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Eishockey

Stanley-Cup-Finale: Tampa fordert Chicago heraus

Tampa-Chichago

(Hannover) Zwei Ausnahme-Mannschaften stehen dicht vor dem Gewinn der begehrtesten Eishockey-Trophäe der Welt. Die Subtropische Tampa Bay Lightning und der traditionelle Klub Chichago Blackhawks treffen im Stanley-Cup-Finale aufeinander. Trotz den geschichtlichen und geographischen Unterschieden zwischen den beiden, verspricht es eine hoch interessante Finalserie zu werden.

Veröffentlicht am 04. Juni 2015 von

Am Mittwoch, den dritten Juni, blickt die ganze Eishockeywelt nach Tampa. Bei den Temperaturen um die 30 Grad Celsius, abends, um acht Uhr Ortszeit (Donnerstag, zwei Uhr nachts Mitteleuropäischen Sommerzeit) startet die Finalserie zwischen den ortsansässigen Lightnings und den Chichago Blackhawks. Den beiden Mannschaften fehlen jeweils vier Siege, um den Stanley-Cup in die Höhe zu stemmen. Für die Blackhawks ist es bereits das dritte Stanley-Cup-Finale binnen den letzten sechs Jahren – Tampa spielte um den heiligen Eishockeygral, in ihrer jungen NHL-Geschichte (die Mannschaft wurde erst 1992 gegründet), erst ein einziges Mal, im Jahr 2004. Damit fordert der Stanley-Cup Sieger aus dem Jahre 2004, Tampa, den fünfmaligen Champion Chichago heraus. Nun spielen die beiden Mannschaften am 3. und 6. Juni zunächst in Tampa, dann geht es in den United Center, Heimatstätte von Chichago Blackhawks, mit dem dritten Spielen am 8.06 und dem vierten Duell zwei Tage später. Die darauffolgenden Spiele finden dann abwechselnd in Tampa (13.6.) und Chichago (15.06) statt. Falls  danach immer noch kein Sieger feststeht, findet das entscheidende siebte Spiel in Tampa am 17. Juni statt.

Der Weg ins Finale

Die junge Mannschaft Tampa Bay Lightning hat unter der Regie des Trainers Jon Cooper  in den ersten drei Playoff-Runden viele Erfahrungen sammeln können und vor allem den Glaube an sich selbst weiter gestärkt. Die Lightnings lagen mit 2:3 in der Serie gegen Detroit Red Wings hinten, gaben aber nicht auf – und erkämpften sich das siebte Spiel, welches sie gewannen. Im Viertelfinale räumte die Mannschaft von Trainer Cooper die Monreal Canadiens aus dem Weg mit 4:2 und zogen damit ins Westkonferenz Finale, Stanley-Cup-Halbfinale ein. Da bekamen sie es, mit niemanden geringeren als mit dem Regular Season Sieger, den New York Rangers zu tun.  In dieser Serie mussten die Tampa Bay Lightnings über die volle Distanz gehen, alle 7 Spielen absolvieren. Das entscheidende siebte Spiel fand im legendären Madison Square Garden statt. Durch den 2:0 Auswärtserfolg war Tampa gleichzeitig auch die erste Mannschaft der es gelungen ist, die Rangers aus  New York im Playoff Spiel Nummer 7 in ihrer eigenen Arena zu schlagen.

Die Schwarz-Rot-Weißen aus Chichago hatten einen wesentlich leichteren Weg ins Finale. In der ersten Runde siegten sie gegen die Predators aus Nashville mit 4:2. In der Runde danach hatte Minnesota Wild den Blackhawks nichts entgegen zu setzen – ein souveräner 4:0 Erfolg konnte eingefahren werden.  Im Halbfinale traf die Mannschaft um Kapitän Jonathan Toews auf die Ducks aus Anaheim. Erst im Spiel Nummer 7 konnte das Team um den Superstar Patrick Kane den Finaleinzug buchen. Somit steht der Stanley-Cup-Sieger von 2010 und 2013 erneut im Finale.

Die Teams im Vergleich

Beide Mannschaften haben exzellente Spieler in ihren Reihen, viele von denen sind bereits Superstars. Bei Chichago setzen die Spieler wie Jonathan Toews, Patrick Kane und Marian Hossa in entscheidenden Momenten die besondere Akzente. Auf der anderer Seite profitieren die Lightnight besonders von Leistung folgender Spielakteuren: mit der Dreier-Reihe um den Tylor Johnson, Ondřey Palat, Nikita Kutscherov. Nicht zu vergessen ist der Kapitän Steven Stamkos. Sie alle spielen überragende Playoff, denn 80 % aller von Tampa im Playoff erzielten Toren gehen auf das Konto dieser vier Spieler.

