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Fußball

Abstieg nach 14 Jahren Bundesliga

Saisonrückblick Hannover 96

Nach 14 Jahren in der ersten Liga steigt Hannover 96 in die zweite Liga ab. Für viele Fans ist das kein Weltuntergang und bietet nach der abgelaufenen Saison eine große Chance.

Veröffentlicht am 01. Juni 2016 von

Back to the Future. Nach der letzten Protestsaison, die größtenteils in der Regionalliga bei der zweiten Mannschaft von Hannover 96 verbracht wurde, kehrte die aktive Fanszene mit breiten Schultern, gewonnenen Freiheiten und neuem Liedgut vollends in das Niedersachsenstadion zurück.

Misswirtschaft und Ahnungslosigkeit

Dass am Ende der 120 Jahre-Hannoverscher Sportverein-Jubiläumssaison der fünfte Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte frühzeitig feststehen sollte, hätten im Gegensatz zu Experte Lothar Matthäus, in Hannover nur die Wenigsten erahnen können. Am wenigsten wohl das 96-Management, dass den bereits entlassenen Sportdirektor Dirk Dufner noch den Kader für die Saison zusammenstellen ließ. Den letzten Schritt in der langen Misswirtschaft rund um den Kader, wurde dann durch Präsident Martin Kind und seinen neuen Führungsstab, inklusive neuem Trainer, in der Winterpause vollzogen.
Es zeigte sich, dass Meister-Trainer Schaaf, dem Großes zugetraut wurde, ebenso wie sein Wunschspieler Hugo Almeida maximal bei “50 bis 60 Prozent” agierte. Almeida sorgte zumindest für ein wenig Glamour, als er zur Vertragsunterschrift locker im Mickey Mouse Pullover erschien. Über die Länge der Spielzeit zeigte sich die Mannschaft immer wieder als nicht wettbewerbsfähig. Mutlos, kraftlos, hoffnungslos wurde Spiel um Spiel verloren.

Ein Funken Hoffnung in der Hinrunde

Dabei konnten in der Hinrunde tatsächlich noch ein paar Spiele gewonnen werden.In einer absolut grausamen Partie beim 1. FC Köln bugsierte Fanliebling Leon Andreasen so dermaßen unübersehbar mit der Hand den Ball über die Linie zum Sieg, dass es kaum zu glauben ist, dass tatsächlich ein Bundesliga-Schiedsrichter diese Aktion nicht erkennen konnte. Der Nachgang dieses Spiels gegen die Dom-Truppe sorgte dann dank dem Tor für einige Handball-Trainingseinheiten und anschließende Social Media – Kämpfe mit der Twitterseite des FC Köln.
Die Mannschaft um Trainer Frontzeck hielt sich nach kurzzeitigem Absturz bis zum 16. Spieltag kurz vor den Abstiegsrängen. Nach der medialen Verkündung des Wunsches einer Entlassung, zog der erfolglose Trainer selbst die Reißleine und verließ den Verein weniger als einem Jahr Amtszeit. Thomas Schaaf sollte es schaffen noch erfolgloser zu sein als sein Vorgänger.

