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Tennis-Deutschland versinkt im Treibsand von Paris

Görges Paris

Die French Open gehen in die heiße Phase, doch im Lager der deutschen Tennis-Asse ist die Stimmung unterkühlt. Bereits in der ersten Woche des wichtigsten Sandplatzturniers der Welt waren 15 von 16 deutschen Tennisprofis ausgeschieden, am Montag scheiterte mit Julia Görges dann auch die letzte schwarz-rot-goldene Hoffnung auf der roten Asche.

Veröffentlicht am 02. Juni 2015 von

(Hannover.) Ratlosigkeit, Ärger und Ernüchterung. Die deutschen Eindrücke beim zweiten Grand Slam Turnier des Jahres fallen alles andere als positiv aus. Besonders die nominellen Leistungsträger präsentierten sich in Paris weit unter ihren Möglichkeiten und werden sich die Feststellung gefallen lassen müssen, dass sie in ihrer aktuellen Form meilenweit von der Weltspitze entfernt sind. Dass das Fazit nicht noch katastrophaler ausfällt, liegt neben Görges, die als Nummer 72 der Setzliste in das Turnier gestartet war, vor allem am deutschen Nachwuchs.

Die Rede ist von Annika Beck, Anna-Lena Friedsam und Carina Witthoeft. Das Trio spielte in „Roland Garros“ stark auf und zeigte gegen deutlich besser eingestufte Spielerinnen großes Tennis. Friedsam gelang es, der Weltranglistenersten Serena Williams einen Satz abzunehmen, Beck schaltete bereits in der ersten Runde die ehemalige Top 5 Spielerin Agnieszka Radwanska aus. Die Hamburgerin Witthoeft verlor nur knapp in drei Sätzen gegen die spätere Görges-Bezwingerin Sara Errani. Doch so gut sich die Hoffnungsträgerinnen auch präsentierten, täuscht dies nicht über den kollektiven Einbruch hinweg, den die etablierten deutschen Damen erlebten.

Denn weder Andrea Petkovic, noch Angelique Kerber oder Sabine Lisicki konnten die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Petkovic strauchelte, als deutsche Nummer eins, bereits in Runde zwei gegen die unbekannte Spanierin Dominguez Lino, schaffte es aber mit einem Dreisatzsieg in die nächste Runde. Dort war sie gegen die Italienerin Errani letztendlich chancenlos. Sabine Lisicki traf in Runde drei auf die starke Tschechin Lucie Safarova und verlor trotz einer couragierten Leistung in zwei Sätzen. Für die wohl mit Abstand größte Enttäuschung sorgte aus deutscher Sicht das frühe Aus der an Position elf gesetzten Kerber. Nach Turniersiegen im amerikanischen Charleston und in Stuttgart, war die Kielerin in den Kreis der French Open Favoritinnen aufgestiegen, zeigte aber schnell, dass sie dieser Rolle nicht gewachsen war. Nach zwei souveränen Siegen zum Auftakt war schon die erste kleinere Messlatte zu hoch für die Norddeutsche. Gegen die spanische Top 30 Spielerin Garbine Murguruza brach Kerber nach gewonnenem ersten Durchgang ein und unterlag mit 6:4, 2:6 und 2:6. So blieb als Lichtblick nur Görges, die in der zweiten Runde sensationell die Weltranglisten-Fünfte Caroline Wozniacki niederrang und nach einem weiteren Sieg erst im Achtelfinale an Errani scheiterte.

Da sich auch die Herren quasi ausnahmslos in die Phalanx der Enttäuschungen einreihten, den verletzten Benjamin Becker ausgenommen, fällt die Bilanz der French Open 2015 aus deutscher Sicht enttäuschend aus. Die rote Asche von Paris erschien für die besten deutschen Tennisspielerinnen und Tennisspieler wie Treibsand, in dem einer nach dem anderen versank. Auf der Suche nach Erklärungen sind die Blessuren, die einige der Profis mit nach Paris brachten, nur ein schwacher Trost. Viel mehr bleibt unerklärlich, warum die hohen Veranlagungen, die etlichen deutschen Spielerinnen und Spielern seit Jahren nachgesagt werden, nicht auf den Platz gebracht werden können. Dieser Frage sollten auch Kerber, Petkovic und Co. mit ihren Trainerteams nachgehen, um beim nächsten Saisonhighlight in Wimbledon nicht auch noch auf dem heiligen Rasen auszurutschen.


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Datum: 02. Juni 2015
Veröffentlicht von:
Korrektur: Louis Lambert


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