Chichago verfügt über wesentlich mehr Erfahrung, was die Playoff Finalspiele angeht. Bei den Meisterschaften 2010 und 2013 waren viele der aktuellen Spieler bereits mit dabei. Die Spieler von Tampa können über solche Erkenntnisse nicht nachweisen, denn für sie wird das erste Stanley-Cup-Finale ihrer Karriere.

Bei der genauen Analyse von Torhüter sowie den Defensivreihen lässt sich kein entscheidender Vorteil für einer der beiden Mannschaften ermitteln. Tampa spielt mit 7 Abwehrspieler, Chichago – mit 6, teilweise mit 4. Mit Ben Bishop (Tampa) und Corey Crawford (Chicago) stehen sich die besten Torhüter gegenüber, die bereits zum Vezina Cup nominiert wurden. Mit drei Shoutouts, zwei davon im entscheidenden siebten Spiel, bestätigte Bishop seine herausragende Spielform. Crawford seinerseits war der entscheidender Faktor bei den zwei Overtime Halbfinalsiegen. Mit seinen Paraden brachte er die Stürmer von Anaheim Ducks immer wieder zum Verzweifeln.

 Über-/Unterzahlspiel

Bei den zwei ausgeglichen Mannschaften liegt der Schlüssel zum Gesamterfolg meistens bei dem Über-/Unterzahlspiel. Im gesamten Playoff konnte Stamkos und Co. 22 % ihrer Überzahlmöglichkeiten nutzen, sie erzielten 16 Toren in 72 Versuchen. Nach drei absolvierten Play-off-Runden haben sie eine solide Unterzahlquote, sie mussten 13 Gegentoren beim 77 Unterzahlspielen hinnehmen. Ein wenig schlechter ist die Powerplayquote der Blackhawks, sie liegt knapp unter 20 %, genauer gesagt beim 19,6 %. Deutlich schlechter als die Lightnigns agieren die Schwarz-Rot-Weißen aber in der Unterzahl – jedes vierte gegnerische Powerplay führt zu einem Gegentor. Nicht zuletzt liegt es daran, dass in Unterzahl nur 4 von 6 Abwehrspieler agieren, und wenn einer von denen auf die Strafbank muss – dann sind es nur  noch drei.

Trainerduell

Jon Cooper gegen Joel Quenneville: so lautet das Trainerduell im Finale.  Mit dem Finaleinzug von Tampa bestärkt sich die verblüffende Erkenntnis, dass fast überall wo Cooper als Trainer tätig war,  er  in der zweiten Saison mit seinem Team die Meisterschaft gewinnen konnte.  Mit Norfolk Admirals holte er im Jahr 2012 den Calder Cup. In der United States Hockey League sowie in der North Amerikan Hockey League führte er ebenso in der zweiten Saison seine Mannschaften zum Meisterschaftstitel. Seine beste Entscheidung war der Positionswechsel des gelernten Centerstürmers, Steven Stamkos, auf die Flügel. Sowohl Stamkos, als auch das gesamte Team profitiert von dieser Entscheidung. Außerdem stellte er das gesamte Spielsystem um: er verzichtete auf das klassische Modell mit 12 Stürmer und 6 Abwehrspielern, und setzt auf ein 11-7 System.

Sein Kontrahent, Joel Quenneville, gehört zu den erfolgreichsten NHL-Trainern aller Zeiten. Mit einem weiteren, vierten Stanley-Cup-Sieg, würde er erst der zehnte Trainer sein, dem es gelungen ist. Gleichzeitig fehlen ihm auch nur 29 Siegen, um in der Liste der Trainern mit den meisten NHL – Siegen sich den zweiten Platz zu erringen.

Insgesamt verspricht die bevorstehende Finalserie eine der besten Serien in der NHL seit Jahren zu werden. Die beiden Mannschaften sind fast komplett ausgeglichen. Leichter Favorit ist allerdings der fünfmalige Champion Chicago – die Erfahrung von den Blackhawks – Spielern könnte der entscheidende Faktor werden. Mit  Brad Richards haben sie in ihren Reihen gleichzeitig auch einen Spieler, der mit Tampa 2004 bereits Meister und MVP der Finalserie wurde.  Nichtsdestotrotz minimiert es nur ein wenig die Chancen von Tampa, den Stanley-Cup nach Florida zu holen. Mit Detroit Red Wings, den Montreal Canadiens und den New York Rangers haben die Lightnings bereits drei der Original Six-Teams in den Playoff besiegt, was zuvor noch keinem Team gelungen war. Ob Chichago der vierte Traditionsverein wird, der dieses Schicksal betrifft, wird sich zeigen.


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Artikelinformationen


Datum: 04. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Korrektur: Louis Lambert


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