Logo

Das Nachrichtenportal für Sport

Kolumne

Selbstbewusster Spielertyp ohne Qualitätsnachteil

Mats Hummels ist zweifacher Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und nicht zuletzt Weltmeister. Doch gerade im Moment ist er vor allem eins: Ein willkommenes mediales „Opfer“. Der Dortmunder ist ins Zentrum gerückt. Borussia Dortmund spielt eine starke Saison, trotzdem wird seit Wochen über die Leistung und das Auftreten von Kapitän Mats Hummels diskutiert.
Ist die Kritik gerechtfertigt?

Veröffentlicht am 02. Dezember 2015 von

Der Weltmeister spielt 2015/2016 seine bisher stärkste Bundesliga-Saison. Mit Blick auf die Statistiken, sollte die Kritik an Hummels vielleicht noch einmal überdacht werden: Der Ex-Bayer ist der zweikampfstärkste Spieler der Bundesliga-Saison, gewann überragende 70,5 Prozent seiner Duelle und liegt auch mit eindrucksvollen 77 Prozent gewonnener Luftduelle an der Spitze der Bundesliga-Statistik. Wie herausragend die Zweikampfwerte tatsächlich sind, wird anhand der deutlichen Steigerung gegenüber der Vorsaison und dem besseren Zweikampfwert als in seiner Double-Saison 2011/2012 (67,3 Prozent) deutlich.

 

„Ich fühle mich definitiv falsch bewertet“, lies Hummels unter der Woche in einem Kicker-Interview verlauten und nahm somit das erste Mal seit fast zwei Monaten wieder öffentlich Stellung. „Schlechte Sachen verkaufen sich einfach besser, als wenn man positiv berichtet.“ Gerade am Beispiel Mats Hummels wird das in den vergangenen Wochen deutlich. Hummels hat in den vergangenen Spielen sportlich sicher nicht alles richtig gemacht und die Kritik ist ebenso gerechtfertigt wie, aus medialer Sicht, richtig, doch ist sie deutlich überzogen. Es entsteht der Eindruck, dass Hummels 20 Zweikämpfe gewinnen kann, doch geschrieben wird nur über den einen, den er verloren hat. In Folge monierte der Kapitän fehlende Fairness bei der öffentlichen Bewertung seiner Leistungen: „Wenn es die Möglichkeit gibt, kräftig draufzuhauen, wird diese Möglichkeit in meinem Fall gern wahrgenommen.“ Dabei ist es auch egal, ob Mats Hummels direkt oder indirekt an den Fehlern in der Abwehr bzw. an Gegentoren beteiligt ist. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es für viele Kritiker auf das Gleiche hinausläuft, egal ob er Gegentore selbst verursacht oder nicht weiß die Fehler seiner Mitspieler auszugleichen.

 

Der Ruf nach selbstbewussten Spielertypen wird immer gerade dann laut, wenn solche Charaktere aufgehört haben. Matthäus, Effenberg, Kahn und Lehmann: Wie sehr werden sie vermisst. Das Mats Hummels, in modernerer, weicherer Ausgabe, einer dieser Protagonisten darstellt, unterstreicht der Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: Hummels sei „manchmal nicht pflegeleicht“, was allerdings, wie im Beispiel der davor genannten ehemaligen Spieler, „keinen Qualitätsnachteil“ bedeuten muss. Halbsätze von ihm genügen zuweilen, um sich vom Nirvana belangloser Sprechblasen, die von Pressestellen geglättet werden, abzuheben.

 

Alles in allem sollten sich die Medien hinterfragen, ob die Kritik am BVB-Kapitän, unter Berücksichtigung der Statistiken und der verhältnismäßig geringen Kritik gegenüber anderen (schuldigen) Mitspielern, gerechtfertigt ist. Kritik muss erlaubt sein, aber Gegenkritik, wie es Hummels praktiziert, eben auch. Ansonsten finden wir uns in einer Fußballgesellschaft wieder, die vollständig verphilipplahmt. Also: Weiterbaslern!


Schlagworte: Borussia Dortmund, Fußball Bundesliga, Mats Hummels

Artikelinformationen


Datum: 02. Dezember 2015
Veröffentlicht von:
Autor: Sven Brinkmeyer
Korrektur: Patrick Nowak


Teilen & Versenden


Auf teilen
Auf teilen

Kurzlink: bit.ly/1DASnWi