Trauer auf dem Platz – Party auf den Rängen

Am 27. Spieltag kam es zum entscheidenden Duell gegen die Abstiegskonkurrenz aus Frankfurt. Die DFL entschied sich dazu, das Gipfeltreffen der spielschwächsten Teams als Topspiel der Woche auszuwählen, waren die Reiseplaner der Fans gefragt. Mit Autos reiste der Großteil der Auswärtsfahrer nach Kassel, um von dort mit den Regionalzügen nach Frankfurt zu reisen. Anreisen solcher Art bringen immer ein großes Stresspotenzial mit sich. An diesem Samstag-Abend lief allerdings alles ohne Probleme. Frohen Mutes betraten ca. 700 Fans aus Hannover die Commerzbank-Arena, um ihn nach dem Spiel bald sprachlos wieder zu verlassen. Nach 34 Minuten hatte die Eintracht aus Frankfurt bereits zum 1:0 getroffen und die Mannschaft von Hannover 96 machte nicht ansatzweise Anzeichen einen Ausgleich erzielen zu wollen. Der absolute Tiefpunkt für alle. Die Unterstützung auf den Rängen wurde daraufhin erstmal komplett eingestellt. Auch dem letzten Optimisten war wohl klar: dieses Jahr geht es runter. Nach Abpfiff schlich die Reisegruppe aus Hannover bedrückt wieder nach Hause. Die stumme Reaktion scheint im Nachhinein für die meisten Fans immer noch gerechtfertigt. Als Fan muss man sich auch mal von Gefühlen lenken lassen und doch stand unterm Strich das Eingestehen einer Niederlage und gleichzeitig das Fallenlassen der eigenen Mannschaft. Kein Untergang mit wehenden Fahnen, sondern das gefühlte Ende der Fahnenstange. Das Spiel in Frankfurt und der Verzicht auf Unterstützung sollte eine Exklusivität der Saison bleiben.
Den Rest der Saison lieferten die Fans ein immer stärker werdendes Kontrastprogramm auf den Rängen ab. Für Spaß oder Missmut sorgten die Fans zur Not selbst oder nutzen jegliche Späße von anderen Akteuren rund um das Fußballwochenenden. Eine unbändige Wasserschlacht in Mainz, süffisante und ausgelassene Stimmung auf der 15-Jahre-Ultras Hannover-Party, eine direkte Rückreise aus Gladbach ohne das Stadion auch nur gesehen zu haben, eine nächtliche Fahrt aus Gelsenkirchen durch das Ruhrgebiet, nicht zu erwartende Freudentaumel in Stuttgart und ein brillanter Freitagabend in Berlin. Als Hannoveraner galt das Motto, wenn die Mannschaft keine Freude bereitet, muss man sie sich eben selbst besorgen.

Der Richtige ist endlich gefunden

Das Spiel im Olympiastadion der Hauptstadt sollte für alle einen Wendepunkt darstellen. Zu gewinnen gab es für die Mannschaft nichts mehr, der Abstieg stand bereits fest und doch war man als Zuschauer gespannt. Unter der Woche hatte es wiederholt einen Trainerwechsel gegeben. Neu am Ruder: Ex-Stürmer Daniel Stendel. Mit 5000 Zuschauern wurde die neu zusammengesetzte Mannschaft so stark und lautstark nach vorne getrieben, dass das Feuer wahrlich auf den Platz übersprang. Der Funken entzündete am Ende sogar einen Punkt und eine sportliche Leistung, die tatsächlich Hoffnung auf die neue Saison macht. Die Gesänge der Fans hallten noch lange nach dem Ende des Spiels durch das Olympiastadion und war gleichzeitig der Beginn einer Aufbruchstimmung rund um Hannover 96. „Scheißegal in… welcher Liga, immer wieder HSV“
Erstmal mit dem Abstieg abgefunden, schienen sich nicht wenige Fans immer mehr auf die neue Liga zu freuen. Warum auch nicht? Warten statt Ingolstadt und Hoffenheim doch nun Dynamo Dresden und der ungeliebte Nachbar. Keine Frage, als Fanszene hat man sich gemessen an der sportlichen Situation als mehr als erstligareif präsentiert und wird gestärkt in die Saison gehen können.
Für ein weiteres Highlight abseits des Platzes sorgte die bereits Wochen vorher vorbereitete Jubiläumschoreographie zum Gladbach-Spiel. Eine mehrteilige Choreographie überzog die gesamte Nordtribüne des Stadions und feierte das 120-Jährige Bestehen des Hannoverschen Sportvereins. Auf dem Platz gelang passend zum Jubiläum sogar nach einer starken Leistung ein Sieg.
Das letzte Spiel der Bundesliga führte noch einmal 7000 Fans nach München. Mit einem Sonderzug, ICE’s und Bussen machten sich die Hannoveraner bereits um 4:00 morgens auf dem Weg in den Süden. Nach einem Weißbier in München, einer 3:1-Niederlage und insgesamt 23 Stunden Fahrtzeit, freuten sich die meisten, dass die Abstiegssaison nun endlich vorbei ist.
Für 500 Fans ist die Saison nach dem Wochenende in München aber noch nicht vorbei. Am Vormittag des großen DFB-Pokalabends gewinnen die A-Junioren von Hannover 96 unter Anleitung von Daniel Stendel den DFB-Pokal und liefern den Grund für eine erfolgreich entspannte Sommerpause.

Es herrscht Aufbruchstimmung in Hannover. 14 Jahre Bundesliga sind nun also vorbei. Diese letzte Saison war ein würdevoller Abschied mit ganz viel Licht und wenig Schatten, doch die Sonne geht bereits im Juli wieder auf für die Roten.


Schlagworte: 2. Bundesliga, Abstieg, Bundesliga, Fans, Hannover 96, Stendel

Artikelinformationen


Datum: 01. Juni 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Patrick Herrmann


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