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Fußball - Portrait Özil

Mesut Özil: Der „Magier“ ist zurück

Foto: gettyimages

Weltmeister Mesut Özil ist mit 16 Torvorlagen und drei Toren zweifelsohne der herausragende Spieler der Premier League. Er konnte aber nicht nur bei seinen Torbeteiligungen die erwarteten Topwerte erreichen, sondern sich auch charakterlich weiterentwickeln.

Veröffentlicht am 07. Januar 2016 von

Bis Mesut Özil den Saisonrekord (20 Vorlagen) von Thierry Henry knackt, ist es nur noch eine Frage der Zeit. Trainer Arsene Wenger bezeichnete ihn kürzlich als „besten Spieler der Premier League, der reifer geworden ist und viel mehr Verantwortung übernimmt“.

Özil ein Familienmensch

Dabei begann beim in Gelsenkirchen geborenen Deutsch-Türken die Karriere wie im Bilderbuch. Als typischer „Pöhler“, also als Straßenfußballer, wie solch einer im Ruhrgebiet genannt wird. „Wir haben damals auf engstem Raum auf einem alten Bolzplatz gekickt – da hat alles angefangen“, berichtet er gegenüber der „SportBild“.

Privat ist Özil ein Familienmensch. Der ehemalige Schalker hat noch drei weitere Geschwister: Den Jüngeren Bruder Mutlu und seine beiden Schwestern Nese und Duygu. Insbesondere zu seiner Mutter Gülizar pflegt der 27-Jährige ein enges Verhältnis: „Ich verehre, respektiere und liebe meine Mutter. Sie besucht mich häufig in London. Dann kocht sie für mich und wir reden viel miteinander“, sagt er gegenüber der „Hamburger Morgenpost“. Kinder hat er noch keine – das soll aber nicht so bleiben: „Erst einmal will ich meine Ziele als Fußballer erreichen. Und wenn ich das geschafft habe, denke ich an eine eigene Familie“, so Özil.

Von Schalke, über Bremen, nach Madrid

Nachdem er zunächst auf den Bolzplätzen Gelsenkirchens die ersten fußballerischen Gehversuche machte, stellte er sein Talent bei Rot-Weiss Essen unter Beweis, ehe er im Jahre 2005 zum FC Schalke 04 wechselte. Dort feierte er ein Jahr später sein Profidebüt in der Bundesliga. Nach Querelen mit den Schalker Verantwortlichen ging es drei Jahre später zum SV Werder Bremen. Dort schliff Trainer Thomas Schaaf den damaligen Rohdiamanten und auch Bundestrainer Joachim Löw wurde auf ihn aufmerksam und lud ihn im September 2009 erstmals zur Nationalmannschaft ein. Jene Saison, in der ihm auch sein internationaler Durchbruch gelang, weil er insbesondere bei der WM 2010 in Südafrika für Aufsehen sorgte.

Mourinho als Förderer Özils

Seine schier unglaubliche Balltechnik und seine Präzisionspässe waren wohl ausschlaggebend für keinen geringeren als Startrainer José Mourinho, der Özil damals zu Real Madrid lotste. Als Top-Vorlagengeber für Cristiano Ronaldo oder Karim Benzema blühte er regelrecht auf. Fortan nannten ihn seine Bewunderer „Magier“ oder „Zauberer“. 27 Tore und 81 Vorlagen binnen drei Spielzeiten gelangen dem 27-Jährigen wettbewerbsübergreifend. Die Zahlen sprechen für ihn.  Auch Titel sprangen für den Deutsch-Türken im Laufe der Jahre heraus: Mit Werder Bremen gewann er den DFB-Pokal und in Madrid feierte er die Meisterschaft und ebenfalls den Pokalsieg.

Mourinho formte aus Özil einen Weltklassespieler und machte ihn zu einem unverzichtbaren Teil des königlichen Starensembles. Als der Portugiese nach der Saison 2012/2013 entlassen wurde, übernahm Carlo Ancelotti den Posten des Cheftrainers und Özil wechselte am letzten Transfertag über Nacht und für die meißten völlig unerwartet zum FC Arsenal für eine Ablöse von satten 50 Millionen Euro.

Der „Magier“ scharf in der Kritik

Mit der stetig gestiegenen Aufmerksamkeit und dem Wechsel in die englische Premier League wuchsen seine Kritiker ebenfalls kontinuierlich: Zu lethargisch, mangelnde Körpersprache, zu sensibel sei er. Und in den wichtigen Spielen verstecke er sich – geschweige er könne solche Spiele mit seiner Klasse alleine entscheiden. Der einstige „Magier“ konnte dem Erwartungsdruck zunächst nicht standhalten. In den ersten beiden Jahren in London standen zwölf Tore und 23 Assists zu Gute – zu wenig für einen Spieler seiner klasse, finden die Beobachter. Unter anderem hatte Manchester-United-Legende Paul Scholes den Arsenal-Star als Mitläufer bezeichnet. „Ein weiteres Spiel von Özil, eine weitere verpasste Chance, den Unterschied auszumachen. (…) Wie lange muss Arsenal noch darauf warten, dass er mal ein enges Spiel entscheidet, entgegen aller Wahrscheinlichkeiten?“, hieß es weiter in seiner „Independent“ Kolumne.

Und dann kommt auch noch das Verletzungspech hinzu: Im Oktober 2014 zog Özil sich einen Innenbandriss im Knie zu, welche den 27-Jährigen zu einer dreimonatigen Zwangspause zwingt. Doch diese Unterbrechung hat bei Özil offenbar einen Schalter umgelegt: „Ich bin jetzt der Erste, der beim Training ist und der Letzte, der geht. Das war früher einmal anders herum, sagt er im Frühling 2015 gegenüber der „Hamburger Morgenpost“.

Özil hat seine Magie zurück

„Jetzt trainiere ich so hart und verbissen, wie noch nie in meinem Leben. Ich habe ein Kilo an Muskelmasse zugelegt, weil ich täglich in den Kraftraum gehe. Nach jedem Training gehe ich zudem ins Kaltwasser. Das ziehe ich durch. Da gibt es auch keine Ausreden mehr“, heißt es weiter.

Özil legte den Grundstein für seine derzeitige Topform schon im vergangenen Frühjahr. Wer seine Spiele beobachtet stellt aber zwangsläufig fest, dass er nicht nur körperlich, sondern auch charakterlich zulegen konnte. Er sucht mehr Torabschlüsse, kämpft aufopferungsvoll für seine Mannschaft und zeigt eine herausragende Körpersprache über die volle Distanz einer Hinrunde. In dieser Form wird er nicht nur den Vorlagenrekord der Premier League überbieten, sondern seine Mannschaft auch zur Meisterschaft führen.


Schlagworte: Aktuelle Slidermeldung, Arsene Wenger, Bundesliga, FC Arsenal, FC Schalke 04, Gelsenkirchen, Jaochim Löw, Mesut Özil, Premier League, Real Madrid, SV Werder Bremen, Thierry Henry, WM 2010

Artikelinformationen


Datum: 07. Januar 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Fabio Löber
Korrektur: Caro Simon


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