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Seitenwechsel – Vom Fußball-Profi zum Sportredakteur

Til Bettenstaedt (rechts im Bild) gewann als Jugendlicher mit Spielern wie Lars Ricken die U16-Europameisterschaft und stieg mit Sportfreunde Siegen in die 2. Bundesliga auf. Heute ist er bei einer Zeitung in Ostfriesland für den Lokalsport zuständig.

Veröffentlicht am 23. September 2016 von

Cloppenburg/Leer – Für Til Bettenstaedt beginnt der Tag morgens um 9.30 Uhr in der Sportredaktion einer ostfriesischen Tageszeitung in Leer. „Dass sich überhaupt jemand erinnert, dass ich Profifußballer war, finde ich schon stark“, lächelt der sympathische 40-Jährige. Er wirkt immer noch durchtrainiert wie ein aktiver Fußballer. Und oft ist es ja so, dass ehemalige Profis nach Abschluss der Karriere als Spielertrainer arbeiten und selbst vor den Ball treten. Das ist bei ihm nicht der Fall.

„Ich halte mich etwas fit, aber mit dem Fußball habe ich abgeschlossen“, erklärt er. Schon früh hat er für sich beschlossen, nicht die „typische“ Laufbahn einzuschlagen. Der gebürtige Hesse hat neben seiner Karriere Politik und Soziologie studiert. Zu dieser Zeit spielt er für die Sportfreunde Siegen in der Regionalliga – damals die dritthöchste deutsche Spielklasse. Mit diesem Team steigt er damals in die 2. Liga auf, wo er in 27 Spielen fünf Treffer erzielte.

„Das war Gänsehaut pur“, erinnert er sich zurück. „Nach meinem ersten Tor gegen Unterhaching und dem Jubel im Stadion hatte ich Tränen in den Augen“, verrät Bettenstaedt mit einem Lächeln. Und weil das so schön war, steuerte er im gleichen Spiel auch noch einen zweiten Treffer zum 4:0-Sieg bei. Ebenso kann er einen Bundesliga-Einsatz für den FC Schalke 04 vorweisen. Am letzten Spieltag der Saison 1994/95 wechselt ihn Trainer Jörg Berger in der Partie gegen den SC Freiburg in der 70. Minute für Mark Schierenberg ein.

„Zusammen mit Jens Lehmann, Olaf Thon, Michael Büskens und Yves Eigenrauch auf dem Platz zu stehen war wie ein Traum“, schwärmt Bettenstaedt von den 20 „magischen“ Bundesliga-Minuten. Warum es letztlich nicht mit einer Karriere im Oberhaus klappte, ist für ihn kein Rätsel. „Nicht jeder schafft es bis ganz nach oben. Das muss man einfach feststellen. Neben harter Arbeit muss man auch die körperlichen Voraussetzungen haben und auch das nötige Quäntchen Glück.“

Nach seinem Wechsel zu den Sportfreunden kommt er auf 177 Einsätze in der Regionalliga, in denen er beachtliche 57 Tore erzielt. Als er merkt, dass die ganz großen Verträge nicht mehr auf den Tisch flattern werden, lernt er den Journalismus kennen. Während seines Engagements beim BV Cloppenburg in der Oberliga Nord bekommt der Kicker das Angebot, sein berufliches Glück in Ostfriesland zu finden. Was die wenigsten der Leser der Ostfriesen-Zeitung in Leer wissen: Da schreibt ein Jugend-Europameister. 1992 gewinnt er mit der deutschen U16-Auswahl neben Mitspielern wie Lars Ricken und Kai Michalke auf Zypern den Titel. 1995 nimmt der Sportredakteur mit der DFB-Auswahl zudem an der U20-Weltmeisterschaft in Katar teil.

Das zweite Vertragsjahr absolviert Till Bettenstaedt bei der Reserve-Mannschaft in der Bezirksliga, die er dann auch trainiert. Anschließend legt er den Schwerpunkt auf die Arbeit bei der Zeitung und hängt die Stollenschuhe an den Nagel. Der immer noch in Cloppenburg wohnhafte Ex-Schalker vermisse nach eigener Aussage manchmal das Fußballspielen, blicke aber ohne Wehmut zurück: „Nach einer Kreuzbandverletzung muss man auf seinen Körper hören. Das ist einfach so. Ich hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können. Das ist schon ein großes Privileg.“

Was ihn aber von „normalen“ Journalisten unterscheide, sei seine Betrachtung beim Sport. „Ich denke, ich verzeihe eher Fehler als andere“, lächelt er. Insofern greife er auf seine reichhaltige Erfahrung auf beiden Seiten der Bande zurück – und das sei auch gut so.


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Datum: 23. September 2016
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