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Sandro Wagner: Kopflos oder provokant?

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Profifußballer streichen Gehälter in Millionenhöhe ein. Für Sandro Wagner ist das völlig angemessen. Der Stürmer von Darmstadt 98 vertrat in einem Interview mit der Bild-Zeitung seine kontroversen Meinungen und sorgte für reichlich Zündstoff in Fußball-Deutschland. Nun prasselte bereits Unmut und Häme auf Wagner herein.

Veröffentlicht am 25. April 2016 von

(Hannover) Sein erster Fernsehauftritt nach seinem Bild-Interview im ZDF-Sportstudio wurde für Sandro Wagner vom Spießrutenlauf. Wagner, der mit Darmstadt und auch gemessen an seinen individuellen Leistungen eine ordentliche spielt, wurde von Moderator Jochen Breyer hartnäckig ausgefragt. Doch was die Wenigsten erwarteten: Wagner blieb cool.

Zuvor bei der 1:4-Niederlage seiner Lilien in Köln pfiffen ihn Fans beider Lager aus. Im Internet polterten die Menschen in den Kommentarspalten gegen den gebürtigen Münchner. Wagner hatte in der vergangenen Woche mit mutigen Aussagen für Aufsehen gesorgt. Er hält Fußballprofis für unterbezahlt.

Gehaltvolle Thesen?

„Gemessen an all dem, was man aufgibt“, sagte der 28-Jährige gegenüber der Bild, „finde ich, dass auch die bei Bayern zu wenig verdienen – selbst zwölf Millionen oder so.“ Dabei zog Wagner auch die Unterschiede zum US-Sport herbei: „Die Profis in den amerikanischen Ligen bekommen auch deutlich mehr.“ Der 1,94-Schlaks findet die hohen Gehälter gerechtfertigt, auch weil das was aktuell passiert und nach der Karriere auf die Spieler zukommt viele Unwägbarkeiten mit sich bringt.

Fußballprofis sind einem großen Druck ausgesetzt. „Jeder guckt einem auf die Finger und das auch privat“, sagt Wagner. Und nach der aktiven Karriere „stehst du oft ohne Ausbildung oder richtiges Studium da, musst wieder neu anfangen mit riesigem Aufwand. Meiner Meinung nach ist daher jeder Euro verdient.“ Dabei verallgemeinert der von vielen als mittelmäßiger Kicker verschriene Wagner die Einkommenssituation des Starensembles vom FC Bayern mit der eines Zweitligakickers. Und stößt an – verständlicherweise.

Wagner, der aus der Jugend des FC Bayern stammt, befand, dass man viel aufgeben müsse, wenn man Fußballprofi werden wolle. Der Darmstadt-Stürmer argumentierte damit, dass den jungen Spielern ihre Jugend genommen wird: „Da hast du zweimal täglich Training, kommst abends um 21 Uhr nach Hause, musst noch Hausaufgaben machen. Das ist harte Arbeit. Und das vergessen die Leute. Du hast kaum Freunde in der Jugend, kannst nicht einfach in die Disco abends. Da musst du fit sein, da hast du Spiele.“

Mit dem Erfolg kommt der Neid

Für den streitbaren Fußballer wurde der Traum vom Profifußball wohl auch wegen dieser Entbehrungen wahr. Wagner machte in München seine ersten Bundesligaspiele, wechselte ob der großen Konkurrenz nach Duisburg. Er wurde 2008 U21-Europameister – als Stammspieler. Es ging weiter zu Werder Bremen, später in die Hauptstadt zur Hertha. Nirgendwo lief es so richtig. Wagner verkam zum ewigen Talent, sein Knoten wollte nicht platzen. Seit Sommer nun spielt Wagner in Darmstadt und scheint endlich angekommen zu sein. 13 Mal traf der Angreifer bereits für die, als sicherer Absteiger gehandelten, Lilien.

Man kann nur mutmaßen, aber vielleicht ist der endlich anhaltende Erfolg Wagners der Grund für die neu aufflammende Neiddebatte. Wagner spielt gut und weckt auch die Begehrlichkeiten anderer Vereine, sogar aus der Premier League. „Wir sollten auch mal von dieser Kultur wegkommen in ganz Deutschland. In England zum Beispiel feiern die Fans, wenn du mit ’nem geilen Auto kommst. Wenn du bei uns ein gutes Auto hast, musst du es fünf Ecken weiter parken, damit keiner neidisch ist. Das finde ich lächerlich“, sagte der Senkrechtstarter der Saison.

Im Sportstudio nun wählte Sandro Wagner seine Aussagen mit Bedacht, um nicht noch mehr zur Zielscheibe von Medien und Fans zu werden. Freilich hatte er sich selber in diese Situation gebracht, ließ sich aber nicht beirren. Er stand zu seiner Meinung. Nur das mit den zwölf Millionen sei ein wenig übertrieben gewesen.


Schlagworte: Bundesliga, Eklat, Fußball, Sandro Wagner, SV Darmstadt

Artikelinformationen


Datum: 25. April 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Lars Rücker


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