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Sportlerportrait

„Super-Michi“ – Deutschlands Goldjung‘ im Portrait

Gettyimages; Alex Livesy

Michael Jung ist der erfolgreichste deutsche Vielseitigkeitsreiter aller Zeiten. Mit zahlreichen Siegen und Platzierungen ist er der bisher jüngste Reiter in der Hall of Fame der FEI. Ein Rückblick auf die Karriere des sympathischen Schwarzwälders.

Veröffentlicht am 13. Juni 2016 von

„Seine Stärken? Er hat einfach keine Schwächen.“, das zumindest sagt Bundestrainer Hans Melzer über Michael Jung, den erfolgreichsten deutschen Vielseitigkeitsreiter aller Zeiten. Kaum ein Turnier, das er noch nicht für sich entscheiden konnte, kaum eine Auszeichnung, die er noch nicht erhielt. Er war der erste deutsche Weltmeister, der Erste der alle drei Titel – Weltmeister, Europameister und Olympiasieger – gleichzeitig hielt. Er war auch der erste deutsche Sieger des CCI4* Burghley. Und nun ist er der erste Deutsche, der den berühmten Vier-Sterne-Klassiker in Badmintion für sich entschied und somit der Gewinner des Grand-Slam ist.

Ein Rückblick auf die Karriere des sympathischen Reiters, der trotz allen Erfolges immer auf dem Boden blieb.

Früh übt sich

Michael Jung wird am 31. Juli 1982 als Sohn des Reitmeisters Joachim Jung im Taunus geboren. Als er das erste Mal auf dem Pferd sitzt, kann er noch nicht einmal laufen. Mit vier Jahren bekommt er sein erstes Pony. Jung ist früh klar, dass er Reiter werden möchte. Mit acht Jahren steigt Jung aufs Großpferd um und bestreitet die ersten Wettbewerbe. Als er zehn Jahre alt ist sendet sein Vater ein Bild von ihm und seinem Pferd an die Zeitschrift ReiterRevue, die zu dieser Zeit eine Serie anbietet, bei der Sitz und Einwirkung des Reiters anhand eines Fotos von Profis analysiert werden. Bereits damals wird Jung für seine vorbildliche Reitweise gelobt. Nach dem Realschulabschluss beginnt er die Ausbildung zum Pferdewirt. 2003 schließt er die Ausbildung mit Auszeichnung ab und bekommt im selben Jahr das goldene Reitabzeichen, eine Auszeichnung für zehn Siege in der schweren Klasse, im Springen und der Dressur verliehen.

Die Jahre 2005 bis 2010: Der Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte

2005 soll sich Jungs Leben für immer verändern. Der Stall der Familie bekommt mit dem damals fünfjährigen Wallach Sam Zuwachs. Was Jung damals nicht weiß – dieses Pferd soll sein größter Erfolgspartner werden. 2009 beginnt mit dem dritten Platz bei den Europameisterschaften in Frankreich eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Bei der Weltmeisterschaft in Kentucky 2010 holt das Traumpaar den ersten gemeinsamen WM-Titel. 2011 reitet er mit Sam in Luhmühlen ein und wird nicht nur Mannschaftseuropameister sondern gewinnt auch die Goldmedaille in der Einzelwertung.

2011 bis 2016: Jung schreibt Geschichte

Nach vier Titeln als Deutscher Meister im Junioren und Junge Reiter Lager, wird Michael Jung im Jahr 2012 das erste Mal Vielseitigkeitsmeister bei den Senioren. Er bestreitet die Prüfung im Sattel von River of Joy. Bis heute nutzt Jung die nationalen Titelkämpfe um junge Pferde an den Turniersport auf dem großen Parkett heranzuführen.

Olympia 2012 – nach der Dressur liegen Jung und Sam auf Platz 11, kämpfen sich in der Dressur auf Rang vier vor. Das abschließende Springen meistert das Paar fehlerfrei und sichert sich somit den Titel der Einzel- und Mannschafts-Olympiasieger. Ein Geschenk, das sich der Reiter an seinem 30. Geburtstag selbst macht. Es ist der Moment, in dem Jung das erste Mal Geschichte schreibt. Vor ihm trug noch niemand alle drei Titel zur selben Zeit.

Mit nur 30 Jahren wird Jung anschließend als jüngster Reiter aller Zeiten in die Hall of Fame des internationalen Reitsportverbandes berufen.

In Malmö hat Jung nur ein Jahr später wieder Grund zum Jubeln. Mit dem Pferd Halunke wird er erneut Einzel- und Mannschaftssieger bei der EM. 2014 folgen in der Normandie mit der erst neunjährigen Stute Rocana ein Mannschaftsweltmeistertitel und die Silbermedaille in der Einzelwertung. 2015 wird er trotz eines gebrochenen Knöchels abermals Doppel-Europameister.

In diesem Jahr folgen weitere historische Siege. Als erster deutscher entscheidet er das Turnier in Badminton für sich – und erfüllt sich damit selbst seinen größten Kindheitstraum. Dank seiner Erfolge in Burghley (GBR) und Lexington (USA) ist der 33-Jährige somit der Sieger des Grand Slam der Vielseitigkeitsreiterei. Vor Jung war das bisher im Jahr 2003 nur der Britin Pippa Funnell gelungen.

Der Jung‘ von nebenan

Doch eines zeichnet Jung ganz besonders aus. Und das sind nicht die vielen Titel und Rekorde, die der freundliche Schwarzwälder bereits verbuchen kann. „Super-Michi“ ist sympathisch und so vollständig auf dem Boden geblieben. Von seinen unglaublichen Erfolgen scheint er immer wieder selbst überrascht. Wo immer er kann erklärt er, das alles ist nicht nur sein Erfolg, dankt seinem Team, den Trainern und Unterstützern die das Erfolgsphänomen Jung möglich machen. Der Ausbildungsbetrieb, in dem Jung rund 30 Pferde beherbergt ist immer noch in Familienhänden. Hier arbeitet er Seite an Seite mit seinem Bruder. Jung ist vor allem für seine herausragende Reitweise bekannt, das Wohl des Pferdes steht bei ihm immer an oberster Stelle. Das macht ihn – gerade in der heutigen Zeit, in der der Reitsport immer wieder hart in die Kritik gerät – zu einem Vorzeigestar im Vielseitigkeitssport.

Der deutschen Reiterszene kann man daher nur eines wünschen: Dass unser Goldjung‘ ihr noch lange erhalten bleibt, denn kaum jemandem schauen wir so gern beim reiten – und gewinnen – zu, wie unserem „Super-Michi“.


Schlagworte: Badminton, Burghley, CCI4*, Grand Slam, Michael jung, Olympia, Reitsport, Sam, Vielseitigkeit

Artikelinformationen


Datum: 13. Juni 2016
Veröffentlicht von:
Autor: Maya de Wall


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