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Rassismusdebatte – Der Sport positioniert sich

Einige Zeit ist nun vergangen, seitdem George Floyd in den USA aufgrund von Polizeigewalt ermordet wurde. Viele Sportler, unter anderem Fußballer, haben sich in der entfachten Rassismusdebatte klar positioniert. Auch aufgrund des anstehenden NBA-Restarts könnte nun ein neuer Schwung in die Thematik gebracht werden.

Veröffentlicht am 30. Juli 2020 von

(Orlando.) Neben „Corona“ gab es kaum einen Begriff, welcher die Medienwelt in den vergangenen Wochen so beherrscht hat wie das Thema Rassismus. Viele prominente Persönlichkeiten haben ihre Reichweite dafür genutzt, um auf das Problem, welches nach wie vor in der Gesellschaft herrscht, aufmerksam zu machen. Der Engländer Jadon Sancho war dabei einer der ersten Sportler, der sich nach den Geschehnissen um George Floyd während eines Wettkampfes positioniert hat. Im Bundesligaspiel gegen den SC Paderborn präsentierte der Spieler von Borussia Dortmund nach einem Tor ein Unterhemd mit der Aufschrift „Justice for George Floyd“. Auch Weston McKennie vom Erzrivalen Schalke 04 trug im Spiel gegen Werder Bremen eine Kapitänsbinde, auf welcher die Worte „Justice for George“ zu lesen waren. Zwar wurde er vom Schiedsrichter darum gebeten, diese abzulegen, doch nach dem Spiel erklärte er gegenüber sportschau.de, warum er dies ablehnte. „Das ist sehr wichtig für mich. Ich bin Sportler, klar, aber zuerst bin ich Mensch“. Wenn es also um Dinge abseits vom Sport geht, lässt sich feststellen – in den Farben getrennt, in der Sache vereint. Selbst der DFB, welcher in seinen Statuten politische Äußerungen untersagt, hat nach heftiger Kritik zurückgerudert und angekündigt, doch keine Strafen aussprechen zu wollen.

Wird Vielen nun die Angst vor Konsequenzen genommen?

Die aktuelle Debatte kann möglicherweise demnach dafür sorgen, dass mehr Athleten den Mut finden, sich an Protestaktionen zu beteiligen. Um zu erkennen, dass die Sorge in der Vergangenheit berechtigt war, genügt ein Blick in die USA. Der ehemalige NFL-Spieler Colin Kaepernick entschied sich bereits 2017 dazu, aufgrund von Polizeigewalt gegenüber Dunkelhäutigen während der Nationalhymne aufs Knie zu gehen – für viele Menschen in den Amerikanischen Staaten eine Respektlosigkeit gegenüber der Flagge. Die Folge: Er wurde entlassen und ist bis heute bei keinem neuen Team unter Vertrag genommen worden. „Ich weiß, dass meine Aktion Konsequenzen haben wird“, sagte er damals, jedoch könne er nicht in den Spiegel schauen und zusehen, wie Menschen sterben, die dieselben Chancen wie er verdient gehabt hätten. Zuspruch bekam er von Spielerseiten, viele Stimmen wurden lauter, man solle ihm seinen Job zurückgeben. Doch so denken beileibe nicht alle. US-Präsident Donald Trump äußerte sich einst auf einer Wahlkampfveranstaltung wie folgt: „Wäre es nicht toll, wenn die NFL-Besitzer zu denen, die unserer Flagge keinen Respekt zollen, sagen: Runter vom Feld mit dem Hurensohn! Sofort. Raus. Er ist gefeuert!“ Umso überraschender kam seine Kehrtwende nach der George Floyd-Debatte. „Er verdient es“, so seine Antwort auf die Frage einer TV-Station in Washington D.C. über eine mögliche Rückkehr Kaepernicks.

Weitere Proteste zum NBA-Restart?

Auch der am 30. Juli erwartete Restart in der amerikanische Basketballliga NBA wird von Protesten gegenüber Rassismus begleitet werden. Superstar LeBron James sagte am Rande eines Testspiels vor gut zwei Wochen gegenüber einer Reporterin folgendes: „Ich will das Licht weiterhin auf Gerechtigkeit für Breonna Taylor scheinen lassen. Wir wollen, dass die Polizisten verhaftet werden, die dieses Verbrechen begangen haben.“ Zuvor hatte James bereits über Social-Media seine Wut und Trauer über ihren Tod zum Ausdruck gebracht.

Taylor, ebenfalls dunkelhäutig, wurde im März nach einem Polizeieinsatz unbewaffnet erschossen. Ihr Tod sorgte aber erst gut zwei Monate später für Aufsehen, nachdem Ermittlungen gegenüber der Polizei begonnen haben. Die NBA kündigte bereits an, ihre Spieler bei möglichen Protesten unterstützen zu wollen, auch die Hallenböden werden statt Sponsoren mit der Schrift „Black Lives Matter“ versehen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bestimmte Schriftzüge anstelle des eigenen Namens auf das Trikot zu bringen – ähnlich verfährt im Übrigen die WNBA, Basketballliga der Damen, welche den Spielbetrieb bereits wieder aufgenommen hat.

Schmaler Grat zwischen Sport und Protest

In Zukunft bleibt abzuwarten, inwiefern weitere Sportveranstaltungen dazu genutzt werden, um politische und gesellschaftsrelevante Themen zu thematisieren und anzusprechen. Im nächsten Jahr bietet sich mit der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen die nächste große Bühne. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, ist derweil darum bemüht, den Sportlern Protestmöglichkeiten einzuräumen, ohne jedoch den Sport zu vernachlässigen. Auf einer Pressekonferenz sagte er: „Die IOC-Athletenkommission steht im Dialog mit ihren Kollegen und den Athleten aus der ganzen Welt, um herauszufinden, wie Athleten ihre Unterstützung auf würdige Weise zum Ausdruck bringen können“.

Wie denken die Zuschauer – Ist bestimmter Protest erlaubt und sollte auf Themen wie Rassismus während Sportveranstaltungen aufmerksam gemacht werden?

Fynn Salam, Sportjournalismus & Sportmarketing (BA-SJ-14-H-VZ, Sportlehrredaktion)

Quellen:

https://www.ndr.de/sport/mehr_sport/Rassismus-Debatte-Starke-Zeichen-aus-dem-Sport,rassismus172.html

https://www.eurosport.de/american-football/nfl/2020-2021/vier-jahre-nach-dem-kniefall-gebt-kaepernick-seinen-job-zuruck_sto7773035/story.shtml

https://www.ran.de/us-sport/nfl/nfl-news/ploetzliche-kehrtwende-trump-unterstuetzt-kaepernick-151015

https://www.esslinger-zeitung.de/inhalt.ioc-haelt-an-richtlinien-fest-hohes-gut-mehr-athleten-meinungsfreiheit-bei-olympia.e37f8b5f-d501-4437-b252-9b8f832d3f3e.html

https://www.tagesspiegel.de/sport/proteste-im-us-basketball-wie-sich-nba-und-wnba-mit-black-lives-matter-solidarisieren/26036256.html


Schlagworte: Basketball, Colin Kaepernick, DFB, Donald Trump, Fußball, George Floyd, Jadon Sancho, LeBron James, NBA, NFL, Olympia, Polizeigewalt, Rasissmus, Thomas Bach, USA, Weston McKennie

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Datum: 30. Juli 2020
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