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SV Wilhelmshaven gewinnt gegen FIFA

Der niedersächsische Club hat dem Fußball-Weltverband erfolgreich die Stirn geboten. Das Bundesgerichtshof urteilte zugunsten der Hafenstädter und erklärte den Zwangsabstieg aus der Regionalliga für rechtswidrig. Dort könnten die Kicker bald wieder auflaufen.

Veröffentlicht am 20. September 2016 von

Karlsruhe/Wilhelmshaven – Der Bundesgerichtshof hat am Dienstagvormittag über den von der FIFA verhängten Zwangsabstieg des SV Wilhelmshaven aus der Fußball-Regionalliga geurteilt. Die Richter entschieden, dass es für diese Maßnahme keine ausreichende Grundlage gegeben habe. Die Jadestädter pochen jetzt auf die Wiedereingliederung in die Regionalliga.

157 500 Euro – an Ausbildungsentschädigung entfachen Rechtsstreit

Der Club hatte sich geweigert eine Ausbildungsentschädigung für den damals 19 Jahre alten Mittelfeldspieler Sergio Sagarzazu zu zahlen, der zu Beginn des Jahres 2007 aus der Jugend des argentinischen Erstligisten River Plate Buenos Aires nach Wilhelmshaven gewechselt war und dort seinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben hatte. Atletico Excursionistas – ein weiterer Verein, bei dem Sagarzazu im Nachwuchs gespielt hatte – und River Plate hatten daraufhin 157 500 Euro gemäß der FIFA-Statuten in Rechnung gestellt.

Weil die Jadestädter der Zahlungsaufforderung nicht nachgekommen waren, verhängte die Disziplinarkommision des Fußball-Weltverbandes nach vorherigen Punktabzügen und Geldstrafen am 5. Oktober 2012 den Zwangsabstieg des SVW, der zum Ende der Saison 2014 vollstreckt wurde. Eine Klage der Niedersachsen vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS war gescheitert.

Fifa, DFB, NFV – Handlungskette lässt Urteil einstürzen

Der DFB, der von der FIFA dazu aufgefordert worden war, die Maßnahme umzusetzen, reichte diese Aufgabe schließlich an den für die Regionalliga Nord zuständigen Norddeutschen Fußballverband (NFV) weiter – der setzte den Zwangsabstieg um.

Diese Handlungskette könnte den Verbänden nun zum Verhängnis werden. Denn: „Ob sich aus den Satzungen des DFB oder der FIFA entsprechende Bestimmungen ergeben, ist ohne Belang. Maßgebend ist allein die Satzung des Beklagten (also des NFV, Red.)“, heißt es in der Urteilsbegründung des BGH. Weil der SV Wilhelmshaven nur Mitglied des NFV und nicht etwa der FIFA oder des DFB ist, gilt nur das Regelwerk des Norddeutschen Fußballverbandes. „Diese Satzung verweist hinsichtlich von Disziplinarmaßnahmen bei Nichtzahlung von Ausbildungsentschädigungen auch nicht auf die Bestimmungen in den Regelwerken des DFB oder der FIFA.“ Demnach gibt es keine Rechtsgrundlage für den Zwangsabstieg.

Für Sergio Sagarzazu war Wilhelmshaven nur eine seiner bisher neun Profi-Stationen. 2008 wechselte der Mittelfeldspieler zurück nach Argentinien. Mittlerweile spielt er dort in der ersten Liga für San Martin.

Die Chronologie im Fall „Wilhelmshaven“:

Über beinahe zehn Jahre hat sich der Konflikt zwischen dem ehemaligen Regionalligisten SV Wilhelmshaven und den Fußballverbänden wegen des Wechsels von Sergio Sagarzazu zum SVW hingezogen. Nun hat der Bundesgerichtshof in Kalrsruhe sein Urteil gesprochen: Der Zwangsabstieg der Niedersachsen ist unwirksam. Die Chronologie des Falls.

Januar 2007: Der SV Wilhelmshaven verpflichtet den Spieler Sergio Sagarzazu, einen Argentinier mit italienischem Pass. Er bestreitet elf Partien für den Club in der Regionalliga.

Dezember 2008: Die FIFA legt eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von insgesamt 157 500 Euro fest. Das Geld soll Wilhelmshaven an die argentinischen Clubs River Plate und Atletico Excursionistas zahlen. Der SVW weigert sich, das zu tun.

Oktober 2009: Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigt die Ausbildungsentschädigung. Wilhelmshaven weigert sich weiter.

März 2012: Der damals noch für die Regionalligen verantwortliche Deutsche Fußball-Bund (DFB) zieht Wilhelmshaven auf Anweisung der FIFA sechs Punkte in der laufenden Runde ab. Weil die Ligen umstrukturiert werden, kann der Verein dadurch nicht absteigen.

August 2012: Wieder werden dem SVW sechs Punkte abgezogen. Nach der Ligenreform ist inzwischen der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) zuständig und erfüllt den FIFA-Auftrag.

Oktober 2012: Die Disziplinarkommission der FIFA ordnet den Zwangsabstieg an. Klagen des SVW vor Sportgerichten scheitern.

Februar 2014: Der NFV macht es offiziell – Wilhelmshaven muss zum Ende der Saison 2013/2014 absteigen.

April 2014: Das Landgericht Bremen weist die Klage des SVW gegen den Zwangsabstieg ab. Spielzeit 2014/2015: Nach dem Zwangsabstieg erhält der Verein keine Lizenz für die Oberliga. Es geht in der Landesliga weiter.

Dezember 2014: Das Oberlandesgericht Bremen erklärt den Zwangsabstieg für unwirksam. Die Ausbildungsentschädigung verstoße gegen EU-Recht. Der NFV geht in Revision, der Fall erreicht den Bundesgerichtshof (BGH). Spielzeit 2015/2016: Der SVW steigt aus der Landesliga ab. Der Club spielt jetzt in der Bezirksliga.

5. Juli 2016: Der BGH in Karlsruhe verhandelt den Fall und kündigt sein Urteil für September an. 20. September 2016: Der BGH erklärt den von der FIFA verhängten Zwangsabstieg des SV Wilhelmshaven für unwirksam.


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Datum: 20. September 2016
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