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Ride for Olivia

rideforolivia

#rideforolivia – ein Hashtag zu ehren der verstorbenen 17-Jährigen Vielseitigkeitsreiterin Olivia Inglis geht um die Welt. Doch Reiter aus aller Welt sind sich einig: dieser tragische Unfall darf nicht das Ende des Vielseitigkeitssports bedeuten.

Veröffentlicht am 18. April 2016 von

Olivia ist ein ganz normales australisches Mädchen. Sie stammt aus einer der größten Reiter-Dynastien Australiens, wird trotz ihres jungen Alters als eine der größten Zukunftsofferten des Vielseitigkeitssports gehandelt. Olivia gilt als außerordentlich talentiert, kann mit ihren 17 Jahren schon große Erfolge im Reitsport vorweisen. Am 6. März 2016 reitet sie als vierte Starterin in den Geländeparcours der Scone Horse Trias ein – eines der größten Events für die besten australischen Vielseitigkeitsreiter. Olivia ist routiniert, eine erfahrene Reiterin. Alles läuft nach Plan, mit gewohnter Übersicht bewältigt die 17-Jährige den Parcours. Bis sie das achte Geländehindernis erreicht. Ihr Pferd Coriolanus stolpert, bleibt am Hindernis hängen und begräbt seine Reiterin unter sich.  Für Olivia kommt jede Hilfe zu spät. Ihre Familie sitzt auf der Zuschauertribüne, muss hilflos zusehen, wie ihre Tochter stirbt. Anders als im Springreiten werden im Geländeparcours der Vielseitigkeit feste Hindernisse überwunden. Machen Reiter oder Pferd einen Fehler und können das Hindernis nicht wie geplant bewältigen, besteht ein wesentlich höheres Risiko, dass dieser Fehler tragische Folgen mit sich zieht.

Kritik an der Vielseitigkeit

Der Name Olivia Inglis ist nun ein weiterer auf der Liste all jener Reiter, die im Vielseitigkeitssport ihr Leben lassen mussten. Sie alle gingen zu früh. Jeder Unfall macht wieder deutlich, wie gefährlich der Reitsport auch für erfahrene Reiter und Pferde werden kann. Nach Olivias Tod hallt erneut ein Aufschrei durch die internationale Presse: Der Vielseitigkeitssport müsse verboten werden, sei zu gefährlich, heißt es von vielen Kritikern.

#RideForOlivia

Erstaunlich ist, das gerade von denjenigen, deren Rufe gegen den Sport am lautesten seien müssten, eine gegenteilige Reaktion kommt. Olivias Familie ruft kurz nach dem Tod der geliebten Tochter Reiter und Pferdeliebhaber aus aller Welt dazu auf, unter dem Hashtag #rideforolivia Bilder von sich und den Vierbeinern zu posten. Aus den Bildern soll ein Mosaik entstehen, das Olivia und ihren Coriolanus zeigt. Und die Reaktionen sind überwältigend. 20 Millionen Reiter aus aller Welt beteiligen sich, unter ihnen auch viele Stars der internationalen Reiterszene. Sie alle bekunden ihr Beileid, sind sich einig, Olivia musste die Welt zu früh verlassen. Ja, der Reitsport, insbesondere der Bereich der Vielseitigkeit soll sicherer werden, doch den Sport abzuschaffen sei der falsche Weg, heißt es von Reitern, Sportfunktionären und Angehörigen der Opfer von tragischen Unfällen im Reitsport. Die Kritiker sind wie so oft diese, die den Sport nicht selbst erleben.

Der Fall Benjamin Winter

Olivia Inglis‘ tragischer Tod ist leider kein Einzelfall. Vielen deutschen Reitern rufen diese schrecklichen Geschehnisse den Name Benjamin Winter ins Gedächtnis. Der damals 25-Jährige Sportsoldat aus Warendorf verliert bei einem Unfall im Geländeparcours in Luhmühlen am 14. Juni 2014 sein Leben. Am zwanzigsten Hindernis stürzt Ben. Die deutsche Pferdewelt zeigt sich in tiefer Trauer. Die Fahnen hängen in Luhmühlen auf Halbmast, er herrscht eine bedrückende Stimmung. Und doch entscheiden sich Reiter und Offizielle anders als bei Olivia Inglis‘ Tod, das Turnier fortzusetzen – für Ben. Man ist sich einig: so hätte er es sich gewünscht. Bewegende Bilder gehen nach der Trauerfeier für Benjamin Winter durch die Presse, man sieht seinen Wallach Ispo am Grab des jungen Reiters, auch er nimmt Abschied von seinem Sportpartner. Doch auch Bens Familie zeigt sich anders, als es Kritiker des Sports erwarten. Von Anfang an machen sie klar, der Vielseitigkeitssport soll hier kein Ende finden. Mit einer Stiftung im Namen ihres Sohnes ermöglichen sie die Optimierung der Sicherheit in der Vielseitigkeit.

Reiter sind sich einig: Es muss weiter gehen

Sowohl im Fall Olivia Inglis als auch bei Ben Winter galten die Geländestrecken als angemessen gebaut, vor ihnen überwanden Reiter den Parcours bereits problemlos. Es waren unglückliche Zufälle, die leider ein tragisches Ende finden mussten. Doch Reiter, Offizielle und Familien sind sich sicher: Sie reiten weiter. Für Olivia, für Ben und für all die anderen Menschen, die für ihren Sport lebten und doch durch ihn sterben mussten.


Schlagworte: #rideforolivia, Benjamin Winter, Olivia Inglis, Reitsport, Vielseitigkeit

Artikelinformationen


Datum: 18. April 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Maya de Wall


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