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Sportlerportrait

Pia Engelberty – eine Ausnahmesportlerin im Portrait

Quelle (gettyimages), Foto (Cristof Koepsel)

Eine großartige deutsche Sportlerin sagt auf Wiedersehen – Pia Engelberty verabschiedet sich aus dem internationalen Voltigiersport. Ein Rückblick auf die bewegte Karriere der sympathischen Doppelvoltigiererin.

Veröffentlicht am 10. März 2016 von

(Hannover) Die Westfalenhalle tobt. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, wie man sie im Reitsport nur bei einem Voltigierwettkampf erleben kann. Das deutsche Ausnahme-Paar Pia Engelberty und Torben Jacobs liefert in Dortmund wieder einmal eine gelungene Kürvorstellung ab. Nur eines ist diesmal anders – es soll ihr letzter gemeinsamer Auftritt auf internationalem Parkett werden. Pia Engelberty beendet ihre Karriere als aktive Voltigiererin im Hochleistungssport.

Auf den ersten Blick wirkt Pia Engelberty wie das ganz normale Mädchen von nebenan. Die 25-Jährige ist freundlich, aufgeschlossen, wirkt stets entspannt. Nur eines unterscheidet sie von so vielen anderen. Mit nur 25 Jahren hat die Kölnerin bereits eine traumhafte Karriere als Voltigiererin auf Championatsebene zu verbuchen.

Karrierebeginn als Einzelvoltigiererin

2011 findet ein Umbruch in der Welt der deutschen Voltigierer statt. Viele erfolgreiche Sportler ziehen sich vom internationalen Parkett zurück – und geben somit die Bühne frei für den deutschen Nachwuchs. Glück auch für Pia Engelberty, die als Außenseiterin kommt und sich sofort als Zweite im Einzelvoltigieren der Damen behaupten kann. Zu diesem Zeitpunkt wird sie bereits seit 10 Jahren von der Voltigierikone Kai Vorberg trainiert. „Er ist zehn Jahre lang mein Trainer gewesen, das was ich bis dahin hatte, ist von ihm. Als Einzelvoltigierer ist man sehr auf sich selbst gestellt.“, so Engelberty damals im Interview mit der Zeitung „Welt am Sonntag“.

Zeit für einen Umbruch

Doch Vorberg verlagert seinen Wohnort von Köln nach Warendorf. Pia studiert in Köln Sport, Biologie und Sozialwissenschaften auf Lehramt und bleibt somit ohne den langjährigen Trainer in ihrer Heimatstadt zurück. Sie ist nun auf sich allein gestellt. Die Longenführerin habe nicht die Aufgabe eines Trainers, eher würden sich die Sportler untereinander coachen, sagt die Pferde-Akrobatin damals.

Glückliche Fügung

Pia glaubt 2012 nicht, an ihre Erfolge des vergangenen Jahres anknüpfen zu können und entscheidet sich gegen den Weg zur Sichtung für die Europameisterschaft im Einzelvoltigieren der Damen. Torben Jacobs geht es ähnlich. Auch bei seinem Karriere-Debut 2011 schien das Glück auf seiner Seite gewesen zu sein. Als er für sein Studium nach Köln zieht, schlägt Bundestrainerin Ulla Ramge ein gemeinsames Training für die Disziplin des Doppelvoltigieren (Pas de Deux) vor. Die Beiden kennen sich zu diesem Zeitpunkt bereits flüchtig und sind sich auf Anhieb sympathisch.

Der Beginn einer gemeinsamen Karriere

Torben Jacobs hat zu diesem Zeitpunkt bereits Erfahrungen im Doppelvoltigieren und kann bereits einen Titel als Europameister verbuchen. Von Anfang an nehmen die Beiden das Training mit einer gesunden Gelassenheit, trainieren wann und wo immer es passt – zumeist „trocken“, ohne Pferd. Sie sammeln Ideen, sehen sich viel auf YouTube an. Die erste gemeinsame Kür entsteht. Pia und Torben können auf viele gemeinsame Erfolge zurückblicken, so werden sie zum Beispiel 2013 bei den Europameisterschaften in Ebreichsdorf dritte.

Freundschaft im Sport

Auch abseits des Zirkels kommen die beiden gut miteinander klar. „Wir sind uns sehr ähnlich (…). Wir sind beide sehr perfektionistisch (…), das kann für unseren Trainer schon mal anstrengend werden.“, berichtet die 25-Jährige lachend im Interview anlässlich der Europameisterschaften 2015. Die Freundschaft, die die beiden verbindet, mag auch das Erfolgsrezept des Pas de Deux-Paares sein, denn die Karrierehighlights des Engelberty-Jacobs-Gespanns lassen sich kaum an zehn Fingern abzählen.

Die Jahre 2014 und 2015 – ein Erfolg der seinesgleichen sucht!

2014 geht das Dreamteam bei den „World Equestrian Games“, der Weltmeisterschaft des Reitsports, in Caen an den Start – und kommt mit einer Silbermedaille nach Hause. 2015 knüpfen die Beiden nahtlos an ihre Erfolge an, gewinnen, vor einem tosenden Publikum, mit ihrer, vom Film „Twilight“ inspirierten, Kür EM-silber in Aachen. Ihre Favoritenrolle bestätigen sie auch mit Gold in Alsfeld und können sich damit nicht nur Vizewelt- und –europameister, sondern auch Deutsche Meister im Doppelvoltigieren nennen.

Ein letztes Mal gemeinsam – der emotionale Abschied in Dortmund

Das Weltcupfinale in Dortmund ist der letzte gemeinsame Start auf Championatsparkett für das deutsche Erfolgspaar. Ein letztes Mal zeigen sie ihre Vampirkür, die ihnen unter anderem zum Titel der Vizeeuropameister verhalf. Und es soll ein schöner Abschied werden, denn alles läuft nach Plan. Das Publikum tobt, wird mitgerissen von der Stimmung, die das sympathische Duo zu verbreiten scheint, wo immer sie auftauchen. Mit einem Hauch von Wehmut hatte Pia zuvor verkündet, sie wolle ihn genießen, diesen letzten großen Auftritt. Und das tat sie! Mit einem Weltcup-Sieg versüßen sich die Beiden ihren Abschied. Torben Jacobs bleibt dem deutschen Voltigiersport jedoch erhalten.

Und was nun?

Bevor Pia ihr Referendariat antritt wird sie sich ihrer zweiten Passion neben dem Pferdesport widmen und als Skilehrerin in Kitzbühel arbeiten. Pia kann auf eine außergewöhnlich erfolgreiche Karriere zurück blicken. Sie geht nicht zuletzt als Vizewelt- und Europameisterin, sondern vor allem als eine sympathische Sportlerin, die der deutsche Voltigiersport so schnell sicher nicht vergessen wird.


Schlagworte: Doppelvoltigieren, Kai Vorberg, Pas de Deux, Pia Engelberty, Torben Jacobs, Voltigieren, Weltcup Voltigieren

Artikelinformationen


Datum: 10. März 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Maya de Wall


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