ecken durchreiten, Hacken tief und Bauch raus, das ist ihnen zu langweilig.“ Ein Konzept für einen Jungs-spezifischen Reitunterricht scheint somit naheliegend.

„Wir möchten kein reiner Frauenverband werden.“

Gerade hinsichtlich des demografischen Wandels ist klar, dass es sich kein Verband in Zukunft leisten können wird, von vorn herein auf die Hälfte aller potenziellen Mitglieder zu verzichten. Jungs sind am Pferd interessiert, nur eben anders als Mädchen. Das wurde schon Ende der 90er Jahre durch eine von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Auftrag gegebene Studie belegt. Nun liegt es am Dachverband selbst, mehr Projekte zu entwickeln, die dieses Interesse ansprechen und den Jungs ihre Angst zu nehmen, für ihre Liebe zum Pferd verhöhnt zu werden. „Wir möchten kein reiner Frauensportverband werden“, sagt auch Maria Schierhölter-Otte. Doch auch an den Vereinen liegt es, ein Klima zu schaffen in dem sich jeder Reiter wohlfühlt – ob nun männlich oder weiblich.


Schlagworte: Dressur, Dressursport, Jungs aufs Pferd, Männer im Reitsport, Reiten, Reitsport, Springreiten

Artikelinformationen


Datum: 02. März 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Maya de Wall


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