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Rosberg bringt die Tifosi zum Singen

Quelle: gettyimages

Mercedes stellt das Nonplusultra dar, das Gesamtpaket ist unter normalen Umständen nicht zu schlagen. Doch Ferrari im Heimrennen mobilisiert alle Kräfte, auch diejenigen welche sie selbst nicht beeinflussen können. Die Ferraristi machen aus dem Grand Prix von Monza unabhängig des Ausgangs ein Spektakel.

Veröffentlicht am 04. September 2016 von

Hannover. Am Vortag in der Qualifikation noch der alles überstrahlende Sieger, muss sich Lewis Hamilton nach dem vollkommen verpatzten Start den Vorwurf gefallen lassen, den Sieg weggeworfen zu haben. Größter Nutznießer war ausgerechnet sein ärgster Konkurrent Nico Rosberg, der auf zwei Punkte in der WM verkürzt. Ferrari erreicht das Mögliche und sichert sich mit den Plätzen drei und vier das höchste der Gefühle. Für die Tifosi trotzdem ein Grund zum Feiern.

Vom Start weg der Verlierer

Weltmeister Lewis Hamilton beim Start alles andere als weltmeisterlich. Nicht zum ersten Mal in der Saison verspielt der Brite durch einen schlechten Start viele Punkte. Mit durchdrehenden Reifen kam der Engländer kaum vom Fleck und musste mit ansehen, wie nicht nur Rosberg sondern auch gleich Vettel, Räikkönen und Ricciardo an ihm vorbeizogen. „Der Start war mein Fehler, sorry, ihr könnt nichts dafür“, sagte Hamilton und nahm die Schuld dafür komplett auf sich. Nicht immer typisch für einen Rennfahrer, aber laut Toto Wolff gängige Praxis im Team Mercedes. Somit musste die Nummer 44 vom Start weg einem Rückstand hinterherfahren. Ein Moment der die Fans auf den Rängen explosionsartig von ihren Sitzen riss und hoffen ließ vielleicht doch um den Rennsieg mitfahren zu können. Vorne setzte sich Nico Rosberg aber schnell vom Rest des Feldes ab, während Hamilton sich langsam durch das Feld pflügen musste.

Nasr mit Materialtest an Palmer

Im hinteren Feld ereignete sich nach dem Start nicht mehr all zu viel, allein Felipe Nasr fiel durch ein vollkommen überstürzten Überholversuch auf. Ließe er dem Renaultpiloten Palmer mehr Platz hätte der Versuch auch glücken können, durch die zu aggressive Methode aber kollidierten die beiden Fahrer und verhakten sich an den Reifen. Beide konnten vorerst noch weiterfahren, mussten im späteren Verlauf aber die Boliden abstellen. Vorne kamen die ersten strategiebedingten Probleme auf Ferrari zu. Die weicheren roten Slicks bauten immer mehr ab, so dass ein Stopp immer näher rückte, ein Problem welches Mercedes auf den gelben Reifen hinausgezögerten konnte. Durch einen Undercut in der Strategie wollte Ferrari die Mercedes jedoch unter Druck setzen, schlussendlich blieb dies Vorhaben aber ohne Erfolg.

Alles geklärt nach der Mitte des Rennens

Nachdem alle Fahrer mindestens einmal an der Box waren, kristallisierte sich immer mehr die Dominanz des Teams aus Deutschland heraus. Mercedes dominierte von vorne weg das Geschehen und ließ nichts mehr anbrennen, auch wenn sich die Tifosi auf den Rängen aufgrund der am Ende härteren Reifen der Silberpfeile noch Chancen ausrechneten. Doch auch auf den härtesten Reifen des Wochenendes blieb der Speed erhalten und es wurde von der Spitze aus das Tempo diktiert. So fuhr sich Nico Rosberg auch zwischenzeitlich einen Vorsprung von über elf Sekunden heraus. Ab dem Zeitpunkt ging es einzig und allein um die Positionen ab Rang fünf, denn auch Ferrari war für den Rest des Feldes zu dominant.

Red Bull mit Schadensbegrenzung

Mit Ende der Europasaison wollte Red Bull den Verlust von Punkten klein halten und mit einem Vorsprung in der Konstrukteurswertung auf Ferrari nach Asien reisen. Durch ein geschicktes Überholmanöver zum Ende des Rennens von Ricciardo sicherte sich der Rennstall um Christian Horner diesen auch. „Beide Fahrer haben gute Arbeit geleistet, das ganze Wochenende hat sich nur um Schadensbegrenzung gedreht“, gab Horner zu verstehen, „fünfter und siebter sind wir geworden, fünfter und sechster wäre das Optimum gewesen“. Am Ende konnte der Sieger nur Mercedes heißen, ob der Reihenfolge im Ziel, bestand zumindest bis gestern kein Zweifel. Wohl einzig allein Nico Rosberg durfte noch an seine Chance geglaubt haben.

Tifosi feiern ausnahmsweise mit einem Nicht-Ferrari

Auf der anschließenden Siegerehrung durfte man Zeuge eines außergewöhnlichen Schauspiels werden. Normalerweise werden die Fahrer der anderen Teams nicht unterstützt oder sogar ausgebuht, nicht aber bei Nico Rosberg. Als dieser sich abschließend bedankte für das Wochenende in Italien, schaffte es der Deutsche in Mercedeskluft, die Ferraristi zum Singen zu animieren. „Die Tifosi sind echt einzigartig, natürlich unterstützen sie die Ferrari, aber auch ich habe sehr viel Unterstützung bekommen“, zeigte sich Rosberg berührt, „der Schlüssel zum Sieg war aber ganz klar der Start“. Ein krönender Abschluss den fast niemand erwartet hatte.

Vorläufiges Rennergebnis in Monza:

1. Nico Rosberg; 2. Lewis Hamilton; 3. Sebastian Vettel; 4. Kimi Räikkönen; 5. Daniel Ricciardo; 6. Veltteri Bottas; 7. Max Verstappen; 8. Sergio Perez; 9. Felipe Massa; 10. Nico Hülkenberg

11. Romain Grosjean; 12. Jenson Button; 13. Esteban Gutierrez; 14. Fernando Alonso; 15. Carlos Sainz; 16. Marcus Ericsson; 17. Kevin Magnussen; 18. Esteban Ocon; 19. Daniil Kvyat (Ausfall); 20. Pascal Wehrlein (Ausfall); 21. Jolyon Palmer (Ausfall); 22. Felipe Nasr (Ausfall)

Fahrerwertung:

1. Hamilton 250; 2. Rosberg 248; 3. Ricciardo 161; 4. Vettel 143; 5. Räikkönen 136; 6. Verstappen 121; 7. Bottas 70; 8. Perez 62; 9. Hülkenberg 46; 10. Massa 41;

11. Alonso 30; 12. Sainz 30; 13. Grosjean 28; 14. Kvyat 23; 15. Button 17; 16. Magnussen 6; 17. Wehrlein 1; 18. Vandoorne 1


Schlagworte: Ferrari, Ferraristi, Formel 1, Italien Grand Prix 2016, Mercedes, Monza, Nico Rosberg, Tifosi

Artikelinformationen


Datum: 04. September 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Marcel Musielak


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