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Leichtathletik

Team-EM 2015: Mission Titelverteidigung gescheitert

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(Hannover) Am 21./ 22. Juni fand im russischen Tscheboksary die sechste Leichtathletik Team-Europameisterschaft statt. Die Mannschaft des DLV (Deutscher Leichtathletikverband) war bei der Mission Titelverteidigung chancenlos. Der Vorjahressieger musste sich dieses Mal deutlich Gastgeber Russland geschlagen geben.

Veröffentlicht am 23. Juni 2015 von

Trotz einer insgesamt überzeugenden Leistung haben die deutschen Leichtathletik-Asse bei der Team-EM die erfolgreiche Titelverteidigung aus dem Vorjahr deutlich verpasst. Mit einem Punktestand von 346,5 Zählern lag das DLV-Team am Ende auf dem zweiten Rang hinter Gastgeber Russland (368,5 Punkte) und vor Frankreich (319,5 Punkte).

Eine Wiederholung des „Braunschweiger-Coups“ 2014 wurde schon vor Beginn des Wettkampfwochenendes als schwierig eingestuft. Trotz deutscher Top-Besetzung inklusive der drei amtierenden Weltmeister Christina Obergföll (Speerwurf), Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung) und David Storl (Kugelstoßen) wurde Gastgeber Russland vor heimischem Publikum als Favorit gehandelt. „Neben dem russischen Team werden uns die Mannschaften aus Großbritannien, Frankreich und Polen intensiv herausfordern und mit um die Podiumsplätze kämpfen“, prophezeite DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska. Jeder einzelne Punkt und jede einzelne Platzierung könne am Ende den entscheidenden Unterschied ausmachen, so Gonschinska. Die Team-EM stelle ein besonderes Format im Jahreskalender der Leichtathleten dar, da ausnahmsweise das Team und nicht nur der einzelne Athlet im Fokus stehe.

Sechs Siege und starke Werfer

Von 40 Entscheidungen konnte das DLV-Team sechs Siege und damit sechs Mal zwölf Punkte einfahren. Die Tendenz zum „Werfer-Deutschland“ als Erfolgsgarant des DLV zeigte sich wieder einmal bestätigt: Christina Obergföll (Speerwurf),  sowie die Kugelstoßer Christina Schwanitz und David Storl sorgten für deutsche Siege. Auch Hammerwerferin und Teamkapitänin Betty Heidler lieferte Punkte. Sie erkämpfte sich Rang zwei und somit elf Zähler für den DLV. Weitere zwölf Punkte erbrachten Gesa Felicitas Krause (3000m Hindernis), Silke Spiegelburg (Stabhochsprung) und Richard Ringer (3000m).

Fast einen Meter Vorsprung für David Storl

Doppel-Weltmeister Storl wurde sowohl seiner Favoritenrolle, als auch seinem eigenen Ziel gerecht: „Mein Ziel waren zwölf Punkte für die Mannschaft. Das habe ich geschafft!“, resümierte der 24-Jährige. Mit seiner Siegerweite von 21,20m lag der sächsische Hüne fast einen Meter vor dem Zweitplatzierten Tomasz Majewski (20,23m) aus Polen. Zufrieden mit dem Wettbewerb zeigte Storl sich jedoch nicht. „Die Russen feuern nur ihre eigene Mannschaft an – und die anderen fallen hinten runter.“ kritisierte Storl die Stimmung im Stadion Olimpijski von Tscheboksary und appellierte daran, zukünftige Team-Europameisterschaften an nicht noch weiter entfernte Ausrichterstädte zu vergeben.

Beeindruckende Leistung von Gesa Felicitas Krause

Für eine der beeindruckendsten Leistungen sorgte Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause. Trotz Temperaturen an die 30 Grad setzte sich die 22-Jährige von Beginn an die Spitze des Feldes und gab diese Position bis zum Zieleinlauf nicht mehr her. Die Frankfurterin kam mit einer Zeit von 9.46,49min ins Ziel und somit 13 Sekunden vor ihrer Konkurrentin Lennie Waite aus Großbritannien. Mit den zwölf Punkten im Visier entwickelte die Athletin mit ihrem Trainer im Vorfeld eine spezielle Renntaktik: „Ich habe mich auf ein Rennen in einem europäischen Feld gefreut, das hat man ja nicht ganz so oft. In der Diamond League muss man immer seinen Platz finden, rennt oft hinterher. Deswegen habe ich auch mit meinem Trainer besprochen, das Rennen hier ganz offensiv anzugehen.“ so Krause.

Obergföll trotz Einzelsieg unzufrieden

„Ich hadere mit mir!“, resümierte Christina Obergföll nach Beendigung ihres Wettkampfes. Trotz gewonnener zwölf Punkte für die deutsche Mannschaft zeigte sich die Offenburgerin nach ihrem Comeback aus der Babypause mit 61,69m unzufrieden. „Ich bin happy, dass ich zwölf Punkte gewonnen habe. […] Aber mit der Weite bin ich überhaupt nicht zufrieden, ich wollte mehr rausholen. […] Vielleicht nicht Weiten um 66 Plus, aber schon Weiten um 64 – so fühle ich mich momentan und daher ärgere ich mich, dass das heute nicht geklappt hat.“

Zwölf Punkte nach Verletzungspause: Silke Spiegelburg begeistert

Rund ein Jahr nach ihrer Fuß-OP und einem monatelangen Kampf zurück in die Stabhochsprung-Elite gelang Silke Spiegelburg in Tscheboksary der ganz große Sprung. Mit überquerten 4,75m machte sie Lokalmatadorin Anzhelika Sidorova, die 4,70m vorgelegt hatte, den Sieg streitig und steigerte ihre Saisonbestleistung um 15 Zentimeter. „Ich bin über-, überglücklich“, freute sich die Stabhochspringerin. „Ich kann`s kaum fassen, dass ich so früh schon die 4.75m geknackt habe. Und das aus verkürztem Anlauf, eigentlich mache ich vier Schritte mehr! […] Bis zum heutigen Tag dachte ich, ich bin noch viel weiter von der Form vor der Verletzung entfernt!“

Ganz stark präsentierte sich auch Spiegelburgs Disziplin-Kollege Raphael Holzdeppe. Mit 5,85m sprang er so hoch wie seit seinem WM-Sieg in Moskau nicht mehr und wurde Zweiter hinter dem höhengleichen Weltrekordhalter Renaud Lavillenie aus Frankreich.

Wichtiger Schritt zur WM in Peking

„Die Mannschaft hat Teamgeist gezeigt […]. Alle haben bis zum letzten Wettbewerb für den Erfolg gekämpft […]“, resümierte DLV-Chefcoach Idriss Gonschinska nach dem erfolgreichen Wettkampfwochenende. Gerade der Mix zwischen den Erfahrenen und den Nachwuchsathleten habe sehr gut funktioniert. Es sei somit der richtige Weg, diese Veranstaltung für die Neufirmierung der Nationalmannschaft zu nutzen, insbesondere in Hinblick auf die Ende August anstehenden Weltmeisterschaften in Peking (China).


Schlagworte: Christina Obergföll, David Storl, DLV, Gesa Felicitas Krause, Leichtathletik, Silke Spiegelburg, Team-Europameisterschaft, Titelverteidigung missglückt, Tscheboksary 2015

Artikelinformationen


Datum: 23. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Bildquelle: © Getty Images
Autor: Svenja Ebeling
Korrektur: Marvin Sonnemann


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