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Fußball

Lass das mal den Papa machen

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Sokratis ist aus der Dortmunder Startaufstellung gar nicht mehr wegzudenken. Zwischen den ganzen technisch starken und flinken, zierlichen Fußballern steht Sokratis hinten wie eine Wand. Ohne großartige fußballerische Fähigkeiten, aber mit viel Ruhe und enormer Kompromisslosigkeit hat sich „Papa“ in die Herzen der Dortmunder Fans gespielt und sich zu so manchem Albtraum für den Gegner entwickelt.

Veröffentlicht am 27. September 2016 von

Dass Sokratis überhaupt noch beim BVB ist, hat womöglich viel mit dem neuen Trainer Thomas Tuchel zu tun. Unter Jürgen Klopp war der robuste Grieche meist noch der erste Ersatzspieler sollte ein Defensivmann ausfallen und musste sich regelmäßig hinter Neven Subotic, Sven Bender und Mats Hummels anstellen. „Mir hat ein Stück weit die Wertschätzung gefehlt. Ich habe, wenn ich ehrlich bin, im Sommer über einen Wechsel nachgedacht“, sagte der Grieche selbst über seine damalige Situation.

Die Gelbe Wand auf dem Platz

Dieser Moment liegt jetzt knapp 16 Monate hinter ihm. Von dieser Problematik ist nichts mehr zu spüren. Sokratis, in Dortmund auch liebevoll Papa genannt, ist unangefochtener Leistungsträger und Publikumsliebling. Kaum ein anderer verkörpert den Fußballtyp des Ruhrpottkickers so sehr wie er. Er kämpft, er beißt, er grätscht, er motzt und ist sich für nichts zu schade. Er ist einfach ein echter Typ, ein Mann wie Baum der hinter den ganzen technisch versierten Fußballern ohne Wenn und Aber abräumt.

„Er ist fast ein bisschen besessen vom Verteidigen. Er will das Tor bis zum Schluss beschützen. Und er hat Lust, Zweikämpfe zu führen“, sagt Tuchel über seinen Abwehrchef und fügt noch an: „Papa ist ein echter Spieler, ein echter Mann. Er spielt Männerfußball.“ Und das honorieren die Dortmunder Zuschauer regelmäßig mit tosendem Applaus.

Der etwas andere Fußballer

Nach dem Abgang von Mats Hummels sagte Tuchel, die verlorene Qualität auf mehrere Schultern zu verteilen. Einen großen Teil davon trägt jetzt Sokratis. Obwohl der Grieche ein ruhiger Artgenosse ist und im Gegenteil zu Hummels nie den rüffelnden Lautsprecher der Mannschaft geben wird, sagt er selbst: „Tuchel und der Verein haben mir das Gefühl gegeben, dass ich wichtig fürs Team bin. Ich spüre absolutes Vertrauen.“ Dass der Grieche nicht nur auf dem Platz nicht dem Sinnbild des modernen, und auch unter Tuchel fabrizierten, Fußballs ist, zeigt eine Schlagzeile die bereits vor ein paar Jahren Wirbel um den Griechen machte. Im Gegensatz zu vielen anderen Stars fuhr Sokratis immer im Fiat 500 beim Training vor. „Das ist eine Sache, die mich immer daran erinnert, wo ich herkomme“, erklärte der Grieche damals.

Nach dem Abgang von Hummels kommt nun der erste harte Brocken in den Signal-Iduna-Park. Mit Real Madrid wartet die erste Herkulesaufgabe für die neu formierte Viererkette und Sokratis muss das erste Mal alleine auf dem Platz zeigen, wer ab sofort der Papa ist. Der Aspekt, dass die Madrider im Moment nicht gerade ihre Bestform besitzen, wird den Dortmundern sicherlich zu Gute kommen.

Die Daten sprechen für sich

Im aktuellen Opta-Ranking liegt Sokratis nach fünf Spieltagen unangefochten an der Spitze der besten Zweikämpfer der Liga. Bisher entschied der Grieche 80% seiner Zweikämpfe für sich. Eine Steigerung von 16% im Vergleich zu letztem Jahr zeigt auch die enorme Entwicklung, die der Grieche durchlebt hat. Doch nicht nur die Zweikämpfe überzeugen. Auch seine durchschnittlich gespielten 93 Pässe pro Spiel zeigen, dass der Grieche die Rolle von Mats Hummels angenommen hat und versucht mehr Druck nach vorne zu Entwickeln.

All das zeigt, Sokratis ist in Dortmund nicht nur angekommen, sondern heimisch geworden. Und auch bei den Anhängern ist er nicht mehr wegzudenken und kann sich selbst den Legendenstatus erarbeiten, als echter Ruhrpottkicker unter den vielen modernen Technikfußballern. Auch seine jetzt bunten, und nicht mehr schwarzen, Fußballschuhe werden diesen Weg nicht erschweren.


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Datum: 27. September 2016
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