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Schuhmachers Wohnzimmer als Zentrum des Spektakels

Quelle: gettyimages

Die Chance für Rosberg in der WM wieder Boden auf Hamilton gutzumachen. Die Versetzung ans Ende des Feldes für den Briten allerdings von taktischem Kalkül. Der junge Max Verstappen in seinem Fast-Heimrennen on fire, will den zahlreichen Oranjefans einen weiteren Grund zum Feiern schenken. Für Ferrari heißt es langsam an Fahrt zu gewinnen, ansonsten fährt auch Red Bull uneinholbar davon.

Veröffentlicht am 29. August 2016 von

Ein souveräner und nie gefährdeter Sieg Nico Rosbergs in Spa, der Deutsche mit der Nummer sechs distanziert seine Kontrahenten auf dem Track. Überschattet wird das Rennen von einem heftigen Einschlag Kevin Magnussens. Aus dem Traumwochende Verstappens wird wiederum nichts, zu forsch und übermotiviert zieht sich der junge Niederländer vor allem den Zorn Ferraris zu.
Hannover. Am Vortag in der Qualifikation schon wurden Stimmen laut, dass die Temperaturen ein großes Problem werden. Die Reifen lösen sich viel schneller auf und die Boliden kommen ins schwimmen. Inwiefern das alles reinspielt in die Geschehnisse des Rennens, ist Spekulation.

Der Startvorgang verlief aus Sicht der zuletzt oft gebeutelten Ferrari gut, beide Piloten kamen schnell am zweitplatzierten Verstappen vorbei, der den Start nicht optimal vollzogen hat. Auf der Zufahrt in die erste Kurve arbeitete sich der junge Niederländer jedoch auf der Innenbahn an die Ferrari ran, die zu viel Platz ließen. Beim Einbiegen in die erste Schikane schnitt der Ferrari mit der Nummer fünf zu stark in die selbige, wodurch er seinem Teamkollegen Räikkönen einen Schlag versetzte, der ihn in den Boliden vom Red Bull-Piloten stieß. Vettel drehte sich aufgrund dieser Kollision und musste chancenlos zusehen, wie er auf der Mitte der Strecke von allen anderen Teilnehmern überholt wurde. Auch Räikkönen, der in der Folge ans Ende des Feldes zurückfiel, und Verstappen, der sich erhebliche Crashspuren zuzog, mussten viele Autos passieren lassen. Gewinner dieser ersten Startkollison war der von fast am Ende des Feldes gestartete Hamilton. Viele Fahrer vor ihm sammelten Trümmerteile auf und beschädigten sich und ihre Reifen nachhaltig.

Rote Flaggen – Rennabbruch

In der Anfangsphase des Rennens ging es dann Schlag auf Schlag. Nach einem Auffahrunfall zwischen Button und Wehrlein, bei dem beide ihre Wagen abstellen mussten, kam es zwei Runden später zum heftigen Einschlag Magnussens in der Eau Rouge. Auf dem Hügel hoch in der Eau Rouge verliert der Däne die Kontrolle über seinen Renault, korrigiert dann viel zu stark und verliert das Heck. Nach einem schnellen Dreher kracht der gelbe Wagen mit dem Heck voran in den Reifenstapel und dreht sich nochmals mit der Nase auf die Reifen. Ein heftiger Einschlag, den der Däne aber augenscheinlich nicht schwerer verletzt überstand. Aus eigener Kraft aus dem Wagen gestiegen, wartete der Däne schon auf das Medicalcar. Infolge dessen wurde sofort das Safetycar rausgeschickt, zu groß war das Trümmerfeld und die Gefahr für Fahrer und Aufräumtrupps. Die Rennleitung musste nach ein paar Runden aber feststellen, das größere Reparaturen an der Leitplanke sowie dem Reifenstapel nötig sind um die Sicherheit wieder gewährleisten zu können. Der zwischenzeitliche Rennabbruch war somit nicht mehr abzuwenden. Rote Flaggen und alle in die Box.

Privatduell Räikkönen vs. Verstappen geht in nächste Runde

Nach einer mehr als zehnminütigen Unterbrechung führte das Safetycar, verfolgt vom Führenden Rosberg, das Fahrerfeld wieder auf die Strecke. Keine zwei Runden dauerte es, da kamen sich der Ferrari von Räikkönen und der Red Bull von Max Verstappen wieder in die Quere. Beim Überholversuch in der Kremmel setzt sich die Nummer sieben neben die 33 und war schon so gut wie vorbei, doch der junge Niederländer gibt die Position nicht auf und schiebt den Wagen aus Maranello von der Strecke. Wiederum zwei Runden später nach Verlassen der Eau Rouge setzt Räikkönen zum Überholen an, der schon fast geschlagene Rookie wechselt daraufhin viel zu spät die Spur und zwingt den Finnen zum harten Bremsvorgang. „Das ist lächerlich, einfach lächerlich! Er wechselt wenn ich volles Tempo habe!“, schreit der Finne in den Boxenfunk. Eine zumindest sehr strittige Situation, die von den Stewarts aber als regelkonform angesehen wird.

Spazierfahrt für Rosberg

Unbekümmert von all diesen Vorkommnissen fährt Rosberg in seinem Mercedes dem Sieg entgegen. Kein Druck von der Konkurrenz, ist Rosbergs einziges Problem, dass Teamkollege Hamilton Platz um Platz gutmacht. Die Führung in der WM kann somit nur verringert werden. Nicht optimal für den Deutschen, bedenkt man, dass Hamilton strafversetzt von Position 21 an den Start gegangen ist. Das Rennen beruhigt sich zum Ende hin sichtlich und Überholmanöver werden seltener, harte Positionskämpfe gab es nur bis zur Halbzeit des Rennens. Die Taktik der Teams rückte so immer weiter in den Fokus und bestimmte von dort an das Geschehen auf dem Asphalt. Unbemerkt von allen stahl sich der Australier Daniel Ricciardo bis auf Position zwei vor, die er bis zum Schluss auch nicht mehr abgab. Im WM-Klassement verkürzt Rosberg so auf nur noch neun Zähler. „Es war ein tolles Wochenende für mich“, gab Rosberg anschließend zu Protokoll, relativierte aber auch: “ dass Lewis von ganz hinten gestartet ist, hat es natürlich einfacher gemacht“. Für Ferrari heißt es bis zum Heimrennen in einer Woche, Fehler der Fahrer, des Autos und des Teams in den Griff zu bekommen. Die Quote an eigens verschuldeten Unzulänglichkeiten kostet die Mannen aus Maranello zu viele Punkte.

Australisches Stiefeltrinken

Zu einer kuriosen Szene der etwas anderen Art, kam es während der Siegerehrung. Der Moderator der Ehrung, Mark Weber ebenfalls Australier wie der Zweitplatzierte Ricciardo, wurde nach der üblichen Champagnerdusche aufgefordert doch einen kräftigen Schluck aus dem mit eben diesem gefüllten Rennschuh zu nehmen. Angestachelt vom Publikum ließ sich der Ex-Fahrer dazu breitschlagen und wurde anschließend frenetisch gefeiert. Abschließend schwenkte die Stimmung der hauptsächlich niederländischen Fans wieder um, ihr Hoffnungsträger Verstappen hatte schließlich den Sprung aus Podium verpasst.


Schlagworte: Belgien Grand Prix 2016, Crash, Formel 1, Kevin Magnussen, Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton, Max Verstappen, Nico Rosberg, Rennabbruch, Spa-Francorchamps

Artikelinformationen


Datum: 29. August 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Marcel Musielak


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